ARBONIA: «Trotz Umbau ein Bekenntnis zum Standort»

Der Gebäudezulieferer Arbonia hat weite Teile der Restrukturierung umgesetzt und zeigt Zuversicht. Ein offener europäischer Binnenmarkt sei für das Unternehmen wichtig, sagt Arbonia-Chef Alexander von Witzleben.

Fiammetta Kym, Thorsten Fischer
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Arbonia ist zurück in der Gewinnzone, wie die Bilanzmedienkonferenz diese Woche gezeigt hat. Der Arbonia-Chef zur aktuellen Ausgangslage.

Alexander von Witzleben, in welchem Modus befindet sich die Arbonia derzeit? Ist der Blick schon wieder frei für neue Projekte oder beherrscht die Umstrukturierung nach wie vor die Gedanken?

2016 ist ein intensives, vom ­Umbau geprägtes Jahr gewesen. ­Einen Grossteil der in 2015 ­angekündigten Restrukturierungsmassnahmen konnten wir in 2016 abschliessen: die Ver­lagerungen der Sonderheizkörper-Produktion von Arbon ins tschechische Stribro sowie der Kunststoff-Fensterproduktion von Villeneuve ins slowakische Pravenec wurden erfolgreich abgeschlossen. Aktuell laufen die Vorbereitungen für die Verschiebung der Holz-/Aluminium-Fensterproduktion von Altstätten ins deutsche Langenwetzendorf zu Wertbau. 2016 resultierten unter dem Strich schwarze Zahlen. Finanziell geht es also wieder aufwärts.

Das vergangene Geschäftsjahr ist in weiterer Hinsicht eine Zäsur. Die AFG heisst nun offiziell Arbonia. Ein bewusster Neubeginn?

Man sollte den Effekt des neuen Namens nicht überbewerten, obwohl er auf gewisse Weise einen neuen Abschnitt markiert. Unter dem bisherigen Namen AFG hatte der Konzern bekanntlich auch schwierige Jahre zu bewältigen. Der neue Name Arbonia ist trotz Umbau ein Bekenntnis zum Standort Arbon. Das gilt umso mehr, als wir inzwischen die ebenfalls in Arbon angesiedelte Looser Holding übernommen haben.

Wo sehen Sie denn die grössten Vorteile für Arbonia durch die Übernahme von Looser?

Durch den Zusammenschluss der Türen-Hersteller RWD Schlatter von Arbonia und Prüm-Garant und Invado von Looser profitieren beide Seiten von einem erweiterten Marktzugang. Looser einerseits verfügt über eine starke Marktpräsenz in Deutschland und Polen. Arbonia andererseits agiert hauptsächlich im Schweizer Markt. Da sich die Geschäftsbereiche nicht überlappen, stehen die Firmen komplementär zu einander und es muss keine Produktionsfabrik geschlossen werden.

Erwarten Sie durch die momentane schwierige politische Situation – Stichwort Nationalismus – Auswirkungen auf das Geschäft?

Ein intakter europäischer Markt ist für die Arbonia essenziell. Eine Verschärfung der Grenzen würde unser Geschäftsmodell gefährden. Unsere Produkte nur in der Schweiz zu verkaufen wäre nicht rentabel. Um profitabel zu sein, müssen Schweizer Produkte auch in anderen europäischen Ländern verkauft werden. Zurzeit verzeichnet jedoch beispielsweise Deutschland eine jährliche Einwanderung von 300000 Menschen aus anderen Staaten Europas. Ich bin zuversichtlich, dass der offene Binnenmarkt Europas auch weiterhin bestehen wird.

Interview: Fiammetta Kym, Thorsten Fischer