Benpac steigt ein: Arbeitsplätze vor Ort gerettet

Die Benpac aus Stans übernimmt 40 Mitarbeitende und acht Lernende der Gallus Ferd. Rüesch AG in St.Gallen.

Stefan Borkert
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Aluminiumtuben werden auf einer Produktionslinie von Benpac hergestellt, auch für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie.

Aluminiumtuben werden auf einer Produktionslinie von Benpac hergestellt, auch für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie.

Bild: PD

Der Stellenabbau war beschlossene Sache. Noch im August hatte die Gallus Ferd. Rüesch AG bekräftigt, dass bis zu 60 Stellen am Standort St.Gallen abgebaut werden. Unrentable Montagearbeiten würden nach Hessen verlagert, hiess es bei der Schweizer Tochter der Heidelberger Druckmaschinen AG. Marco Corvi von der Benpac Holding in Stans kannte die St.Galler Firma. Schliesslich ­haben Benpac und Gallus Ferd. Rüesch bereits zusammengearbeitet. «Wir haben in Stans Teile für Gallus hergestellt. Ich kannte also die Bedingungen in St.Gallen vor Ort», sagt Corvi.

Neuentwicklungen in der Pipeline

Benpac, ein aufstrebendes Unternehmen, setzt zwar zum Sprung an, auch den asiatischen Markt zu erobern, und hat deshalb im Juni von der Packsy Global deren Standort in Thailand gekauft. Aber das Know-how soll in der Schweiz bleiben. «In St.Gallen übernehmen wir zunächst die Mitarbeitenden», sagt Corvi. Die Benpac wird dann ihre eigenen Maschinen installieren. Allerdings bestätigte Corvi, dass er sich ein Vorkaufsrecht auf das Betriebsgelände gesichert hat.

Benpac ist in den Bereichen Verpackungsmaschinen, Etikettierlösungen sowie der papierbasierten Getränkeverpackungstechnologie tätig. Corvi setzt dabei auf Neuentwicklungen und Hochtechnologie bei der Herstellung von Druckmaschinen für Aludosen, Spraydosen oder Tuben. Indem er Mitarbeitende von Gallus übernimmt, kommt er rasch zu Fachkräften. «Wegen dem Fachkräftemangel dauert es lange, bis man genügend Personen akquiriert hat», sagt er. Deshalb habe er stets ein Auge auf Firmen, die dabei sind, sich zu konsolidieren. «Da bieten sich Möglichkeiten.» In St.Gallen profitieren die Gallus-Mitarbeiter von Corvis Strategie. Daniel Erni, Präsident der Arbeitnehmervertretung bei Gallus, erklärt: «Natürlich ist die Arbeitnehmervertretung sehr zufrieden, dass es für alle betroffenen Mitarbeitenden, inklusive Lehrlinge, eine Lösung gibt.» Und Ferdinand Rüesch Senior, Aufsichtsrat bei der Heidelberger Druckmaschinen AG, betont, dass durch die kooperative Lösung alle Betroffenen, darunter viele langjährige Mitarbeitende, ihren Arbeitsplatz am Standort in der Harzbüchelstrasse behalten könnten. Auch der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin ist erleichtert: «Über die gute Lösung bin ich sehr erfreut. Damit bleiben Arbeitsplätze erhalten, die für den Wirtschaftsstandort St.Gallen von Bedeutung sind.»

Benpac startet ab Januar 2020

Immerhin beschäftigt die Benpac Maschinenbau AG die Mitarbeiter von Gallus ab Januar 2020 am Standort in St.Gallen. Die Benpac Firmengruppe ist national und international tätig. In der Schweiz verfügt sie neben dem Standort St.Gallen über Produktionsstätten in Stans, Stein, Etzgen und Risch.

Aufgrund der schwächelnden weltweiten Konjunkturlage hatte Gallus beschlossen, ab Januar 2020 den Montagebetrieb von St.Gallen schrittweise in andere Betriebe nach Deutschland zu verlagern.

Nachgefragt bei Christof Naier:
«Das Herz von Gallus bleibt in St. Gallen»

Dieses Jahr im August haben Sie den Abbau von 60 Stellen sowie die Verlagerung der Montage angekündigt. Wie viele Mitarbeitende verbleiben denn nun in St. Gallen?

Christof Naier, Geschäftsführer Gallus Ferd. Rüesch AG.

Christof Naier, Geschäftsführer Gallus Ferd. Rüesch AG.

Bild: PD

Christof Naier: In St. Gallen verbleiben, wie ursprünglich geplant, zirka 140 Mitarbeitende. Die Bereiche Entwicklung, Vertrieb, Produktmanagement, Showroom, Marketing und auch das Management bleiben hier am Standort. Also das Herz von Gallus bleibt in St. Gallen.

In Herisau geht es um Siebdruckplatten. Dort arbeiten 22 Angestellte. Steigt Benpac auch in Herisau ein?

Nein.

Wie sieht die Tätigkeit der Gallus-Gruppe neu aus?

An der Tätigkeit ändert sich nichts. Gallus bleibt weiterhin im Druckmaschinengeschäft für Etikettendruck. Ausserdem werden wir die Montage unserer Produkte wie geplant verlagern. Und Benpac wird dann eigene Anlagen in St. Gallen montieren.

Gibt die Konzernmutter Heidelberg den Standort Schweiz mit der verbleibenden Gallus nun doch auf?

Nein, keinesfalls. Die Strategie hat sich nicht geändert. Wie oben schon erwähnt, bleiben 140 Stellen sowie das Herz von Gallus in St. Gallen.

Warum übernimmt Benpac das Montagepersonal?

Benpac braucht Montagekapazität für eigene Produkte. Das hat den Vorteil, dass wir die bei uns freiwerdenden Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nicht kündigen, sondern sie werden von Benpac übernommen.

Etikettendruck ist eigentlich ein Wachstumsgeschäft. Warum nicht auch in der Ostschweiz?

Wir bauen Druckmaschinen und haben zwei Montagestandorte, die beide zu wenig ausgelastet sind. Daher konzentrieren wir uns zukünftig auf einen Standort.

Was kann Benpac, was Gallus nicht konnte?

Benpac ist in anderen Geschäftsfeldern tätig und baut andere Maschinen. (bor)

Stellenabbau: Weltmarktführer Gallus zieht nach der Teilefertigung auch die Montage von St.Gallen ab - «das ist keine Salamitaktik»

Die Gallus-Gruppe begründet ihren angekündigten Abbau von bis zu 60 Stellen am Standort St.Gallen mit ungenügenden Ergebnissen. Der Weltmarktführer bei Etikettendruckmaschinen wolle aber weiter investieren und an den Standorten St.Gallen und Herisau festhalten. Die Konsultationsfrist wird nicht wie von den Arbeitnehmervertretungen verlängert.
Thomas Griesser Kym