Arbeitsmarktschiff im Trockenen

Das «Arbeitsmarktschiff» wird dieses Jahr nicht den Bodensee überqueren. Die Abstimmung über die Masseneinwanderungs-Initiative ist aber nur ein Grund, warum das Projekt gestoppt wird.

Kaspar Enz
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Die «Graf Zeppelin» diente bereits fünfmal als «Arbeitsmarktschiff». (Bild: Wikimedia)

Die «Graf Zeppelin» diente bereits fünfmal als «Arbeitsmarktschiff». (Bild: Wikimedia)

ST. GALLEN. Im Herbst 2008 stach die «Graf Zeppelin» zum ersten Mal als «Arbeitsmarktschiff» in den Bodensee. Die Passagiere hatten sich nicht in erster Linie wegen der Aussicht auf die Schiffsreise begeben: Vertreter von seenahen Arbeitsämtern aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und dem Fürstentum Liechtenstein informierten die Gäste über Arbeitsbedingungen, berufliche Chancen aber auch die Lebensbedingungen in den vier Ländern.

Gemeinsamer Entscheid

Zum sechstenmal hätte die «Graf Zeppelin» diesen Frühling als «Arbeitsmarktschiff» den See überquert, doch nun wurde das Projekt abgebrochen. Peter Kuratli, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit des Kantons St. Gallen, habe wegen der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative die Reissleine gezogen, schreibt der Konstanzer «Südkurier». Das sei allerdings nur die halbe Wahrheit, sagt Kuratli. «Es war ein gemeinsamer Entscheid.» Der Leiter der Bundesagentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg habe ihn deswegen angegangen.

Allerdings sei der Ausgang der Abstimmung nur ein Grund für den Abbruch des Projekts. Veranstalterin des «Arbeitsmarktschiffs» war die European Employment Services Bodensee (Eures). Die Organisation vernetzt die Arbeitsämter rund um den Bodensee. Sie befinde sich in einer Übergangsphase, sagt Kuratli, der Eures im Moment präsidiert. «Der Rahmenvertrag von Eures Bodensee läuft Ende Jahr aus. Es fragt sich sowieso, wie es danach weitergeht.» Eures Bodensee muss die nationalen Eures-Strategien berücksichtigen. Antworten müsse deshalb nicht nur die EU liefern, die die Organisation zu zwei Dritteln finanziert, sondern auch das Staatssekretariat für Wirtschaft des Bundes (Seco) müsse nun bezüglich der nationalen Strategie ab 2015 nochmals über die Bücher.

Auch nachher noch Grenzgänger

Am mangelnden Interesse sei das «Arbeitsmarktschiff» jedenfalls nicht gescheitert, sagt Kuratli. «Es wurde rege benutzt. Wir konnten dort den Leuten realistische Informationen über den Schweizer Arbeitsmarkt geben.» Denn an diesem seien die Passagiere jeweils am meisten interessiert gewesen. «Aber das Schiff war nur eine von vielen Massnahmen von Eures Bodensee», sagt Kuratli. Die Kooperation der Arbeitsämter im Bodenseeraum habe auch nach der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative eine Berechtigung. «Es wird auch nachher noch Grenzgänger geben», sagt er.

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