ASSEKURANZ
«Es braucht nicht noch einen Einbrecher» – die Pandemie hat für die Helvetia auch ihr Gutes

Weniger Verkehrsunfälle, weniger Einbrüche, weniger Diebstähle: Von solchen Folgen des Coronavirus hat der Versicherer 2020 profitiert. Umgekehrt gingen die Vergleichslösung für Gastronomiebetriebe und Reiseversicherungen ins Tuch. Insgesamt aber sieht sich die Helvetia gut unterwegs und gut aufgestellt. Ausser dass die Kosten zu hoch seien. Jetzt wird gespart.

Thomas Griesser Kym
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Helvetia-Chef Philipp Gmür am Hauptsitz des Versicherers.

Helvetia-Chef Philipp Gmür am Hauptsitz des Versicherers.

Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 18. August 2017)

Zunächst hatte die Versicherungsbranche die Gastroszene im Regen stehen gelassen. Kaum ein Restaurant, das über eine Versicherung gegen eine Pandemie verfügt. Unter öffentlicher Empörung lenkte die Assekuranz schliesslich ein und bot Vergleichslösungen an. Geld gekostet haben im Zusammenhang mit der Pandemie vor allem auch Schadenzahlungen bei Reise- und Assistenzversicherungen.

Helvetia-Finanzchefin Annelis Lüscher Hämmerli.

Helvetia-Finanzchefin Annelis Lüscher Hämmerli.

Bild: PD

Bilanz 2020 der Helvetia: Die Schadenbelastung durch Covid-19 betrug 97,5 Millionen Franken, wie die seit einem halben Jahr amtierende Finanzchefin Annelis Lüscher Hämmerli sagt. Dabei hat sich die Lage im zweiten Semester deutlich beruhigt, waren doch 89,4 Millionen dieser Belastung schon im ersten Halbjahr angefallen.

Einmal scheppert's weniger, einmal mehr

Auf der anderen Seite hat die Helvetia von Covid-19 auch profitiert. So etwa, weil es wegen der geringeren Mobilität (Lockdowns, Homeoffice) weniger Verkehrsunfälle und folglich weniger Schäden in der Motorfahrzeugversicherung zu decken gab, wie Helvetia-Chef Philipp Gmür sagt. Auch für Schäden aus Einbrüchen und Diebstählen musste die Helvetia weniger bezahlen. Philipp Gmür sagt:

«Die Leute sind mehr zu Hause. Es braucht nicht noch einen Einbrecher, der zu Besuch kommt.»

Eine gewisse Entlastung hat Gmür auch in der Haftpflichtversicherung registriert, während es umgekehrt anderswo auch zu höheren Schäden gekommen ist, so teils in der Hausratversicherung. Salopp formuliert: Wenn die Leute mehr zu Hause sind, machen sie dort auch mehr kaputt.

Geschäftsmieten erlassen

Wegen der Pandemie hat die Helvetia ihren Kunden auch anderweitig unter die Arme gegriffen. So etwa wurden «mehr als hundert» Geschäftsinhabern Mieten «in einstelliger Millionenhöhe» erlassen. Zudem wurden Mieten gestundet, doch geht Gmür davon aus, dieses Geld wieder hereinholen zu können.

Auf 2020 blickt der Chef trotz des Gewinnknicks relativ zufrieden zurück, auch mit Blick auf die positive Entwicklung des Onlineversicherers Smile und des Hypothekenvermittlers Moneypark sowie die Erholung der Börsen im zweiten Semester und folglich teils auch der Anlageergebnisse. Die Finanzziele zum Ende der abgelaufenen Strategieperiode hat der Versicherer erreicht.

Wachstumssprung mit Caser

Die Übernahme des spanischen Versicherers Caser zur Jahresmitte macht sich laut Gmür bezahlt. Für die sechs Monate seiner Konsolidierung hat Caser 54 Millionen Franken zum Konzernergebnis von 282 Millionen (im Vorjahr 538 Millionen) beigetragen und 715 Millionen Franken an Prämien. In Spanien ist die Helvetia dank Caser auf Platz acht der Nichtlebenversicherer vorgestossen.

Wachstum dank Caser, Gewinnknick wegen Corona

in Millionen Franken
2019 2020 Veränd. in %
Geschäftsvolumen 9 454 9 714 2,7
Kapitalanlagen 54 525 60 571 11,1
Ergebnis aus Kapitalanlagen 1 877 1 027 –45,3
Konzernergebnis 538 282 –47,7
Mitarbeiter 6 829 11 687 71,1
-davon in der Schweiz 3 668 3 739 1,9

In der neuen Strategieperiode bis 2025 will die Helvetia ihr Europageschäft als zweiten Pfeiler neben dem Heimmarkt weiter ausbauen, ihr Kerngeschäft weiter stärken und weiterhin in innovative Start-ups investieren. In der Lebensversicherung peilt man eine Erhöhung der Marge im Neugeschäft auf 2 bis 3 Prozent an.

Die Helvetia will effizienter werden und Kosten sparen

Eine Baustelle sind die Kosten. Annelis Lüscher Hämmerli sagt:

«Unser Kostensatz ist zu hoch.»

Deshalb wird die Helvetia, wie Philipp Gmür sagt, nun «Effizienzprogramme aufsetzen». So will man bis 2025 Massnahmen zur Einsparung von 100 Millionen Franken umsetzen. Konkret lässt sich Gmür dazu noch nichts entlocken. Einzig, dass man sowohl bei den Sach- als auch bei den Personalkosten sparen werde.

Belegschaft muss sich in Geduld üben

Was bedeutet das für die Belegschaft? «Wir werden auch die natürliche Fluktuation nutzen können», sagt Gmür lediglich. In der Schweiz zählt die Helvetia 3739 Mitarbeitende nach 3668 vor Jahresfrist. Insgesamt arbeiten 11'687 Angestellte für die Gruppe.

Der Generalversammlung wird eine unveränderte Dividende von fünf Franken pro Aktie vorgeschlagen.