Die Art Basel befindet sich im Hongkong-Dilemma

Der Kunstmesse in der chinesischen Metropole ist wegen des Corona-Virus annulliert. Der Schaden wird verteilt.

Christian Mensch
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Die Art Basel Hongkong liegt dieses Jahr am Boden

Die Art Basel Hongkong liegt dieses Jahr am Boden

GettyImages Anthony Kwan

Der Druck wurde schliesslich zu gross: Die Art Basel lässt die Hongkonger Ausgabe in diesem Jahr fallen. In der Nacht auf Freitag verbreitete sie die Meldung. Konzernchef Bernd Stadlwieser lässt sich wie folgt zitieren: «Der Entscheid, die Art Basel Hongkong abzusagen, war für uns sehr schwierig.» Alle möglichen Optionen seien geprüft worden, «wir haben heute jedoch keine andere Möglichkeit, als die Messe abzusagen.»

Diese Zeitung hat bereits vor zehn Tagen beschrieben, dass die Messe vom Corona-Virus bedroht sei. Seither hat sich die Lage täglich verschärft, am wenigsten noch an der medizinischen Front. Die Stadt ist vom Viren-Ausbruch weiterhin relativ schwach betroffen.

Westliche Galerien forderten von der Art Basel jedoch eine Absage. Der Londoner Galerist Richard Nagy liess einen Brief zirkulieren, in dem er sein Unverständnis zum Ausdruck brachte, weshalb die Art Basel nicht längst gehandelt habe. Dies rief die Galerien in Hongkong auf den Plan, die sich geschlossen dafür einsetzten, den für sie wichtigen Event durchführen zu können.

Den Handlungsspielraum der Art Basel schränkten anderer Stakeholder zunehmend ein: Immer mehr Kunstsammler erklärten, sie würden nicht in die chinesische Metropole reisen. Hauptsponsor UBS verordnete seinen Hongkong-Mitarbeitern Home-Office und stornierte Reisen nach China. Die Versicherungstarife für Kunsttransporte nach Hongkong explodierten. Erste Galerien aus den Vereinigten Staaten und aus Japan meldeten sich ab. Die Summe des Unbills machte die Absage unvermeidlich.

Verhandlungen mit der Versicherung

Die Art Basel betont die grundsätzliche Sorge um die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten und Besucher für den Entscheid. Er ist jedoch ebenso wirtschaftlich begründet. Selbst wenn die Kunstmesse durchgeführt worden wäre, hätte es erhebliche Einbussen gegeben. Schon als die Bürgerunruhen Ende vergangenen Jahres die Art Basel Hongkong in Frage stellten, waren die Organisatoren genötigt, mit Preisnachlässen um skeptische Galerien zu werben.

Weitere Rabatte wären notwendig geworden, wenn wie erwartet deutlich weniger Besucher zu einem schlechten Kunstverkauf geführt hätten. Mit den Ausstellern, die sich bereits in den vergangenen Tagen abgemeldet hatten, hat die Art Basel denn auch eine Vereinbarung getroffen, die nun für alle gelten soll: Drei Viertel der einbezahlten Standgebühren werden zurückbezahlt, zusätzlich bestellte Leistungen, die erst während der Messe erbracht worden wären, werden nicht verrechnet.

Dass die Art Basel den Entscheid hinausgezögert hatte, hat ebenfalls wirtschaftliche Gründe: Grundsätzlich ist die Messegesellschaft zwar für den Fall versichert, dass eine Veranstaltung nicht stattfinden kann. Allerdings sind es die jeweils konkreten Umstände, die über die Höhe der Versicherungsleistungen entscheiden.

Gut für die Muttergesellschaft MCH Group wäre gewesen, Hongkong selbst hätte die Durchführung der Kunstmesse untersagt, was die Stadt aber unterliess. Da die Art Basel «freiwillig» verzichtete, wird deshalb zur Verhandlungssache, was die Versicherung zahlen wird. So sei heute auch nicht absehbar, welche Auswirkungen die Absage auf das Geschäftsresultat haben wird, sagt MCH-Sprecher Christian Jecker. 

Investor aus Hongkong ist wohl neu bei MCH Group

Hinter der Art-Absage in Hongkong steht zudem eine Geschichte, deren Folgen heute unklar sind. Denn mutmasslich gehört ein Hongkong-Chinese zu den neuen Investoren der MCH Group. Dies erzählt unter anderem Ewald Lee, ein weiterer Investor bei der Messegesellschaft.

Die Geschichte ist plausibel. Denn hinter dem Russen Sergey Skaterschikov, der vor einigen Monaten ebenfalls im grösseren Stil MCH-Aktien aufkaufte, steht die Offshore-Gesellschaft Joint Proficient Project Company Ltd (BVI), die wiederum von einer Hongkonger Anwältin vertreten wird. Die Spuren der Offshore-Gesellschaft führen zu Adrian Cheng, einem Sprössling einer Milliardärsdynastie, der in Hongkong etwa das Kunst- und Kommerzzentrum K11 betreibt.

Er hatte sich bereits in der Vergangenheit für die Art Basel interessiert und einige Zeit für den Art-Sponsor UBS gearbeitet. Während der Sprecher von Skaterschikov zu diesen Zusammenhängen nicht Stellung nimmt, hat die chinesische Anwältin nicht auf Anfragen reagiert.

Auf die Befindlichkeit dieses Investors konnte die Art Basel bei der Absage der Kunstmesse allerdings nicht Rücksicht nehmen; denn offiziell hat sie von ihm gar keine Kenntnis