Auch die Konzernmutter stellt um

FRANKFURT. Ab Oktober gibt es bei der deutschen Lufthansa auf Kurz- und Mittelstreckenflügen ein neues Tarifsystem, das einer Revolution gleichkommt: Je nach Kategorie muss man nun auch bei der Airline mit dem blauen Kranich für das Gepäckstück draufzahlen.

Christoph Reichmuth
Drucken
Teilen

FRANKFURT. Ab Oktober gibt es bei der deutschen Lufthansa auf Kurz- und Mittelstreckenflügen ein neues Tarifsystem, das einer Revolution gleichkommt: Je nach Kategorie muss man nun auch bei der Airline mit dem blauen Kranich für das Gepäckstück draufzahlen. Bisher galt bei der Fluggesellschaft eigentlich stets das Prinzip: ein Flug, ein Leistungspaket, ein Preis.

Um auf dem hartumkämpften Markt in Europa konkurrenzfähiger zu werden, verpasst sich die Lufthansa eine Preisstruktur, wie man sie vor allem von Billig-Airlines wie Easyjet oder Ryanair her kennt. Passagiere der Economy-Klasse können bei Lufthansa künftig zwischen drei Kategorien wählen. Wer im preisgünstigsten Tarif bucht, darf künftig nur noch Handgepäck von maximal 8 kg an Bord nehmen. Wer die Tasche am Check-in aufgibt, bezahlt 30 € Zuschlag. «Es ist der Wunsch vieler Fluggäste, nur für jene Leistungen zu zahlen, die auch tatsächlich in Anspruch genommen werden», sagte Jens Bischof von der Lufthansa-Passagiersparte gegenüber der FAZ. Ebenfalls Extrakosten verursachen beim neuen Tarifsystem Umbuchungen oder spezielle Sitzplatzwünsche.

Swiss stuft teilweise ebenfalls ab

Immerhin bleibt der Snack mitsamt Getränk künftig unabhängig von der Kategorie im Flugpreis inbegriffen. Ein gestaffeltes Preissystem gibt es schon seit längerem bei der Lufthansa-Tochter Germanwings, Swiss kennt ebenfalls mehrstufige Preissysteme (vgl. Ausgabe vom 9. Juni). Und auch grosse Airlines wie British Airways oder Air France haben bereits abgestufte Preiskategorien im Angebot.

Anpassungen sind nötig. Die Lufthansa wird heute von zwei Seiten konkurriert: Einerseits können Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet Kurz- und Mittelstreckenflüge preisgünstiger anbieten als Lufthansa, weshalb der Konzern das Europa-Geschäft mehr und mehr der Billig-Tochter Eurowings überlassen wird. Andrerseits ist Lufthansa auch im Markt der Premium-Gesellschaften unter Druck. Staatlich indirekt geförderte Fluglinien der Golfstaaten wie Emirates, Etihad oder Qatar machen der deutschen Airline das Leben schwer, die Betriebskosten je Passagierkilometer gelten als relativ hoch bei der Lufthansa.

Weniger Flugzeuge?

Die Kranich-Airline setzt künftig auf eine Strategie mit weniger Flugverbindungen, die höhere Erträge einbringen sollen. Laut Bericht der Zeitung «Die Welt» soll Konzernchef Carsten Spohr gesagt haben, dass Lufthansa künftig 250 Maschinen reichen würden, um im Geschäft der Grossanbieter mitzumischen. Heute sind es knapp 680 Flugzeuge.