Auch die Administration hat in Steinach keine Zukunft: TE Connectivity bricht alle Zelte am Bodensee ab

Am Standort Steinach gehen neben allen 259 Stellen in der Produktion auch jene 37 in der Administration verloren – total rund 300 Arbeitsplätze. Für die Lernenden sind dafür Lösungen gefunden. Und für das frei werdende Firmenareal soll es bereits eine Reihe von Interessenten geben.

Thomas Griesser Kym
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TE Connectivity in Steinach. Der Standort wird geschlossen, alle rund 300 Stellen verschwinden.

TE Connectivity in Steinach. Der Standort wird geschlossen, alle rund 300 Stellen verschwinden.

Bild: Gian Ehrenzeller/KEY (12. August 2020)

Am 11. August 2020 war klar: Die Produktion des amerikanischen Elektronikkonzerns TE Connectivity am Standort Steinach wird geschlossen, alle 259 Arbeitsplätze im Werk werden gestrichen. Nun ist ein weiterer Entscheid gefallen: Auch die Stellen jener 37 Mitarbeitenden, die in der Administration tätig sind, werden in Steinach verschwinden. Mit anderen Worten: TE Connectivity bricht alle seine Zelte am Bodensee ab. Firmensprecher Alexander Filz sagt auf Anfrage, die 37 Administrationsstellen gingen «nicht verloren», sondern sie «werden verlegt». Wohin, das sei «im Stadium der Abklärung».

In Kreisen der Belegschaft war schon früher gemutmasst worden, diese Arbeitsplätze könnten über kurz oder lang in Steinach verloren gehen und nach Schaffhausen verlegt werden, wo TE Connectivity seit Mitte 2009 seinen formellen Konzernhauptsitz unterhält. Im Falle einer Verlegung nach Schaffhausen könnten möglicherweise einige Mitarbeitende, je nach Wohnort und Mobilität, ihrer Stelle dorthin folgen. Filz sagt dazu allgemein:

«Wir sind mit den einzelnen Personen im Austausch, um hier bestmögliche Lösungen zu finden.»

Alle Lernenden sind versorgt

Bessere Nachrichten hat Filz betreffend die Lernenden. Im August hatte es geheissen, TE Connectivity suche noch für vier der insgesamt 17 Lernenden eine Anschlusslösung. Nun sagt Filz:

«Alle unsere Lernenden haben eine neue Lehrstelle gefunden und werden von uns in der Übergangsphase begleitet.»

Und weiter: «Darüber hinaus bieten wir den Unternehmen, die sie übernommen haben, eine finanzielle Unterstützung an.» Das hatte TE Connectivity versprochen, ebenso, dass zehn der Lernenden ihre Ausbildung noch im Betrieb abschliessen konnten oder können.

Im Weiteren hat der im August formulierte Zeitplan weiterhin Gültigkeit. Demnach soll das Werk «im Sommer 2021» geschlossen werden. Im August und September sind wie angekündigt 70 Kündigungen ausgesprochen worden. Auch halte TE Connectivity am Plan fest, «die noch ausstehenden Kündigungen in einzelnen Wellen durchzuführen», wie Filz sagt. Das würde laut den ursprünglichen Angaben bedeuten, dass es als nächstes 40 Kündigungen noch im November und allenfalls im Dezember gibt und weitere gestaffelt im kommenden Jahr.

Unterstützung durch Outplacement-Spezialisten

Über das Ausmass natürlicher Abgänge, Frühpensionierungen usw. macht Filz keine Angaben. Auch nicht darüber, wie viele Mitarbeitende allenfalls bereits eine neue Stelle gefunden haben. Auf die Frage, mit wie vielen Kündigungen TE Connectivity in der Summe rechne, sagt Filz: «Das lässt sich heute nicht sagen.» Im August hatte es geheissen, das Unternehmen gehe davon aus, dass unter den 259 Produktionsbeschäftigten «in der überwiegenden Zahl der Fälle» Kündigungen ausgesprochen werden müssten, verbunden mit einem Sozialplan.

Mitte August ist laut Filz eine Kooperation mit zwei Outplacement-Spezialisten angelaufen:

«Das Angebot besteht einerseits aus Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche sowie andererseits aus konkreter Vermittlung, wo das möglich ist.»

Es hätten bereits virtuelle Schulungen und Workshops stattgefunden. Mitarbeitende, die nicht teilnehmen konnten, könnten die Lektionen als Webinar online abrufen. Ungefähr die Hälfte der Angestellten habe sich für die Onlineschulungen eingetragen sowie bei den Outplacement- Spezialisten für weitere Beratungen direkt angemeldet.

Auch das RAV ist aktiv geworden

Zudem arbeitet TE Connectivity, wie Filz sagt, «eng mit den zuständigen Behörden zusammen». Dazu sagt Karin Jung, Leiterin des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St.Gallen, das zuständige Regionale Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) habe die betroffenen Angestellten im August in Steinach über den Bezug von Taggeldern und seine Angebote wie Beratung, Vermittlung, Arbeitsmarktmassnahmen usw. informiert.

Die Teilnehmenden konnten sich anlässlich der Veranstaltung auch direkt beim RAV anmelden, sagt Jung. Gegenwärtig finde kein aktiver Austausch zwischen dem RAV und TE Connectivity statt. Die Firma habe aber schon im Sommer in Aussicht gestellt, sich anlässlich der weiteren Kündigungen, namentlich der zweiten Tranche im November und Dezember, wieder mit dem RAV in Verbindung zu setzen, sagt die Amtsleiterin.

«Keine langfristige Entspannung»

Über den Geschäftsgang sagt Filz, die Situation entwickle sich «den Erwartungen entsprechend»; leider habe es bei den äusseren Umständen «keine langfristige Entspannung» gegeben. TE Connectivity hatte das Aus für das Steinacher Werk, das Steckverbinder für die Autoindustrie herstellt, mit strukturellen Verschiebungen im Autobau (Trend zur Elektromobilität), steigendem Kostendruck, Überkapazitäten und einer notwendigen Verkürzung der Lieferzeiten mittels grösserer geografischer Nähe zu den Kunden in Asien, Osteuropa und den USA begründet. Gegenteilige Äusserungen aus der Belegschaft, das Werk sei im internationalen Vergleich sehr wohl wettbewerbsfähig, hat TE Connectivity nicht kommentiert.

Längerfristig stellt sich auch die Frage, was mit dem Firmenareal geschieht, nachdem TE Connectivity seine Zelte am Bodensee abgebrochen hat. Alexander Filz sagt:

«Es gibt eine Reihe von Investoren und Firmen, die sich für das Areal interessieren.»

Es gebe aber noch «keine endgültige Entscheidung».