AS Aufzüge verlegt Standort Wolfertswil nach Steinach

Der Betrieb bei Degersheim wird in die akquirierte Firma Boltshauser am Bodensee integriert. 27 der 40 Beschäftigtem folgen ihrem Arbeitsplatz. In Wolfertswil geht eine Ära zu Ende.

Fabio Giger, Andrea Häusler
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Der Produktionsstandort der AS Aufzüge AG in Wolfertswil steht vor der Schliessung und Verlegung zur Aufzüge Boltshauser Schweiz AG nach Steinach.

Der Produktionsstandort der AS Aufzüge AG in Wolfertswil steht vor der Schliessung und Verlegung zur Aufzüge Boltshauser Schweiz AG nach Steinach.

Bild: Martin Knöpfel

In Wolfertswil bei Degersheim hat es sich ausgeliftelt. Die Schindler-Tochter AS Aufzüge schliesst den Produktionsstandort nach über 57 Betriebsjahren per 2021. Das Kompetenzzentrum für Lifttechnik, Vormontage und Montagesupport besonders anspruchsvoller Projekte wird in den Betrieb der Aufzüge Boltshauser Schweiz AG in Steinach übergehen. AS Aufzüge kaufte Boltshauser Anfang Jahr.

«In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele Liftsysteme standardisiert», sagt Peter Schnieper, Leiter von Boltshauser. Mit deren Akquisition stärkt AS Aufzüge als zweitgrösster Liftbauer der Schweiz den Bereich der Spezial- und Lastenaufzüge. «Der Entscheid wurde nicht aus Kostengründen gefällt», beteuert Schnieper.

Ein Bekenntnis zum Standort Ostschweiz

Opfer ist der AS-Produktionsstandort Wolfertswil mit seiner 40-köpfigen Belegschaft. Immerhin 27 Angestellte werden voraussichtlich ihrem Job nach Steinach folgen. Das übrige Personal übernimmt intern neue Aufgaben. Eine Person wird den Betrieb verlassen. «Natürlich gibt es bei einigen Angestellten emotionale Bindungen zu Wolfertswil», weiss Schnieper. Weil der Entscheid aber ein klares Bekenntnis zum Standort Ostschweiz ist, sei er weitestgehend gut aufgenommen worden.

Boltshauser hat Ende 2019 ein neues Bürogebäude mit angebauter Fabrikhalle errichtet. Es gibt genügend Platz für die Zuzüger und das entsprechende Produktionsvolumen. Schnieper: «Das neue Gebäude ist der Hauptgrund, weshalb die Wolfertswiler nach Steinach ziehen und nicht umgekehrt.»

Eine lange Geschichte

Wer die frei werdende AS-Industriehalle übernehmen wird, ist noch nicht bekannt. Die Gemeinde Degersheim hat die Arbeitgebervereinigung und den Gewerbeverband über die freien Kapazitäten informiert. Auch eine räumliche Abtrennung der Halle ist nicht auszuschliessen.

Der AS-Standort Wolfertswil hat eine lange Geschichte. Den Grundstein legte ein Flawiler: Dort wo heute das Kompetenzzentrum steht, machte sich Hans Schweizer mit einer Bauschlosserei selbstständig. Er spezialisierte sich auf Liftteile und fertigte schliesslich ganze Aufzüge in Eigenproduktion. Anfang der 1990er-Jahre verkaufte Schweizer das Unternehmen. 1997 schlossen sich mehrere kleinere Liftfirmen unter dem Namen AS Aufzüge AG zusammen.

Illustre Firmen auf der Kundenliste

Die Schindler-Tochter hat laut letzten verfügbaren Zahlen 750 Mitarbeitende, davon 160 im Raum St. Gallen. Die Anzahl montierter Aufzüge pro Jahr ist auf 600 angewachsen. Seit 2008 ist das Werk bei Degersheim ein Kompetenzzentrum für Spezialanlagen.

Grossaufträge für Aldi Suisse in Schwarzenbach bei Wil oder für den Erweiterungsbau des Uhrenkonzerns Rolex in Biel festigten den Ruf des Werks über die Ostschweiz hinaus. Auch Boltshausers Referenzen lassen sich sehen: Die Fifa, das Universitätsspital Zürich, Novartis oder der Flughafen Zürich setzen auf die Speziallifte der Steinacher Firma.


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