INDUSTRIE
Arbonia ist bereit für profitables Wachstum – Alexander von Witzleben tritt bald kürzer, bleibt aber der starke Mann

Nach dem Umbau des Gebäudezulieferers Arbonia werden die Strukturen verschlankt. Der Arboner Konzern sieht sich gerüstet für neues und rentables Umsatzwachstum. Alexander von Witzleben tritt im Jahr 2022 als Konzernchef ab, bleibt aber als dannzumal exekutiver Verwaltungsratspräsident die dominierende Figur.

Thomas Griesser Kym
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Arbonia-Chef Alexander von Witzleben am Hauptsitz. 2022 tritt er als Konzernchef zurück, wird aber vom Verwaltungsratspräsidenten zum exekutiven Verwaltungsratspräsidenten.

Arbonia-Chef Alexander von Witzleben am Hauptsitz. 2022 tritt er als Konzernchef zurück, wird aber vom Verwaltungsratspräsidenten zum exekutiven Verwaltungsratspräsidenten.

Bild: Benjamin Manser (Arbon, 9. August 2017)

Seit 2015 führt Alexander von Witzleben den Gebäudezulieferer Arbonia im Doppelmandat als Konzernchef und als Verwaltungsratspräsident. Und das erfolgreich: Von Witzleben hat einen radikalen Umbau der Arbonia eingeleitet und durchgezogen, mit dem Verkauf von Randgeschäften, der Verlagerung von Tätigkeiten in kostengünstigere Länder im Osten Europas, Investitionen in bestehende und in neue Werke, dem Zukauf von Gesellschaften und einer Kapitalerhöhung.

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Arbonia ist schlanker, fokussierter und rentabler geworden. Das zeigt auch der Blick auf die Zahlen des Coronajahrs 2020. Zwar ist der Umsatz geringfügig geschmolzen, wobei Währungseffekte und Restriktionen der Bautätigkeit in mehreren Ländern vor allem im zweiten Quartal im Süden Europas (Spanien, Frankreich, Italien) mitgespielt haben, aber die Ergebnisse haben sich deutlich verbessert.

Weniger verkauft, aber besser verdient

in Millionen Franken
2019 2020 Veränd. in %
Umsatz 1416 1396 –1,4
Betriebsergebnis 40 73 84,6
Konzerngewinn 26 45 71,4
Cash-flow 112 141 26,4
Investitionen 113 96 –15
Mitarbeiter 8606 8445 –1,9

Anfang 2021 hat Arbonia zudem beschlossen, die Division Fenster an die dänische Dovista-Gruppe zu verkaufen. Damit schrumpft der Umsatz zunächst weiter. Unter Ausklammerung der Fenster hätte er 2020 noch gut eine Milliarde Franken betragen.

Von Witzleben tritt 2022 als Konzernchef ab, bleibt aber der starke Mann

Von Witzleben sieht seine Mission als Umbauer und Sanierer der Arbonia nun auf der Zielgeraden. Deshalb wird das Unternehmen auf die Generalversammlung (GV) 2022, also in gut einem Jahr, zu einer Führung mit getrennten Spitzenämtern zurückkehren, indem von Witzleben dann als Konzernchef zurücktritt.

Allerdings wird er eine starke operative Stellung behalten, wird der GV 2022 doch beantragt, von Witzleben als exekutiven Verwaltungsratspräsidenten zu wählen. In dieser Eigenschaft wird er zusammen mit den übrigen Mitgliedern des Verwaltungsrats die Strategie definieren und die Konzernleitung beaufsichtigen, die ab der GV 2022 aus dem Finanzchef und den beiden Chefs der dannzumal noch zwei Divisionen besteht. Von Witzleben ergänzt dazu:

«Ich werde mich auf wöchentlicher Basis eng mit dem Finanzchef und den beiden Divisionschefs abstimmen.»

Fenster werden verkauft, Sanitär wird integriert

Diese beiden Divisionen sind, nach dem eingeleiteten Verkauf der Division Fenster, zum einen die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik (HLK), zum anderen die Türen, die sich wiederum in die Geschäftseinheiten Holzlösungen und Glaslösungen teilen. In die Türen wird die Division Sanitär mit ihren Duschtüren und Duschtrennwänden integriert. Die beiden Divisionen HLK und Türen sind mit je rund 2900 Mitarbeitenden in etwa gleich gross. Die neue Arbonia-Konzernstruktur gilt ab 1. Juli 2021:

Der designierte HLK-Chef der Arbonia, Alexander Kaiss.

