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APOTHEKEN: Mit dem Rücken zur Wand

Die Ausbaupläne von Galenica Santé und der geplante Einstieg der Migros in den Medikamentenmarkt erhöhen den Druck in der Branche. Den spüren in erster Linie eigenständige Apotheken.
Alexa Clemenz Berger (sda)
Eine Apothekerin wiegt getrocknete Heilkräuter ab. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 9. Juni 2005))

Eine Apothekerin wiegt getrocknete Heilkräuter ab. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone (Zürich, 9. Juni 2005))

Alexa Clemenz Berger (SDA)

Immer noch spielen die Apotheken in der Abgabe von Medikamenten eine zentrale Rolle. Gehen doch etwas über die Hälfte der Präparate bei Apothekerinnen und Apothekern über den Ladentisch. Vor 20 Jahren waren es noch gut 60% gewesen. Selbstdispensierende Ärzte und Spitäler geben heute jeweils rund ein Viertel der Medikamente ab. Gesundheit hat ihren Preis: Für Medikamente geben Patienten und Versicherer in der Schweiz laut dem Apothekerverband Pharmasuisse jährlich rund 4 Mrd. Fr. allein in Apotheken aus.

Abzüglich der Einstandspreise von 2,6 Mrd. Fr., Margen von Grossisten und Kosten für Beratung bleibe den Apotheken damit rund 1 Mrd. Fr., um alle ihre anderen Kosten zu decken und einen Gewinn zu erarbeiten, rechnet Pharmasuisse vor. Im Schnitt erzielten Apotheken einen Betriebsgewinn von rund 200000 Franken. Rund ein Fünftel des Umsatzes müsse für Personal­kosten aufgewendet werden.

Jede fünfte Apotheke im Überlebenskampf

Laut dem Verband gab es in der Schweiz Ende Jahr 1792 Apotheken. Die nach wie vor stattliche Anzahl und die Zunahme um über 9% in den letzten zwei Jahrzehnten überraschen. Hiess es doch bereits damals, dass von den seinerzeit 1640 Apotheken knapp jede Fünfte kaum oder nicht existenzfähig sei. Auch heute schätzt Pharmasuisse-Präsident Fabian Vaucher die Lage jeder fünften Apotheke als dramatisch ein. Sie kämpften ums Überleben. Vaucher sagt, zwar steige die Zahl der Apotheken leicht an. Faktisch aber sei sie, wegen des Bevölkerungswachstums, rückläufig. Strukturelle Veränderungen sieht Vaucher besonders in Städten. Neue Apotheken eröffneten an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen, Einkaufzentren und in Innenstädten. In Quartieren und ländlichen Gebieten dagegen würden Apotheken geschlossen.

Umsatzstarke Lagen können matchentscheidend sein, weil der unternehmerische Spielraum der Apotheken ohnehin begrenzt ist: Beim grössten Teil ihrer Produkte, besonders bei Medikamenten, die von der Krankenkasse bezahlt werden, sind die Apotheker nicht frei in der Preisgestaltung. Der Umsatzanteil rezeptpflichtiger Medikamente beträgt dabei laut Pharmasuisse drei Viertel. Ist das übrige Viertel aus rezeptfreien Medikamenten eine Chance? Wohl eher nicht, sagt Vaucher: «Mittel- und längerfristig zeichnet sich hier sicher kein Wachstumsmarkt ab, obwohl Selbst­medikation und Gesundheits­bewusstsein der Leute steigen.»

Apotheker als Unternehmer oder als Angestellter

Einen Ausweg, um Kosten zu senken, sehen viele Apotheker im Anschluss an Ketten und Gruppierungen. Pharmasuisse stellt hier eine «grosse Dynamik» fest. Vaucher glaubt, dass sich künftig Ketten und Gruppierungen aufgrund des Marktdrucks wohl noch stärker zu Lasten «eigenständiger Apotheken» durchsetzen. Bereits heute sind lediglich 15% der Apotheken wirtschaftlich selbstständig. 57% haben sich zu Gruppierungen wie TopPharm, Rotpunkt, Winconcept Partner oder Fortis zusammengeschlossen. Damit bleiben die Apotheker unabhängige Inhaber, profitieren aber von Synergien etwa im Einkauf, Marketing oder in der Weiterbildung. 28% der Apotheken gehören zu Ketten wie Galenica, Benu oder Topwell. Bei solchen Apotheken, bei denen die Apotheker angestellt sind. Die mit Abstand grösste Kette ist die Galenica-Gruppe (Amavita, Sun Store und Coop Vitality) mit 329 Apotheken. Galenica Santé hat in den letzten sechs Jahren nach eigenen Angaben 62 Apotheken in der Schweiz aufgekauft.

Auch in den nächsten Jahren will Galenica nicht nur organisch wachsen, sondern weiterhin auch durch Akquisitionen: 5 bis 15 neue Apotheken sollen dazukommen. Man werde kaufen, schliessen und optimieren, hiess es jüngst an der Bilanzmedienkonferenz. Galenica sieht sich in einem stabilen, attraktiven und widerstandsfähigen Markt.

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