ARBON: Scheidung der Küchenbauer

Massenentlassung Noch vor vier Jahren galt es als Erfolgsmodell. Jetzt werden Forster und Piatti Küchen wieder getrennt. 60 Stellen sollen wegfallen und für Forster Küchen sucht Konzernmutter Alno einen Käufer.

Stefan Borkert
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Die Forster-Küchen in Arbon werden aus der AFP-Küchen AG herausgelöst und stehen zum Verkauf. (Bild: PD)

Die Forster-Küchen in Arbon werden aus der AFP-Küchen AG herausgelöst und stehen zum Verkauf. (Bild: PD)

Es ist noch keine Woche her, da teilte die Pfullendorfer Alno AG mit, dass in Deutschland 140 Stellen gestrichen werden. Jährlich will die Küchenbauerin mit aktuell noch insgesamt 2100 Angestellten 10 Mio. € an Personalkosten einsparen. Im gleichen Communiqué deutet Alno das an, was gestern nun für die Mitarbeitenden von AFP Küchen, dem ­Zusammenschluss der Forster Küchen Arbon und der Piatti Küchen Dietlikon, Wirklichkeit wurde. Weitere 10 Mio. € wolle man im Ausland an Personalkosten einsparen, hiess es am Schluss der Medienmitteilung.

«Die Nachricht war ein Schock», sagt Stefan Brülisauer, Sektionsleiter der Unia Thurgau. Die AFP Küchen müsse sich massiv umstrukturieren, habe es an der Mitarbeiterinformation geheissen. Konkret bedeutet das, den Verkauf der Forster Küchen in Arbon und die Entlassung von insgesamt 60 Mitarbeitern, wobei hier vor allem Piatti Küchen und Arbeitsplätze in der ganzen Schweiz betroffen sind. Bei Piatti werde eine Zielgrösse von rund 175 Mitarbeitern angestrebt. Insgesamt arbeiten bei AFP derzeit mehr als 300 Angestellte.

Zu gross sei der Verwaltungsaufwand im Verhältnis zum Umsatz. Insbesondere Forster Küchen sei ein Sanierungsfall, habe es an der Informationsveranstaltung geheissen. Brülisauer fährt fort, dass der Verwaltungsrat deshalb entschieden habe, Forster Küchen zu verkaufen. Mit Piatti Küchen wolle man sich wieder am Markt etablieren.

Forster Küchen einzigartig, aber seit Jahren defizitär
Seitens der AFP Küchen hiess es, dass die Analyseergebnisse eindeutig seien. «AFP Küchen muss sich neu aufstellen, um wieder erfolgreich zu sein.» Laut Communiqué trenne man sich in einem ersten Schritt von Forster Schweizer Stahlküchen. Mit der künftigen Bruno Piatti AG finde man zurück zu ­alten Werten. Forster Küchen sei zwar einzigartig in Material und Design, doch seit Jahren defizitär und damit der Hauptgrund für die Schieflage von AFP. Der Verkaufsprozess von Forster sei bereits gestartet. Es bestehe Hoffnung, dass ein neuer Investor die Marke wieder zum Erfolg führen werde. Dazu werde für Forster eine neue Gesellschaft gegründet. Die derzeit rund 75 Mitarbeitenden würden übernommen, schreibt AFP.

Mit der Trennung von Forster und der Neuausrichtung könne AFP Küchen die Kosten massiv senken und sichere damit den nachhaltigen Erfolg von Piatti. Dafür müsse per Ende März ein Stellenabbau von rund 60 Mitarbeitenden in Kauf genommen werden. Neuer Hauptaktionär bei Piatti ist die Tahoe Investors GmbH, die bereits letzten Dezember auch als Grossaktionär bei Alno eingestiegen war. Durch die Trennung von Forster und mit der damit verbundenen Schlankheitskur korrigiere AFP Küchen Fehler aus der Vergangenheit.

2012 haben sich Forster und Piatti Küchen zur AFP Küchen AG unter dem Dach der Arbonia Forster Holding zusammengeschlossen. Bereits zwei Jahre später sei die AFP an die Alno AG verkauft worden, so Gewerkschafter Brülisauer. Immer wieder seien die Angestellten von Produktionsverlagerungen und Stellenabbau betroffen worden. «Und immer wurde versichert, dass diese Massnahmen das Unternehmen in eine besser ­Zukunft führen werden.» Brülis­auer fährt fort, dass die AFP Küchen AG nun schon wieder zum Spielball einer internationalen Investment Unternehmung werde. Die Zukunft der Forster Küchen sei weiterhin ungewiss. Ob ein allfälliger Investor auch dort Stellen abbaut oder gar die Produktion verlagere, bleibe vollkommen offen.

Stellenabbau verhindern
Die Gewerkschaft Unia fordert die AFP Küchen auf, alle Massnahmen zu ergreifen, um einen allfälligen Stellenabbau zu verhindern. Bis Ende März laufe nun das Konsultationsverfahren, sagt Brülisauer. Inwieweit die Firmenleitung und die Investoren auf Vorschläge zur Rettung der Arbeitsplätze eingehen, vermag er nicht zu sagen. Möglicherweise werde das Konsultationsverfahren nur als Formalie gesehen.

2012 schlossen sich Forster und PIatti Küchen zur AFP-Küchen AG zusammen. (Bild: Archiv/Urs Bucher)

2012 schlossen sich Forster und PIatti Küchen zur AFP-Küchen AG zusammen. (Bild: Archiv/Urs Bucher)