Apple vernetzt sein Biotop

Apple-Fans müssen sich zwar noch eine Weile auf neue Geräte gedulden. Doch die Software-Entwickler sind begeistert über die in San Francisco vorgestellten Pläne des Konzerns.

Thomas Spang
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Apple-Manager Craig Federighi stellt an der Entwicklerkonferenz das Betriebssystem OS X Yosemite vor. (Bild: epa/John G. Mabanglo)

Apple-Manager Craig Federighi stellt an der Entwicklerkonferenz das Betriebssystem OS X Yosemite vor. (Bild: epa/John G. Mabanglo)

SAN FRANCISCO. Als Craig Federighi die neue Programmiersprache Swift ankündigt, steht der Moscone Center kopf. Die 6000 Teilnehmer der Entwickler-Konferenz (WWDC) in San Francisco feiern die Ankündigung des neuen Werkzeugs, das ihnen helfen soll, das Apple-Biotop noch verlockender zu machen. Zusammen mit den neuen Betriebssystemen iOS8 für iPhone und iPad sowie Yosemite für die heimischen Macs kündigt sich eine Apfelwelt an, in der Geräte, Dienste und Programme nahtlos ineinander übergehen.

Wenn das Telefon klingelt, entdeckt es der Computer. Der Mac kann dann als Wechselsprechanlage genutzt werden. Wer auf dem Rechner einen Brief schreibt und plötzlich los muss, kann ihn auf seinem Tablet zu Ende bringen. Über AirDrop werden sich künftig ganz leicht Dateien zwischen mobilen Geräten und Desktops hin und her bewegen lassen. Mit dem überholten iCloud-Dienst gibt es endlich eine Festplatte in der Wolke, die mit anderen Diensten mithalten kann.

Euphorie, aber auch Druck

Kontinuität lautet das Stichwort, das Apple-Chef Tim Cook bei seiner mit dem üblichen Hype begleiteten Präsentation hervorhebt. «Apple entwickelt Plattformen, Geräte und Dienste zusammen», betont der Nachfolger des legendären Steve Jobs, der unter enormen Druck steht, zu beweisen, dass der Konzern auch unter seiner Führung nicht bloss optimiert, sondern Neuigkeiten auf den Markt bringt.

Darauf müssen die Konsumenten noch eine Weile warten. Wenngleich die jährliche Entwickler-Konferenz im Juni auch früher nicht die Bühne war, wo Apple neue Produkte vorstellte. Vielmehr versucht der Konzern hier Programmierer zu motivieren, ihre Zeit zuerst in die Entwicklung neuer Anwendungen zu investieren, die Leben in die i-Geräte einhauchen statt in die der Konkurrenz.

Die neuen Betriebssysteme, die im Herbst kostenlos als Upgrade zur Verfügung stehen, und die Programmiersprache, so die Botschaft der Konferenz, schaffen die Grundlage für die Neuerungen. Allen voran im Bereich des «Internets der Dinge» mit den Themen Gesundheit und Haushalt. Mit «HealthKit» erhalten Apples Mobilgeräte Schnittstellen, die für Geräte zur medizinischen Selbstbeobachtung genutzt werden können. Herzfrequenz, Körpertemperatur oder Blutzucker können gemessen und direkt mit Krankenhäusern und Ärzten ausgetauscht werden. Einen riesigen Markt verspricht sich Apple auch bei intelligenter Haushaltstechnik. Über die «HomeKit»-Schnittstelle sollen sich etwa Heizung und Lichter über das Smartphone steuern lassen.

Den Beweis erbringen

Das kommende Weihnachtsgeschäft wäre der ideale Zeitpunkt, die dazugehörigen Geräte einzuführen. Mit dabei vielleicht die lange erwartete iWatch. Apple-Chef Cook könnte damit erstmals seit Einführung des iPad vor vier Jahren beweisen, dass der Konzern seine Innovationskraft nicht verloren hat.