Arbeiten statt Ferien machen

Mit einem Ferienjob können Schüler und Studenten ihr Taschengeld aufbessern sowie erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln. Dabei gilt es aber einiges zu beachten – Regeln und Tips aus dem Alltag.

Stefan A. Schmid
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BERN. Viele Ferienjobs für den Sommer sind bereits vergeben. Fachmann Benno Kästli rät daher, möglichst früh mit der Suche zu beginnen. Im Idealfall werde die Suche des passenden Ferienjobs bereits Ende des Vorjahres vorbereitet – ähnlich wie bei der Lehrstellensuche, sagt Kästli. Er ist Geschäftsführer der Firma Comperio in Bern, welche in der Schweiz mit dem Portal www.ferienjob.ch die grösste Plattform für die Vermittlung von Ferienjobs betreibt.

Das Angebot an typischen Ferienjobs für Jugendliche sei in den letzten Jahren tendenziell eher zurückgegangen, erklärt Kästli. Dafür würden insbesondere kleine und mittelgrosse Unternehmen (KMU) vermehrt Gelegenheitsjobs (etwa in der Datenerfassung) das ganze Jahr über anbieten.

Nachfrage bleibt hoch

Bei Schülern und Studenten sei die Nachfrage nach Ferienjobs weiterhin hoch. Viele von ihnen würden aber zu spät mit der Suche beginnen, meint Kästli. «Zwei Wochen vor den Schulferien ist man in der Regel chancenlos.» Bei Ferienjob.ch, das seit kurzem auch in Deutschland präsent ist, liegt das Verhältnis der angebotenen Einsatzmöglichkeiten zur Zahl der suchenden Jugendlichen ungefähr bei 1:5. Die besonders spannenden Jobs sind laut Kästli innert zweier Tage weg. Die Jugendlichen brauchten bei der Suche daher viel Geduld und Eigeninitiative – hilfreich sei auch ein kleines Bewerbungsdossier.

Bevor sie mit einer Firma in Kontakt treten, sollten sich die Jugendlichen zudem mit ihren Eltern absprechen. Denn: Im Internet lauern auch unseriöse Inserenten. Gefragt bei Jugendlichen seien vor allem Bürojobs, sagt Kästli. Ebenfalls hoch im Kurs: Ferienjobs bei den Grossverteilern. Bei Coop ist das Angebot aber nicht mehr so gross wie auch schon. «Tendenziell haben die Ferienjobs eher abgenommen», sagt Mediensprecher Urs Meier. Gründe sind bessere Personalplanungssysteme und eine erhöhte interne Flexibilität.

Bei der Migros Ostschweiz ist die Zahl der Ferienjobs seit 2009 derweil ungefähr konstant geblieben, wie Sprecher Thomas Steccanella sagt. Die Genossenschaft beschäftigte im letzten Jahr 178 Jugendliche in deren Ferien – zumeist, um Regale aufzufüllen. «Wer einen Ferienjob bei der Migros sucht, wendet sich am besten direkt an einen Filialleiter», rät Steccanella. Auch bei Coop heisst es: Direkt in den Verkaufsstellen anfragen, einen kurzen Lebenslauf bereit halten – und sich möglichst früh melden.

Eigeninitiative und Glück

Es gibt noch eine Reihe weiterer wichtiger Fragen, die sich punkto Ferienjobs stellen:

• Wie finde ich generell als Jugendlicher den passenden Ferienjob? Gefragt sind Eigeninitiative und manchmal etwas Glück. Ferienjobs suchen kann man etwa auf Onlineportalen wie www.ferienjob.ch, www.semestra.ch und www.thejob.ch. Auch Familie, Freunde und Bekannte können helfen, vielleicht kennen sie Arbeitgeber, die Ferienjobs anzubieten haben. Denn es gilt: Ferienjobs werden nicht immer öffentlich ausgeschrieben.

• Wie bewerbe ich mich richtig? Ein Ferienjob ist wie ein künftiger Job – sei es eine Lehrstelle oder eine Stelle auf dem Arbeitsmarkt. Es lohnt sich also, auch für einen Ferienjob eine saubere, schriftliche Bewerbung zu erstellen, damit das Personalbüro das Dossier überhaupt näher prüft.

• Ab welchem Alter darf ich in den Schulferien einen Job annehmen, um mein Taschengeld aufzubessern? Ab 13 Jahren. Bis zum 15. Geburtstag dürfen allerdings nur leichte Arbeiten ausgeführt werden – eine Ausnahme bildet ab 14 Jahren die Landwirtschaft. Unter leichte Arbeiten fallen etwa Babysitten, Botengänge, Zeitungen verteilen oder Schnupperlehren. Es gilt: Die Arbeit darf keinen negativen Einfluss auf Gesundheit, Sicherheit und Entwicklung der Jugendlichen sowie die Schulleistung haben, wie es in der Broschüre «Jugendarbeitsschutz» des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) heisst (siehe auch Kasten).

• Brauche ich die Zustimmung meiner Eltern, wenn ich in den Ferien arbeiten will? Ja. Wer unter 18 Jahren ist, braucht dazu das Einverständnis der Eltern.

Die Sache mit dem Lohn

• Welchen Stundenlohn kann ich verlangen? Für Ferienjobs gibt es keine festgelegten Mindestlöhne. Der Lohn ist abhängig von Region, Arbeit und dem Verhandlungsgeschick. Ausserdem ist er in der Regel nach Alter abgestuft. Die Organisation Budgetberatung Schweiz empfiehlt folgende Stundenansätze: Für 14-Jährige sind es 9 bis 10 Fr., für 16-Jährige 12 bis 15 Fr., für 20-Jährige bis 20 Franken. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund stellt im Internet einen Lohnrechner zur Verfügung (www.lohnrechner.ch). Das sind allerdings nur Richtwerte.

• Wie viele Wochen darf mein Ferienjob dauern? Maximal die Hälfte der Schulferien – Ferien sind als Erholungszeit gedacht, um sich danach wieder auf die Schule konzentrieren zu können.

• Kann ich meinen Ferienjob hinschmeissen, wenn er mir nicht gefällt? Nein. Ein Ferienjob ist nur kündbar, wenn dies ausdrücklich im Vorfeld vereinbart wurde. Ansonsten ist eine Kündigung allein mit dem Einverständnis des Arbeitgebers möglich.