Arbeit in neuen Geschäftsfeldern

Auch die Hermann Koller AG leidet unter der schlechten Lage der Textilindustrie. Statt mit Stellenabbau reagiert sie mit Diversifizierung auf die Situation.

Kaspar Enz
Merken
Drucken
Teilen

GAIS. Der Schweizer Textilindustrie weht ein harter Wind entgegen: Ihre Exporte betrugen 2010 nicht einmal mehr drei Viertel des Wertes von 2007. Auch die Aussenhandelsstatistik des Kantons St. Gallen zeigte dieses Jahr bisher nach unten. In der Ostschweiz, der einstigen Hochburg der Textilindustrie, forderte diese Entwicklung letzte Woche ein neues Opfer: Die Christian Eschler AG in Bühler verlagert ihre Produktion ins Ausland.

Abwanderung nach Asien

Unter den Umwälzungen der Branche leidet auch die Hermann Koller AG in Gais. «Ganze Märkte brechen weg», sagt Daniel Waldmeier, Geschäftsführer des Unternehmens, das auf die Vorbereitung und Veredlung von Stickereien spezialisiert ist. Die wiederum werden vor allem für Wäsche und Damenoberbekleidung benutzt. «Wäsche ist ein Massenprodukt. Sie wandert immer mehr in den Fernen Osten ab», sagt Waldmeier. «Und Konkurrenzprodukte wie die Lace-Spitze werden qualitativ immer besser.»

Für den Gaiser Betrieb heisst das, dass ein Grossteil der Grundauslastung weggefallen ist. Trotzdem baut die Hermann Koller AG keine Arbeitsplätze ab. «Wir haben den Vorteil, dass unser Maschinenpark gut finanziert ist», sagt Daniel Waldmeier. «Sollte die Mode sich wieder ändern, stehen unsere Kapazitäten bereit.»

Mitarbeiter beschäftigen

Um die 38 Mitarbeitenden zu beschäftigen, sieht sich die Hermann Koller AG nach neuen Geschäftsfeldern um. Vor einiger Zeit begann man mit dem Färben von Wolle. Mit der Übernahme der Knecht GmbH aus Speicher dringt sie nun ins Teppichveredelungs- und Reinigungsgeschäft vor. Im Laufe des nächsten Jahres werden die Maschinen und ein Teil des Personals in die Hermann Koller AG integriert. Das Geschäft mit der Veredelung von Teppichen sei zwar rückläufig, sagt Daniel Waldmeier. Die Teppichreinigung sei aber ein wachsender Markt. Hier könne die Hermann Koller AG auch geographisch noch wachsen. «Die Deutschschweiz ist von der Knecht gut erschlossen.» In der Romandie, dem Tessin, aber auch im Vorarlberg sieht Waldmeier noch Wachstumschancen, und damit neue Arbeitsfelder für die Mitarbeiter.

Die Erhaltung der Arbeitsplätze liegt der Hermann Koller AG am Herzen. «Verluste zu machen ist schon nicht das Ziel», sagt Daniel Waldmeier. Aber die Hauptaktionärin, die Hermann Koller Stiftung, pocht nicht in erster Linie auf Gewinnmaximierung. Die Satzung der Stiftung schreibt ausdrücklich die Erhaltung des Produktionsstandortes für die regionale Stickereiindustrie und die Bewahrung der Arbeitsplätze vor.