Arrangements mit Terroristen

Der französische Industriekonzern LafargeHolcim wehrt sich gegen den Vorwurf früherer Geschäfte mit der Terrormiliz IS in Syrien.

Stefan Brändle
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PARIS. Der Vorwurf wiegt schwer: Während Frankreich in Syrien Krieg gegen die IS führt, soll ein Pariser Grosskonzern mit der Jihad-Formation finanzielle Arrangements getätigt haben. Wie die Zeitung Le Monde berichtet, soll Lafarge die Terrormiliz indirekt finanziert haben, um ein Zementwerk weiterführen zu können.

Abgaben und Lizenzen

Der französische Grosskonzern kaufte das Werk Jalabiya im Jahr 2007 von einem ägyptischen Besitzer für umgerechnet 600 Mio. €. Kaum hatte sie 2010 den Betrieb aufgenommen, brach der Krieg aus und die IS-Truppen näherten sich gefährlich. Le Monde beschreibt detailliert die Übereinkommen, die Lafarge in den Jahren 2013 und 2014 mit den Jihadisten eingegangen sei. Das Unternehmen habe an Kontrollposten Abgaben für den Gütertransport bezahlt; auch habe es über Mittelsmänner Lizenzen gekauft und Steuern bezahlt, um an Erdöl zu kommen, das vom IS raffiniert worden war.

LafargeHolcim, wie der Konzern heute heisst, dementiert diese Zahlungen nicht, behauptet aber, sie seien nur vorübergehend und aus Rücksicht auf die Werkarbeiter aufrechterhalten worden. «Als sich der Konflikt der Fabrikzone näherte, hatte es für Lafarge Priorität, die Sicherheit des Personals zu gewährleisten, während die Schliessung der Fabrik geprüft wurde», hält der aus Lafarge und der schweizerischen Holcim fusionierte Konzern in einem Communiqué fest.

Le Monde schreibt hingegen, der weltgrösste Zementhersteller habe die Produktion auf jeden Fall aufrechterhalten wollen, «koste es, was es wolle.» Er habe unter anderem einen gewissen Ahmad Jamal beauftragt, von der IS die Genehmigung einzuholen, die Angestellten die Checkpoints passieren zu lassen. Als Beleg nennt das Pariser Renommierblatt einen mit einem IS-Stempel versehenen Passierschein für Fabrikmaterial. Ferner berichtet die Zeitung über eine E-Mail, in der sich Jamal beim Jalabiya-Direktor Frédéric Jolibois beklagt, dass man seit zwei Monaten auf die Überweisung von umgerechnet 30 000 € warte.

Heute Militärstützpunkt

Das Werk Jalabiya ist heute zur Hälfte abgebrannt. Es dient amerikanischen, französischen und britischen Militärs als Stützpunkt. Ein Bezug dieser Affäre zur Fusion von Lafarge und Holcim ist nicht ersichtlich. Der Zusammenschluss zum Weltmarktführer war im April 2014 angekündigt und im Juli 2015 vollzogen worden. Der Kapitalwert seither kaum gestiegen.

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