Appenzeller Kantonalbank verschont Kleinsparer und Stammkunden vor Negativzinsen, leidet aber selber darunter

Bei den Negativzinsen hat das Geldinstitut vergangenes Jahr ordentlich draufgezahlt. Operativ läuft es der Bank aber rund. Das freut auch die Staatskasse.

Thomas Griesser Kym
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Die Leitung der Appenzeller Kantonalbank: (von links) Kreditkundenleiter Alfred Inauen, Anlagekundenleiter Thomas Kast, Bankchef Ueli Manser, Bankratspräsident Roman Boutellier, Privatkundenleiterin Alexandra Koller, Logistikleiter Hermann Inauen.

Die Leitung der Appenzeller Kantonalbank: (von links) Kreditkundenleiter Alfred Inauen, Anlagekundenleiter Thomas Kast, Bankchef Ueli Manser, Bankratspräsident Roman Boutellier, Privatkundenleiterin Alexandra Koller, Logistikleiter Hermann Inauen.

Bild: PD

Die Negativzinsen haben die Appenzeller Kantonalbank vergangenes Jahr netto 350'000 Franken gekostet. Für ein Institut mit einem im Vorjahresvergleich relativ stabilen Gewinn von gut 12,3 Millionen Franken ist das kein Pappenstiel, wie auch Direktor Ueli Manser einräumt:

«Das tut uns weh.»

Konkret zahlte die Bank 450'000 Franken Negativzinsen, nachdem sie 2019 ihre Freigrenze für Einlagen bei der Schweizerischen Nationalbank «teils massiv» überschritten hatte. Umgekehrt nahm die Kantonalbank 100'000 Franken Negativzinsen ein, «von einer Handvoll institutioneller Kunden». Die Bank hat laut Manser weiterhin das Ziel, «Negativzinsen nicht flächendeckend einzuführen.» Und:

«Wir wollen vor allem Kleinsparer und Stammkunden verschonen.»

Mit dem vergangenen Geschäftsjahr zeigen sich Manser und Bankratspräsident Roman Boutellier zufrieden. Das Zinsengeschäft als wichtigster Ertragspfeiler entwickelte sich stabil, wobei Mindereinnahmen als Folge des Drucks auf die Zinsmarge kompensiert wurden durch das Wachstum der Hypotheken um 3 Prozent oder 80 Millionen auf 2,78 Milliarden Franken.

Die Bank ist solide kapitalisiert

Manser sagte an der Jahresmedienkonferenz, der Bauboom flache ab, doch es werde immer noch «vernünftig» gebaut. Dank eines guten Wachstums der regionalen Wirtschaft habe die Bank mit etwas über 80 Mitarbeitenden auch wenig Abschreibungen vornehmen müssen. Gut lief dank florierender Börsen auch das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft.

Millionen fürs Eigenkapital und für den Kanton Aus dem Geschäftserfolg von gut 21,3 Millionen Franken wies die Bank ihren Reservetöpfen 13,5 Millionen Franken zu. Mit einer harten Kernkapitalquote von 19,58 Prozent gilt das Institut als sehr gut mit Eigenmitteln ausgestattet. In den vergangenen fünf Jahren hat die Bank ihr Eigenkapital von 243 auf 312 Millionen Franken aufgepolstert, ein Plus von 28 Prozent.

Millionen für den Kanton

Dem Kanton Appenzell Innerrhoden als Eigentümer der Appenzeller Kantonalbank werden 7,8 Millionen Franken abgeliefert. Für das Vorjahr 2018 waren es 7,75 Millionen Franken.

Auch bei der Appenzeller KB schreitet die Digitalisierung voran. Man habe 10'500 E-Banking-Verträge, sagt Manser, dies bei einem Bestand von 25'000 Kunden. Zudem hätten über 2000 Kunden ihr Bankkonto mit der Bezahl-App Twint verknüpft. Fürs Sponsoring wendet die Bank jährlich eine Viertelmillion auf. Ein Höhepunkt im laufenden Jahr sei diesbezüglich das Eidgenössische Jubiläums- Schwingfest in Appenzell. 

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Stefan Borkert