Anleger zahlen Zeche der italienischen Bankenrettung

ROM. Die staatliche Rettung von vier italienischen Banken führt zu einer hohen Belastung der Aktionäre.

Wolf H. Wagner
Drucken
Teilen

ROM. Die staatliche Rettung von vier italienischen Banken führt zu einer hohen Belastung der Aktionäre. In Abstimmung mit geltendem EU-Recht hatte die Regierung Matteo Renzi vergangenen Montag ein Dekret erlassen, das die Geldhäuser Cassa di Risparmio di Ferrara, Banca Marche, Popolare Etruria und CariChieti vor der Insolvenz retten soll (vgl. Ausgabe vom Dienstag). Ein Rettungsfonds im Umfang von 3,6 Mrd. € sollte eine Rekapitalisierung der Banken ermöglichen. Dieses Geld soll in einem ersten Schritt von drei Grossbanken als Übergangsfinanzierung vorgeschossen werden. Die geretteten Banken sollen sich so mit der Vorsilbe «Nuova» (neu) in «Gute» Banken verwandeln. Die Schulden bleiben an der Bad Bank hängen – und somit an den Aktionären der bisherigen Banken.

Sparer werden nicht belastet

Die Belastung der Aktionäre summiert sich auf 2,2 Mrd. €. «Eine gesalzene Rechnung für Zehntausende Kleininvestoren», schreibt die Wirtschaftszeitung «Il sole 24 ore». Die «alte» Banca Marche hat Aktien in Höhe von 1 Mrd. € im Umlauf, ihr folgen die Etruria mit Aktien für 500 Mio. € sowie die kleineren Sparkassen von Ferrara (400 Mio. €) und Chieti (300 Mio. €). Der Wert all dieser Aktien ist jedoch faktisch gegen Null gefallen. Das Kapital der vier Banken, die bereits seit längerem unter Aufsicht stehen, war von ursprünglich 8,5 Mrd. € auf 1,5 Mrd. € gesunken. Die «neuen» Banken sind von diesem Verlust nicht betroffen. Und die Einlagen der Sparer sind durch den Rettungsfonds und neue Obligationen abgesichert.

Behörde fordert Aufklärung

Die italienische Börsenaufsichtsbehörde Consob forderte im Zusammenhang mit der jüngsten Bankenrettung alle Geldinstitute auf, ihre Kunden über die Risiken einer solchen Rettung aufzuklären. Das geht laut Consob-Geschäftsführer Giuseppe Vegas sowohl Geschäfts- als auch Privatkunden an. Denn ab kommendem 1. Januar gilt nach europäischem Recht, dass bei einer Bankenpleite zunächst die Aktionäre und die übrigen Anleger haften müssen, bevor nationale oder internationale Rettungsschirme greifen können.

Gemäss der EU-Abwicklungsrichtlinie müssen Banken und Wertpapierinstitute, die abgeschrieben oder saniert werden sollen, zunächst 8% ihrer Verbindlichkeiten abschreiben respektive in Eigenkapital umwandeln, was schliesslich den Wert der Aktien belastet. Consob weist darauf hin, dass nach italienischem Recht dann auch bis zu 100% der Wertpapiere in Anspruch genommen werden, Aktionäre also ihre gesamten Anlagen verlieren können.