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Raiffeisen rechnet mit höheren Gewinnen für Unternehmen – doch die Konjunktur hat ihren Zenit schon erreicht

Die Normalisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens schreitet voran. Durch eine expansive Geldpolitik und unter anderem weitere Öffnungsschritte wird die globale Wirtschaft die Coronadelle bis zum Jahresende ausgeglichen haben. Das prognostiziert Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer (CIO) von Raiffeisen Schweiz. Sorgen bereiten Lieferengpässe und hohe Rohstoffpreise.

Stefan Borkert
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Weil Hafenarbeiter sich mit Corona infizierten, kommt es zu einem Containerstau im Hafen von Shenzhen Yantian. Das führt zu weltweiten Lieferengpässen.

Weil Hafenarbeiter sich mit Corona infizierten, kommt es zu einem Containerstau im Hafen von Shenzhen Yantian. Das führt zu weltweiten Lieferengpässen.

Xie Feng/Vcg /Getty Images

Raiffeisen rechnet laut Matthias Geissbühler für 2021 mit einem globalen BIP-Wachstum von 5,5 Prozent. Davon profitierten auch die Firmen. An einer Medienkonferenz sagte der Raiffeisen-CIO:

Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer (CIO), Raiffeisen Schweiz.

Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer (CIO),
Raiffeisen Schweiz.

PD
«Die Unternehmensgewinne dürften, global betrachtet, gegenüber dem Vorjahr um über einen Drittel zulegen. Die Aktienmärkte reflektieren diese positiven Aussichten weitgehend. Sie sind im ersten Halbjahr auf neue Höchststände geklettert.»

Das starke Momentum in Bezug auf die konjunkturelle Entwicklung werde sich in den kommenden Monaten schrittweise abschwächen.

«In puncto Dynamik beim Konjunktur- und Gewinnwachstum dürften wir den Zenit erreicht haben. Zudem zeichnet sich eine Trendwende bei der ultraexpansiven Geldpolitik ab»,

sagt Geissbühler weiter. Die starke Konjunkturerholung habe aber auch eine Kehrseite. Lieferengpässe, deutlich gestiegene Transportkosten sowie explodierende Rohstoffpreise würden zu einem Teuerungsschub führen. Geissbühler bemerkt weiter, dass auch wenn ein Teil davon auf Basiseffekten beruhe, die sich ab 2022 wieder abschwächen werden, sei davon auszugehen, dass die Inflationsraten in diesem Jahr über den Zielgrössen der Notenbanken zu liegen kommen. Das setze die Währungshüter unter Druck, ihre extrem expansive Geldpolitik zurückzufahren.

Fed wird Anleihekäufe reduzieren – EZB wird folgen

Raiffeisen geht davon aus, dass die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe ab dem kommenden Jahr schrittweise reduzieren wird, die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in der zweiten Jahreshälfte 2022 folgen. Geissbühler sagt:

«Die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik wird kaum spurlos an den Finanzmärkten vorbeigehen. In der Vergangenheit hat ein Kurswechsel der Notenbanken stets für erhöhte Volatilität und Kursrücksetzer an den Börsen gesorgt.»

Für die Aktienmärkte wird die Luft für weitere Avancen zunehmend dünner, da ein Grossteil der Erholung mittlerweile in den Kursen eingepreist ist. Die Gewinnmargen hätten sich stark erholt, was den Spielraum für weitere Gewinnsteigerungen in den kommenden Jahren limitiere. Nach der Aufholjagd der zyklischen Substanzwerte, empfehle Raiffeisen Schweiz im Hinblick auf das zweite Halbjahr, den Fokus auf Qualitätsaktien zu legen, und bevorzugt Unternehmen mit soliden Bilanzen und einer starken Marktstellung, so Geissbühler. Dazu gehörten Firmen, die steigende Inputkosten via Preiserhöhungen an die Endkunden weitergeben und so ihre Gewinnmargen verteidigen können. Aufgrund dieses Fokus werde aktuell der Schweizer Aktienmarkt gegenüber den übrigen Regionen favorisiert. Wenig Potenzial sieht Geissbühler bei Anleihen:

«Auf der Obligationenseite bleiben wir unverändert vorsichtig positioniert, da sich die Zinsen moderat nach oben bewegen dürften. Die Renditeaussichten fallen entsprechend mager aus.»
Gold ist eine sichere Anlage und wird von Raiffeisen Schweiz empfohlen.

Gold ist eine sichere Anlage und wird von Raiffeisen Schweiz empfohlen.

Martin Ruetschi / KEYSTONE

Im Gegenzug empfiehlt Raiffeisen Schweiz weiterhin eine taktische Übergewichtung bei Schweizer Immobilienfonds. Der hiesige Immobilienmarkt zeige sich äusserst robust und die Ausschüttungsrenditen seien im Vergleich zu den Kapitalmarktzinsen weiterhin attraktiv. Aus Diversifikationsgründen empfehle Raiffeisen Schweiz zudem ein Übergewicht in Gold. Generell sollten sich aber Anlegerinnen und Anleger im zweiten Halbjahr auf höhere Schwankungen und insgesamt tiefere Renditen einstellen.

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