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ARBEITSMARKT: Sucht mit unheimlichen Folgen

Die Festtage sind vorbei. Doch für jeden Fünften in der Schweiz ist Trinken nicht bloss ein bisschen feiern, sondern ein Problem. Einige können selbst während der Arbeit nicht ohne Alkohol sein.

Brigitte ist seit kurzem pensioniert. Auf die letzten 23 Jahre ihres Berufslebens ist sie besonders stolz, auf jeden einzelnen Tag. An jedem dieser Tage gelang es ihr, das erste Glas wegzulassen. Und damit auch die ganze Flasche. Denn das einzelne Glas interessiert die Alkoholikerin, wie Brigitte eine war, nur wenn sie nach dem ersten Glas die ganze Flasche haben kann. Das sagt sie selbst. Und sie schämt sich für das, was war. Sie möchte darum auch nur unter anderem Vornamen genannt werden.

Doch Anonymität bedeutet für sie nicht, sich selbst zu schonen. Sie nennt die Dinge beim Namen: 20 Jahre Trinken, jeden Abend bis zur Bewusstlosigkeit, 36 Kilo wog sie noch. Erst ein Autounfall, der sie fast das Leben kostete, machte die Krankheit dann auch am Arbeitsplatz zum Thema.

Drohung als Rettung

Der Chef sagte: «Du änderst dich oder du gehst.» Sechs Worte, ein Rettungsanker. Denn Freunde hatte Brigitte damals bereits verloren, auch die Unterstützung von Bekannten und Kollegen. Kaum mehr einer rief an, um zu fragen, ob sie mitgehen wolle ins Theater, ins Konzern, ins Restaurant. «Denn wer will schon mit einer Betrunkenen unterwegs sein», sagt Brigitte. Das alles nahm sie hin – für eine Flasche mehr. Doch die Arbeit zu verlieren hätte bedeutet, auf der Strasse zu landen. Soweit wollte sie es nicht kommen lassen. «Ein Trinker braucht den Tiefpunkt, um sich zu ändern», sagt Brigitte.

«Jemanden mit Alkohol­problemen muss man mit Fakten konfrontieren», sagt Dwight Rodrick, Experte für betriebliche Suchtprävention bei der Organisation Sucht Schweiz. Das heisst, es müsse der Person das Verhalten, welches Schwierigkeiten verursache, aufgezeigt werden.

Alkohol am Arbeitsplatz ­kostet Unternehmen jährlich 3,4 Milliarden Franken. Darin ­eingerechnet sind geringere ­Arbeitsleistungen oder auch Produktionsverluste durch Krankheit und Todesfälle. Galten früher der Bau und die Gastronomie als besonders gefährlich für potenzielle Alkoholiker, sind es heute nicht mehr einzelne Branchen, sondern generell Stellen, in denen Geselligkeit zum Job gehört. Auch Brigitte hatte damals als Kundenberaterin angefangen im Bereich Bau und Architektur. Apéros gehörten fast zur Tagesordnung.

Für Arbeitgeber sind süchtige Mitarbeiter aber schnell nicht mehr soziale Brücken zu Kunden, sondern Kostenfaktoren. Und genau das sollte zum Thema werden, sind sich Experten einig. «Man sollte mit jemandem nicht über sein Trinkverhalten reden. Aber man kann über die Versäumnisse sprechen, die passieren», sagt Dwight Rodrick.

Vorgesetzte sollten mit dem Mitarbeitenden Ziele vereinbaren – ebenfalls faktenorientiert, beispielsweise weniger Fehler, nicht mehr zu spät kommen. Nach einem Monat wird Bilanz gezogen. Ändert sich das Ver­halten nicht, sollten Arbeitgeber eine Abklärung beim Arzt anregen. «Das Ziel ist, dass jemand nicht wegen seiner Krankheit entlassen werden muss, sondern dass die Person Hilfe annimmt.» Brigitte nahm die Hilfe an. Sie besuchte Therapien, ist Mitglied bei den Anonymen Alkoholikern und wieder bestens integriert.

Lucia Theiler, SDA

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