Auch China schiesst sich ins eigene Knie

Analyse zum drohenden Handelskrieg zwischen China und den USA

Felix Lee, Peking
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Wie unter Raufbolden im Kindergarten: Auf Schlag folgt Gegenschlag. Zwar scheint die US-Regierung ein Stück weit zurückzurudern. Donald Trumps neuer Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte gestern, die angekündigten Massnahmen seien nur Vorschläge. Es gebe noch jede Menge Verhandlungsspielraum. Dennoch droht der Streit zu einem handfesten Handelskrieg auszuarten.

Denn inzwischen feuert China kräftig zurück. Nur wenige Stunden nachdem die US-Regierung eine Liste mit 1333 chinesischen Produkten vorgelegt hat, auf die ein Strafzoll in Höhe von 25 Prozent erhoben werden soll, konterte die chinesische Führung mit einer eigenen Liste.

Sojabohnen, Rindfleisch, Autos, Chemikalien, Tabak, Orangensaft, aber auch symbolstarkes wie Whiskey oder Flugzeuge – 106 US-Produkte listet Chinas Führung auf, die sie mit Strafzöllen in gleicher Höhe zu belegen gedenkt – sollte die US-Regierung ihre Drohung wahrmachen und nach den bereits verhängten Strafzöllen auf Stahl und Aluminium auch die Einfuhr von Autos, Fernsehern und industriellen Vorprodukten aus China belasten. Was dabei auffällt: Die Strafzölle der USA zielen vor allem auf Produkte der chinesischen Hochtechnologie-Indus­trien ab. Das könnte allerdings nach hinten losgehen. Laut China-Analyst Arthur Kroeber vom Beratungsinstitut Gavekal haben gerade US-Techfirmen zuletzt besonders kräftig im Reich der Mitte investiert.

Es sei halt schwierig, «Strafzölle zu finden, die China mehr schaden als den USA», sagt Kroeber. Mit Strafzöllen auf Soja und Rindfleisch will China wiederum vor allem den ländlichen Raum in den USA treffen – Trumps Kern­wählerschaft. Doch auch für China könnte diese Massnahme nach hinten losgehen. Die Sojabohne ist seit Jahrhunderten neben Reis eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Chinesen.

Und noch in anderer Hinsicht könnte China als Verlierer aus dem Handelsstreit hervorgehen. Denn mit der Kritik an China wegen Technologieklau, Joint-Venture-Zwang und anderer Formen des Protektionismus stehen die USA keineswegs alleine da. Auch europäische Unternehmen kritisieren den ungleichen Marktzugang in der Volksrepublik. Westliche Diplomaten in Peking halten es daher für möglich, dass China sich doch gezwungen sieht, Konzessionen zu machen. Vorschläge in diese Richtung hat der chinesische Vizepremier Liu He Anfang März in Washington bereits gemacht. Zu der Zeit war das Weisse Haus noch nicht verhandlungsbereit. Das ist jetzt anders. Das Geschacher kann also beginnen.