ARBEITSKONFLIKT
Wechsel der Verteilfirma der Ausserrhoder Just-Gruppe in Argentinien: Beschäftigte wehren sich erfolgreich gegen Lohnsenkung

Statt wie bisher für Swiss Just Argentina neu für Transfarmaco arbeiten und das zu schlechteren Anstellungsbedingungen – gegen diese Aussicht sind die Beschäftigten auf die Barrikaden gestiegen. Mit Erfolg: Sie werden am neuen Ort zu den gleichen Löhnen und Vertragskonditionen weiterbeschäftigt. Der Just-Chef zeigt sich erleichtert, übt aber auch Kritik an der Gewerkschaft.

Thomas Griesser Kym
Drucken
Teilen
Gewerkschafter und Beschäftigte der Swiss Just Argentina, die neu für Transfarmaco arbeiten, vor den Fabriktoren der Just International Latam.

Gewerkschafter und Beschäftigte der Swiss Just Argentina, die neu für Transfarmaco arbeiten, vor den Fabriktoren der Just International Latam.

Bild: CIS

Die argentinische Gewerkschaft Handel, Industrie und Dienstleistungen (CIS) spricht von einem «historischen Triumph». Die Firma Transfarmaco, die seit kurzem für die Lagerung und Verteilung der Kosmetik- und Pflegeprodukte der Walzenhauser Firma Just zuständig ist, beschäftigt die Mitarbeitenden des bisherigen Distributors Swiss Just Argentina zu unveränderten Anstellungskonditionen weiter.

Der entsprechende Tarifvertrag, der die gleichen Lohn- und Vertragsbedingungen festhält, die vor dem Konflikt galten, ist am Donnerstag von der Firma, der Gewerkschaft und Behördenvertretern unterzeichnet worden, wie aus einer Mitteilung der CIS hervorgeht. Gewerkschaftsführer Gustavo Córdoba sagt:

«Wir haben keinen Präzedenzfall für eine Leistung dieser Grössenordnung.»

Vor den Toren der Just-Fabrik campiert

Die Beschäftigten seien «zur Arbeit zurückgekehrt, ohne ihre Rechte aufzugeben». Zuvor hatten Angestellte am 22. März 2021 vor den Toren der Firma Just International Latam ein Zeltlager aufgeschlagen und angekündigt, dort auszuharren, bis eine Lösung erreicht sei. Just International Latam in einer Vorstadt von Buenos Aires ist die einzige Just-Fabrik im Ausland und stellt die Produkte für Argentinien und ganz Amerika her.

Diese Produkte waren bis vor kurzem von Swiss Just Argentina gelagert, kommissioniert und an die Verkaufsberater verteilt worden. Doch Mitte Februar 2021 wurde der Standort quasi über Nacht geräumt und die Ware in ein Transfarmaco-Gebäude verschoben.

Längerer Arbeitsweg muss in Kauf genommen werden

Unia-Gewerkschafter Lukas Auer.

Unia-Gewerkschafter Lukas Auer.

Bild: PD

Den überrumpelten 52 Mitarbeitenden wurden neue Jobs bei Transfarmaco angeboten, wogegen sich ein Teil der Beschäftigten wehrte, weil sie schlechtere Anstellungsbedingungen zu erwarten hätten. Diese Befürchtung sollte nun vom Tisch sein. Auch Lukas Auer, Gewerkschaftssekretär Industrie der Unia Ostschweiz sagt: «Die Leute werden 1 zu 1 am neuen Ort eingestellt.»

Allerdings liegt der Standort der Transfarmaco 60 Kilometer von jenem der Swiss Just Argentina entfernt. Dieser Weg quer durch den Ballungsraum Buenos Aires kann gut und gerne zwei Stunden beanspruchen. Auer sagt, der längere Arbeitsweg sei zwar ein Nachteil, doch:

«Zentral für die Beschäftigten ist, dass sie ihren Besitzstand bei den Löhnen und Sozialleistungen wahren können.»

Die Gewerkschaften wollen wachsam bleiben

Auer sagt, der internationale Austausch zwischen der CIS und der Unia habe sich ebenso bewährt wie der Druck, den man auf die involvierten Firmen ausgeübt habe. Swiss Just Argentina gehört einer argentinischen Unternehmerfamilie und hatte mit der Just-Tochter Just International Latam einen Vertriebsvertrag. Dieser ist nun an Transfarmaco übergegangen, die ebenfalls einer lokalen Familie gehört.

Für Unia-Gewerkschafter Lukas Auer ist aber auch klar:

«Die CIS und wir werden genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt, ob der Tarifvertrag eingehalten wird und ob die Leute ihre Arbeitsplätze behalten können.»

Erleichterung und Kritik des Just-Chefs

Just-Chef Heinz Moser.

Just-Chef Heinz Moser.

Bild: Daniel Dorrer

Erleichtert über die Einigung zeigt sich auch Just-Geschäftsführer Heinz Moser. Man habe als «unbeteiligte Dritte» die Streitparteien an einen Tisch gebracht, sagt Moser:

«Wir waren immer an einer Deeskalation interessiert, einerseits aus sozialer Verantwortung, andererseits aus wirtschaftlichem Interesse.»

Denn Just sei darauf angewiesen, dass die argentinische Fabrik mit 220 Mitarbeitenden produzieren könne und die Verteilung der Produkte an die rund 70'000 Verkaufsberaterinnen und Verkaufsberater in Argentinien funktioniere.

In diesem Zusammenhang kritisiert Moser auch die Gewerkschaft CIS wegen «der Blockade der Fabrik, ähnlich einer Belagerung». Zeitweise habe man weder Rohstoffe einliefern noch Fertigprodukte ausliefern können. Die Aktion der Gewerkschaft sei «sehr fragwürdig» gewesen, denn die argentinische Just-Fabrik habe direkt gar nichts mit dem Arbeitskonflikt bei Swiss Just Argentina zu tun gehabt.

Aktuelle Nachrichten