Damit's in den eigenen vier Wänden kuschelig ist: Arbonia baut am Haus der Zukunft

Megatrends wie das Sparen von Energie und Treibhausgasemissionen oder die zunehmende Urbanisierung spielen dem Arboner Konzern in die Hände. Nach seinem Umbau will er sich noch bei Wärmepumpen, Fussbodenheizung und Lüftungsanlagen verstärken.

Thomas Griesser Kym
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Arbonia-Chef Alexander von Witzleben hat den Arboner Konzern umgebaut.

Arbonia-Chef Alexander von Witzleben hat den Arboner Konzern umgebaut.

Bild: Benjamin Manser

Seit fünf Jahren lenkt Alexander von Witzleben als Verwaltungsratspräsident und Konzernchef die Geschicke der Arbonia. Und ebenso lange dauert der Umbau des Bauzulieferers zu einem Systemanbieter von Gebäudetechnik. Am Dienstag nun verkündete von Witzleben an der Bilanzmedienkonferenz: Restrukturierung abgeschlossen.

Konkret bedeutet das: Die Arboner Gruppe hat seit 2015 letzte Firmenteile abgestossen, die sie nicht mehr zum Kerngeschäft zählte und hat sich mit Übernahmen in allen vier Sparten verstärkt. Im Einzelnen sind das im Fensterbau die ostdeutsche Firma Wertbau, in der Türenherstellung Prüm, Garant und Invado (alle als Teil der damaligen Looser-Gruppe), im Sanitärgeschäft die Koralle-Gruppe sowie in der Sparte Heizung, Klima, Lüftung (HLK) die belgische Vasco-Gruppe.

«Versäumnisse aus der Vergangenheit»

Daneben hat die Arbonia tüchtig in bestehende Werke investiert, um deren Produktivität zu steigern und um «Versäumnisse aus der Vergangenheit zu korrigieren», wie von Witzleben sagt. Auch wurde von West nach Ost verlagert. Am gewichtigsten dabei war die Verlegung der Produktion des Ego-Kiefer-Fensterbaus von Altstätten und aus der Westschweiz zur Wertbau.

Laut von Witzleben haben die Investitionen 2018 eine Spitze erreicht (siehe Grafik) und werden dieses Jahr weiter sinken.

Investitionen im Hoch

In Millionen Franken
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Doch am Ziel sieht sich die Arbonia noch nicht. Obwohl alle Sparten vergangenes Jahr ihre Profitabilität verbessert haben, bleibt das Unternehmen an einigen Baustellen beschäftigt. So etwa bei den Türen, deren vier Werke alle an der Kapazitätsgrenze arbeiten.

Standort Roggwil der RWD Schlatter wird ausgebaut

Daher will man die deutsche Prüm über vier Jahre für 50 Millionen Franken ausbauen, und die Thurgauer Spezialtürenherstellerin RWD Schlatter, die in Roggwil gegen 200 Mitarbeitende beschäftigt, erhält in einem Hallenanbau eine neue Lackieranlage sowie ein zusätzliches Türenbearbeitungszentrum. Von Witzleben spricht hier von Gesamtinvestitionen von über 10 Millionen Franken.

Im Fensterbau wiederum hat Wertbau nach der Integration der Ego-Kiefer-Produktion nach Anlaufproblemen vergangenes Jahr kräftig zugelegt und soll erneut stark wachsen.

Ohne Sondereffekte mehr verdient

In Millionen Franken
2018 2019 Veränderung in %
Umsatz 1374 1416 +3,1
Betriebsgerbenis 61 40 -34.9
- ohne Sondereffekte 48 52 +9,5
Konzerngewinn 39 26 -32.3
- ohne Sondereffekte 24 36 +53,0
Mitarbeiter 8198 8606 +5,0

Das Unternehmen ortet viel Potenzial

Arbonia will sich mit ihren Produkten im «Haus der Zukunft» ausbreiten, wie es von Witzleben formuliert. Dazu zählen neben Heizkörpern auch zukunftsträchtigere Lösungen wie Fussbodenheizungen, Lüftungen (die in immer besser isolierten Gebäude unentbehrlich seien) und Wärmepumpen. Diese seien im Idealfall mit Sonnenkollektoren und Energiespeichern anderer Anbieter zu koppeln.

Von Witzleben sieht hier viel Potenzial, einerseits wegen der Trends CO2-Reduktion und Energieeffizienz, andererseits als Folge zunehmender Urbanisierung und der Notwendigkeit, alte Bausubstanz im Westen und noch mehr im Osten Europas zu sanieren oder zu ersetzen.

Ohne Zukäufe wird es kaum gehen

Doch gerade bei Fussbodenheizungen, Wärmepumpen und in der Lüftung muss Arbonia im Konkurrenzkampf noch einen Zacken zulegen, sprich wachsen, und dies laut von Witzleben organisch wie auch akquisitorisch.

2020 will die Arbonia umsatzmässig organisch um ungefähr drei Prozent wachsen und die Profitabilität überproportional steigern. Die Aktionäre sollen als Dividende 22 Rappen erhalten, ein Plus von 10 Prozent.