ARBEITSMARKT: Bau und Gastro schaffen mehr Jobs

Im Juni haben in der Schweiz mehr Personen eine neue Arbeit gefunden als andere ihre Stelle verloren haben. Vor allem auf dem Bau und im Gastgewerbe hat die Beschäftigung angezogen.

Rainer Rickenbach
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Im Gastgewerbe gibt es im Sommer mehr zu tun als im Winter: Koch im Zürcher Hotel Storchen. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Im Gastgewerbe gibt es im Sommer mehr zu tun als im Winter: Koch im Zürcher Hotel Storchen. (Bild: Christian Beutler/KEY)

Rainer Rickenbach

Es handle sich um einen ungewöhnlich kräftigen Rückgang der Arbeitslosigkeit. So charakterisiert Boris Zürcher vom Staats­sekretariat für Wirtschaft (Seco) die Arbeitsmarktdaten vom Juni. In der Tat: Im Vergleich zum Vormonat Mai waren 4 Prozent weniger arbeitslose Frauen und Männer bei den Regionalen Ar­beitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet. Die Arbeitslosenquote sank von 3,1 auf 3,0 Prozent. Das ist so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr, als die Aufhebung der Eurokursuntergrenze zeitlich verzögert begann, auf dem Ar­beitsmarkt Spuren zu hinter­lassen.

Die Arbeitslosigkeit sank im Juni in erster Linie aus saisonalen Gründen. Das macht ein Blick auf die Branchen deutlich: Mehr als die Hälfte des Rückgangs entfällt auf die typischen Saisonberufszweige Gastronomie und Bau. In der wärmeren Jahreszeit brauchen Wirte, Hoteliers und Bauunternehmer mehr Leute. «Etwa 15 Prozent des Rückgangs haben indes konjunkturelle Ursachen. In sämtlichen Branchen wurden mehr Leute angestellt als abgebaut», sagt Zürcher.

Ältere Erwerbslose oft ­Einwanderer vom Balkan

Deutlich gesunken ist die Zahl der als arbeitslos registrierten Jungen. Im Juni gingen über 10 Prozent weniger 15- bis 24-­Jährige bei den Arbeitsämtern ein und aus als noch vor einem Jahr. Zäh verläuft die Erholung des Arbeitsmarktes hingegen bei den Älteren. Die Quote der 50-Jährigen und Älteren entwickelte sich zwar ebenfalls rückläufig und verharrt nach wie vor unter dem Gesamtdurchschnitt. Doch in dieser Altersgruppe ist nur wenig Bewegung auszumachen. «Der Aufschwung setzt bei den Älteren verspätet und vorerst schwach ein. Jetzt schon von einer Trendwende zu sprechen, wäre verfrüht», sagt Zürcher. Doch immerhin falle der Vorjahresvergleich zum ersten Mal seit über einem Jahr positiv aus. Er vermutet, bei einem grossen Teil der älteren Erwerblosen handle es sich um weniger qualifizierte Personen, die vor 20 oder 30 Jahren vorwiegend aus dem Balkan in die Schweiz eingewandert sind.

Für diese These spricht der hohe Ausländeranteil bei den über 50-Jährigen. Mit 5,7 Prozent ist die Arbeitslosenquote der älteren Ausländer deutlich mehr als doppelt so hoch als jene ihrer Schweizer Altersgenossen (2,1 Prozent).

Wie harzig die Stellensuche für diese Altersgruppe verläuft, illustrieren die Zahlen der Langzeitarbeitslosen: Mehr als 44 Prozent der Personen, die länger als ein Jahr ohne Stelle sind, haben den 50. Geburtstag hinter sich.

Mit der Quote von 3,0 Prozent über alle Altersgruppe betrachtet dürfte der Tiefststand für dieses Jahr erreicht sein. «Im Juli steigt nach dem Ende des Schul- und Lehrjahres die Jugendarbeitslosigkeit wieder an», sagt Zürcher voraus.

Erholung regional breit abgestützt

Das Seco geht für dieses Jahr von einer mittleren Arbeitslosigkeit von 3,2 Prozent aus. Im kommenden Jahr sollen es noch 3,1 Prozent sein. Das Wirtschaftswachstum wird nach Einschätzung des Seco weiterhin zur Beruhigung des Arbeitsmarktes beitragen. Zürcher: «Erstmals seit längerer Zeit befinden sich sämtliche Konjunkturfrühindikatoren im grünen Bereich.»

Auch regional ist die Aufwärtsbewegung auf dem Arbeitsmarkt breit abgestützt. Mit Ausnahme der beiden Appenzell, (siehe Tabelle), Obwaldens und Freiburgs sank die Arbeitslosenquote in sämtlichen anderen Kantonen um 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte. Besonders in den Kan­tonen Graubünden, Neuenburg, Wallis und Bern fanden deutlich mehr Personen eine Beschäftigung als sonst üblich.