Der designierte HLK-Chef der Arbonia, Alexander Kaiss.

Bild: PD

Mit der neuen Struktur verkleinert sich die Konzernleitung per Mitte 2021 von sechs auf zunächst vier Personen: Konzernchef von Witzleben, Finanzchef Daniel Wüest, HLK-Chef Alexander Kaiss und Türenchef Claudius Moor. Kaiss, bisher zuständig für das HLK-Tagesgeschäft, ersetzt Ulrich Bornkessel, der Mitte 2021 in Pension geht.

Sanitärchef Knut Bartsch scheidet aus der Konzernleitung aus, konzentriert sich aber auf andere Funktionen im Konzern. Auch Fensterchef Nicolas Casanovas sagt der Konzernleitung Adieu, sobald der Verkauf der Fensterdivision an Dovista vollzogen ist. Das wird für Anfang des zweiten Quartals 2021 erwartet.

Zulegen mit Holz- und mit Glastüren

Besonders im Türengeschäft hat Arbonia hohe Wachstumsziele. Nach Investitionen vor allem in den Ausbau der Kapazitäten der deutschen Türenwerke Prüm und Garant sowie der polnischen Invado um jeweils 30 bis 40 Prozent kann die Division bis 2023/2024 über alle Standorte betrachtet mindestens 900'000 Holztüren samt Zargen mehr produzieren als das bisherige Volumen von zwei Millionen. Investiert hat Arbonia auch in die Roggwiler Türenherstellerin RWD Schlatter, nämlich 15 bis 20 Millionen Franken in den beiden vergangenen Jahren.

Hinzu kommen sollen Synergien dank der Integration der Division Sanitär, welche die neue Geschäftseinheit Glas innerhalb der Türendivision bildet. Dank dieses Schritts erweitert sich das Türensortiment der Funktions- und Innentüren um Duschtüren, und mittelfristig will man das Geschäft um Glastüren und Glastrennwände für den Innenraum erweitern. Denn, wie von Witzleben im Januar 2021 sagte: Eine Glastüre für eine Dusche ist vom Prinzip her das Gleiche wie eine Glastüre fürs Büro.

Arbonia sitzt auf einem Haufen Bargeld

Aus dem Fensterverkauf werden Arbonia rund 350 Millionen Franken zufliessen. Alexander von Witzleben sagt dazu:

«Wir sind überfinanziert.»

Die Mittel will der Konzern nicht nur nutzen, um organisch zu wachsen, sondern auch mittels Zukäufen. Diese sollen in bestehenden oder auch angrenzenden Märkten stattfinden. Zudem will von Witzleben den Ausbau der Türenkapazität beschleunigen.

In der HLK-Division will Arbonia von Massnahmen zum Klimaschutz profitieren, die in europäischen Ländern steuerliche Abschreibungen und Förderungen für die Modernisierung von Häusern und vor allem Heizsystemen vorsehen, um die CO2-Emissionen zu senken. HLK sieht sich gut gerüstet als Anbieter ganzheitlicher Wärmesysteme, von der Wärmeerzeugung und Wärmeübertragung bis hin zur Energiespeicherung für alle Gebäudearten, und dies für Neubauten und für Renovationen. In Tschechien wird 2021 ein neues Werk für Wärmepumpen gebaut, um die Produktionskapazität mindestens zu vervierfachen.

2021 soll trotz Corona weiteres Wachstum bringen

Für 2021 erwartet Arbonia ein währungs- und akquisitionsbereinigtes Umsatzwachstum von 4 bis 5 Prozent und eine operative Marge auf Stufe Ebitda von mindestens 11 Prozent (2020: 11,3 Prozent). Dies unter der Bedingung, dass es wegen Corona zu keinen weiteren nennenswerten Einschränkungen in den Produktions- und Absatzmärkten der Arbonia kommt.

Gesplittet nach Divisionen sollen sich die Türen mit einem organischen Umsatzplus von mindestens 5 Prozent und einer Marge von mindestens 13 Prozent etwas dynamischer entwickeln als HLK mit 3,5 bis 4,5 Prozent Umsatzwachstum und mindestens 11 Prozent Marge.

Die Aktionäre sollen laufend etwas mehr erhalten

Die Dividende soll jährlich weiterhin um rund 10 Prozent gesteigert werden. Für 2019 und 2020 wird den Aktionären an der GV 2021 eine kombinierte Ausschüttung von 47 Rappen pro Aktie beantragt (22 Rappen für 2019, 25 Rappen für 2020).