Arzneien auf eigene Gene zugeschnitten

Gesundheitstests per Smartphone, insulinproduzierende Körperzellen und künstliche Gehirne: Innovationen von morgen aus Biotechnologie und Medizintechnik waren Thema am Forum «Uni meets Pharma» des Netzwerks Biolago.

Stefan Borkert
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Genforscher Ernst Hafen. (Bild: pd)

Genforscher Ernst Hafen. (Bild: pd)

KONSTANZ. «Wir stehen am Beginn einer neuen Revolution», erklärte Professor Ernst Hafen von der ETH Zürich. Der Molekulargenetiker prophezeit, dass es durch die zunehmende Verknüpfung von Computern und modernen Biowissenschaften nicht mehr Jahrzehnte dauern würde, bis man Arzneimittel entwickeln könne, die auf das eigene Erbgut zugeschnitten sind.

Daten sammeln

Hierzu sei es notwendig und sei Herausforderung zugleich, grosse Mengen an vergleichbaren Patienten-Daten zu sammeln und zu analysieren, um die Wechselwirkung von Wirkstoffen sowie genetischen Voraussetzungen zu erkunden. Eine Schlüsselrolle falle dabei der immer mehr ins Zentrum rückenden Forschungsdisziplin «Systembiologie» zu, bei der unter anderem Informatiker und Biologen natürliche Prozesse im Organismus in ihrer ganzen Vielfalt sowie ständigen genetischen Wechselwirkung untersuchen und die Effekte neuer Wirkstoffe am Computer simulieren. Professor Hafen referierte an der Veranstaltung «Uni meets Pharma» des Bodenseenetzwerkes Biolago. Rund 100 Vertreter aus Wissenschaft, Industrie sowie Interessierte haben daran an der Universität Konstanz teilgenommen. Höhepunkte waren die Vorträge der zwei Schweizer Branchen- und Forschungsriesen: Hans-Peter Meyer von der Basler Lonza AG, (Weltmarktführer in der Produktion pharmazeutischer Wirkstoffe) sowie Ernst Hafen, Professor und Gen-Forscher an der ETH Zürich.

«Welche Bedeutung die Systembiologie bereits hat, stellte Jens Selige von «SystemsX.ch», der bislang grössten öffentlichen Forschungsinitiative der Schweiz mit Focus auf ein Themengebiet, vor. Der Verbund ist seit kurzem Mitglied im Biolago-Netzwerk.

Dass neue Erkenntnisse aus den Hochschullaboren erfolgreich in neue Medikamente umgemünzt werden, ist auch Aufgabe der Pharmaindustrie. Einen Blick in Therapiemöglichkeiten von morgen warf im Rahmen des halbtägigen Forums Hans-Peter Meyer, Vizepräsident der Biotechnologie-Sparte bei der Basler Lonza AG. «Die Arzneimittelindustrie setzt auf biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe, einem der zurzeit am schnellsten wachsenden Segmente in der Branche, unter anderem dank neuer Anwendungen mit monoklonalen Antikörpern», so Meyer.

Körperzellen klonen

Monoklonale Antikörper werden von einem Klon gleicher Körperzellen produziert. Mit diesen lassen sich nicht nur Immunreaktionen auslösen, sie werden zudem in der Behandlung von Krebspatienten dazu genutzt, wichtige Stoffwechselsignale zu hemmen, die für das Wachstum von Krebszellen entscheidend sind. Abgerundet wurde das Programm durch einen Vortrag des Konstanzer Unternehmens «LifeCodexx» über einen neuen nicht-invasiven Pränataldiagnostiktest zur Erkennung der Trisomie 21.