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ANLEGER: Angst befeuert Gold und Bitcoin

Die Verunsicherung an den Börsen hat in den letzten Wochen klar zugenommen. Neben der Angst vor Nordkorea ist die Angst vor Terror zurück. Vermeintlich sichere Werte haben Zulauf. Wie sicher sind die Fluchtwährungen?
Ernst Meier
Kleine Kugeln aus Gold in einer Raffinerie in Mendrisio. (Bild: Gianluca Colla/Getty Images)

Kleine Kugeln aus Gold in einer Raffinerie in Mendrisio. (Bild: Gianluca Colla/Getty Images)

Ernst Meier

Die Wirtschaft in Asien und den USA läuft gut, das Sorgenkind Europa meldet erfreuliche Zahlen, und die Firmen präsentieren glänzende Resultate. Selbst in dieser robusten Verfassung gibt es Themen, die jeden Anleger sofort zur Zurückhaltung veranlassen: Politik und Terror. Diese Börsenregel bewahrheitet sich derzeit. Nach der Amokfahrt am Donnerstag in Barcelona mit 13 Toten und über 100 Verletzten folgte prompt die Reaktion an den Börsen. In Asien gaben die Märkte augenblicklich nach, der japanische Nikkei-Index ging mit einem Tagesverlust von 1,2 Prozent ins Wochenende.

Auch die wichtigsten europäischen Märkte starteten gestern im Minus, am Abend schloss der spanische Leitindex Ibex 35 bei –0,6 Prozent, auch der deutsche DAX (–0,6 Prozent) und der französische CAC 40 (–1 Prozent) gaben nach. Der Schweizer SMI verlor 1 Prozent.

Trumps Wirtschaftspolitik steht vor dem Aus

Es war nicht der erste Einbruch der Aktienmärkte in den vergangenen Wochen. Das Säbelrasseln zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem nordkoreanischen Gegenpart Kim Jong Un hat bereits zuvor zu Verunsicherungen geführt. Hinzu kommt: Immer stärker wird bezweifelt, dass Trump sein Wirtschaftsprogramm umsetzen kann. Am Donnerstag hat sich der Streit zwischen dem Präsidenten und US-Konzernchefs zugespitzt. Trump feuerte seine externen Wirtschaftsberater und schloss die beiden Gremien Industrierat sowie Strategieforum. Zuvor traten Ratsmitglieder wie Kevin Planck, CEO von Under Armour, Merck-Chef Ken Frazier und Intel-CEO Brian Krzanich freiwillig zurück. Spekuliert wird derzeit, ob Trump auch seinen Wirtschaftsberater Gary Cohn verlieren wird.

Die Vorgänge in Washington drückten auf die Kurse an der Wall Street. Der US-Dollar schwächte sich gegenüber dem Euro und dem Yen ab. Bei der US-Notenbank ist man sich der Gefahr bewusst, die Verantwortlichen signalisierten, dass man in der Zinspolitik behutsam vorgehen werde (siehe Kasten). Kommen die Börsenbullen ausser Atem, so beginnt das Gold zu glänzen. Die in US-Dollar gehandelte Feinunze Gold verteuert sich seit Mitte Juli kontinuierlich. Seit Dienstag legte das Edelmetall 2 Prozent zu, seit Mitte Juni beträgt das Plus rund 5 Prozent, seit Jahresbeginn 12 Prozent.

Das Edelmetall erhielt während der Finanzkrise grossen Zulauf. Aus Angst, das weltweite Finanzsystem könnte kollabieren, wechselten viele Institutionelle und auch Sparer ihr Geld in Gold um. So stieg der Unzenpreis von 670 Dollar (August 2007) bis auf das Rekordhoch von 1920 Dollar (August 2011). Danach ging’s wieder nach unten, das Vertrauen der Anleger in die Märkte kehrte zurück, und damit floss das Geld auch wieder in die Aktienmärkte, befeuert durch die historisch tiefen Zinsen. Gold fand erst im vergangenen Dezember bei 1060 Dollar wieder Boden.

Steigt der Goldpreis weiter? «Nein, wir sehen beim Gold keinen nachhaltigen Aufwärtstrend», sagt Roland Kläger, Anlagechef von Raiffeisen Schweiz. Der aktuelle Anstieg sei eine normale Reaktion, aber noch keine Kehrtwende der Anleger. «Die Investoren parkieren etwas mehr Geld im Gold, die Aussichten für Aktien bleiben aber aufgrund der tiefen Zinsen, der niedrigen Inflation und des Wirtschaftswachstums gut», erklärt Roland Kläger. Bei Raiffeisen sieht man Gold bei einem Unzenpreis von 1300 Dollar anstehen. Diese Marke wurde gestern kurzzeitig überschritten.

Auch die noch junge Anlageklasse Bitcoin erhielt in den letzten Tagen nochmals Zulauf. Die virtuelle Währung erreichte gestern ein neues Allzeithoch von 4479 Dollar pro Bitcoin. Glaubt man der Internetgemeinde, sind es Investoren aus China und Venezuela, die Bitcoin hochtreiben. Bitcoin wird weder von einer Notenbank geschaffen, noch kann das digitale Geld beliebig vermehrt werden. Um die beschränkte Anzahl Bitcoins bieten immer mehr Marktteilnehmer. In Bitcoins, die mittels Smartphone-App und ohne den Besitz eines herkömmlichen Bankkontos grenzüberschreitend gehandelt werden können, sehen manche Venezolaner die Möglichkeit, ihr Geld zu retten. Im südamerikanischen Land herrscht Hyperinflation. «Bitcoin ist ein Spekulationsobjekt», ist Roland Kläger überzeugt. «Wir empfehlen niemandem, da einzusteigen.» Die Wertvermehrung sei zu schnell erfolgt und die Volatilität zu gross. «Eine Währung, die sich so schnell im Preis verdoppelt, kann sich auch rasant wieder halbieren», sagt Roland Kläger. Die sicheren Häfen bleiben reale Währungen wie der Schweizer Franken, der Yen und auch der Dollar.

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