Apple auf der Suche nach der Zukunft

Vor fünf Jahren starb Steve Jobs. Dem Nachfolger gab er den Rat, er solle nie überlegen: «Was würde Steve jetzt tun?» Und doch wird diese Frage immer wieder gestellt. Besonders seit Apple nicht mehr wächst.

Andrej Sokolow und Christoph Dernbach/dpa
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Apple-Chef Steve Jobs starb am 5.10. 2011. (Bild: Jeff Chiu/AP)

Apple-Chef Steve Jobs starb am 5.10. 2011. (Bild: Jeff Chiu/AP)

Die Nachfolger von Steve Jobs haben bei Apple ein schwieriges Erbe angetreten. Einerseits war der Konzern zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden. Zum anderen übernahm die Chefetage um Tim Cook eine Firma, die sich um den Mitgründer und Retter Jobs drehte: Steve bestimmte die Strategie, Steve feilte mit Designchef Jony Ive am Aussehen der Geräte, Steve traf viele Entscheidungen bis hin zum Farbton der App-Symbole.

Ganz überraschend kam sein Tod nicht. Die Folgen der Krebserkrankung hatten den 55-Jährigen immer schwerer gezeichnet, schon im August 2011 gab er den Posten des Firmenchefs an Cook ab. Aber zugleich versprach Jobs noch, an der Spitze des Verwaltungsrates weiter für Apple da zu sein. «Ich war überzeugt, er erholt sich auch diesmal», sagte Cook in einem Interview der «Washington Post». «So, wie er es immer getan hat.» Doch Jobs konnte den Krebs nicht besiegen, er starb am 5. Oktober 2011, einen Tag nachdem der sichtlich mitgenommene Tim Cook das iPhone 4S vorgestellt hatte.

Rückgänge nach Rekordergebnissen

Seitdem reissen Debatten darüber nicht ab, wie innovativ Apple ohne Steve Jobs sein kann. Schliesslich gilt er als die treibende Kraft hinter allen grossen Erfolgen von Apple: Der erste Macintosh 1984, der iMac 1998, der iPod 2001, das iPhone 2007 und das iPad 2010. Oracle-Gründer Larry Ellison, ein langjähriger Freund und Vertrauter von Jobs, sah eine düstere Zukunft für das Unternehmen: «Wir haben ein Apple ohne Steve Jobs schon gesehen», winkte er in einem Fernsehinterview ab. Bis zu diesem Jahr widerlegte Apple die Untergangspropheten stets mit neuen Rekordergebnissen. Besonders gross war der Sprung mit dem iPhone 6, als im Weihnachtsgeschäft 2014 mit der Einführung grösserer Modelle die iPhone-Verkäufe um 46% auf rund 74,5 Mio. Geräte hochschnellten. Im vergangenen Jahr gelang es in einem abgebremsten Smartphone-Markt gerade noch, diese Marke knapp zu übertreffen. Doch in diesem Jahr sanken die iPhone-Verkäufe erstmals seit der Markteinführung. Apple ging ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten iPhone-Design und erntete dafür viel Kritik. Auch deshalb schlägt Cooks Apple der Vorwurf entgegen, der Konzern zehre von den Innovationen der Jobs-Ära.

Als einzige neue Produktkategorie brachte der Konzern seit Jobs' Tod die Apple Watch. Sie wurde zwar aus dem Stand klare Nummer eins in dem überschaubaren Markt der Smartwatches. Aber die Verkäufe sanken nach Einschätzung der Marktforscher von 3,6 Mio. Uhren zum Start im zweiten Quartal 2015 auf zuletzt um die 1,5 Mio. Geräte pro Vierteljahr. Es gelang also auf Anhieb nicht, den Markt hoch zu reissen. Apple tastet sich noch vor. Mit der neuen Version des Betriebssystems wurde die Bedienung radikal umgestaltet. Man kann dies als Eingeständnis werten, dass die Entwickler anfänglich in wichtigen Punkten daneben lagen.

Die Technologie-Branche hat sich seit Jobs' Tod massiv verändert. Und so liegen die aktuellen Innovationen von Apple weniger im Hardware-Bereich, sondern in Software. Zuletzt musste Cook beim Versuch, Apple als politisch korrekten Musterschüler zu positionieren, einen herben Rückschlag hinnehmen. Die Forderung in Irland über 13 Mrd. € Steuern nachzuzahlen, lässt den iPhone-Hersteller als Steuersünder erscheinen.