Wenn der Patient die Arzneimittel auf Amazon bestellen kann

Frankreich will den Verkauf von Medikamenten über das Internet zulassen.

Stefan Brändle aus Paris
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Frankreich will den Verkauf von Arzneimitteln vereinfachen.

Frankreich will den Verkauf von Arzneimitteln vereinfachen.

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Ein Damm breche, kommentierten Pariser Medien die diskrete Ankündigung der Regierung. Staatssekretär Olivier Dussopt teilte dieser Tage nach einer Kabinettssitzung mit, dass der Verkauf von nicht rezeptpflichtigen Medikamenten vereinfacht werde. So vor allem dank dem Handel übers Internet: Der Verkauf soll auch über «Sammelstellen» abgewickelt werden können.

Die französischen Apotheken haben schon heute das Recht, Bestellungen via Internet entgegenzunehmen und auszuführen. Die Arzneimittel müssen dabei aber physisch in der Apotheke vorhanden sein. Diese Hürde fällt nun: Die Apotheken können nach Vorstellung der Regierung auch andernorts gelagerte Produkte verkaufen, wenn sie nicht rezeptpflichtig sind.

Die Neuerung scheint auf den ersten Blick geringfügig. Aus Sicht des Apothekerverbands USPO öffnet sie aber Tür und Tor für die «Vermarktung des Medikamentenhandels».

Verbandsvorsteher Gilles Bonnefond befürchtet, dass sich Internetplattformen wie Amazon mit ein paar Apothekerketten zusammenschliessen könnten; damit entsprächen sie den gelockerten Voraussetzungen und könnten über ein zentrales Depot selber Medikamente vertreiben.

Die Apotheken würden damit wie das Taxi-Geschäft «uberisiert», das heisst, von den eigentlichen Berufsträgern gelöst, meint Bonnefond.

Auch Supermärkte wollen Arzneimittel verkaufen

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn konterte, es sei «absolut nicht vorgesehen», dass Anbieter wie Amazon unter das Gesetz fielen. Es sei vielmehr für eine bessere Versorgung ländlicher Zonen gedacht; auch in Städten könne es wegen der hohen Immobilienpreise von Nutzen sein.

Der Apothekerverband will die Verabschiedung durch das Parlament – wo die Partei von Präsident Emmanuel Macron die Mehrheit hat – mit Protestaktionen verhindern. In einer internen Blitzumfrage haben sich 97 Prozent dazu bereit erklärt. Der Apothekerverband hält die Gesundheitspolitik der französischen Regierung ge­nerell für widersprüchlich: Um den in Frankreich florierenden Verkauf von Schmerzmitteln zu vermindern, dürfen Apotheken selbige nicht mehr in der vordersten Auslage präsentieren.

«Dafür soll man sie nun noch leichter per Internet kaufen können», beklagt Verbandschef Bonnefond. Hängig ist in Frankreich auch ein Gesuch von Supermärkten, Arzneien verkaufen zu können.

Bonnefond zufolge ist es kein Zufall, dass Amazon erst vor wenigen Monaten seine neue Abteilung «Pharmacy» zum Internetverkauf von Medikamenten geschaffen habe.

Das Misstrauen gegenüber der Regierung ist umso grösser, als Macron 2014 – damals noch als Wirtschaftsminister – einen ersten Versuch unternommen hatte, das Monopol der Apotheken auf den Medikamentenverkauf zu brechen. Als viele Apotheken darauf einen Tag lang streikten, verzichtete er jedoch auf die Massnahme.