Anklage gegen Staatsbanker

Die US-Justiz klagt zwei aktuelle und einen Ex-Mitarbeiter der Zürcher Kantonalbank wegen Steuerbetrugs an. Sie sollen Amerikanern geholfen haben, 420 Millionen Dollar zu verstecken.

John Dyer
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Die Zürcher Kantonalbank hat viele US-Kunden von der UBS her kommend aufgenommen. Nun sind drei ZKB-Mitarbeiter angeklagt. (Bild: ky/Walter Bieri)

Die Zürcher Kantonalbank hat viele US-Kunden von der UBS her kommend aufgenommen. Nun sind drei ZKB-Mitarbeiter angeklagt. (Bild: ky/Walter Bieri)

BOSTON. Die USA greifen wegen des Verdachts auf Steuerbetrug durch. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bestätigte gestern, dass zwei aktuelle und ein ehemaliger Mitarbeiter in den USA angeklagt wurden. Ihnen wird vorgeworfen, mindestens 180 reichen US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Das Volumen auf nichtdeklarierten Schweizer Konten beträgt 420 Mio. $.

Bezirksstaatsanwalt Preet Bharara reichte vor dem Bundesgericht in Manhattan Klage gegen das Trio ein. Alle drei Banker leben in der Schweiz und sind bisher nicht verhaftet worden. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen fünf Jahre Gefängnis, drei weitere Jahre, in denen sie Auflagen zu erfüllen haben, und eine Geldstrafe in Höhe von 250 000 $.

Einer der drei, der auch die US-Staatsbürgerschaft hat, soll angeblich kürzlich bei der ZKB ausgeschieden sein und nun bei Swiss American Advisors in Zürich arbeiten, die Amerikaner in Vermögensfragen berät. Direktor Markus Grieb sagte zur Agentur Bloomberg, der frühere ZKB-Banker könne die Anschuldigungen nicht kommentieren. Die ZKB gab an, mit den US-Behörden zu kooperieren. Zudem wolle die Bank ihr US-Geschäft aufgeben.

Ausgeklügeltes System

Die drei Banker sollen laut Bhararas Anklageschrift geheime Konten für US-Kunden unter der Verwendung von Tarnnamen angelegt haben. Mit den Kunden gab es Treffen in Hotels in New York und New Jersey. Die Kunden gaben den drei Beschuldigten begrenzte Vollmachten, mit denen sich diese um die Bankgeschäfte in der Schweiz kümmerten. Die Amerikaner erhielten aus der Schweiz Checks, die von einer Bank in Manhattan akzeptiert wurden. Die Summen waren oft niedriger als 10 000 $, um Untersuchungen zu vermeiden. Laut US-Recht müssen alle Amerikaner Auslandkonten deklarieren, auf denen über 10 000 $ liegen.

Viele Amerikaner haben laut der Anklage ihre Konten von der UBS zur ZKB transferiert, als die UBS im Steuerstreit immer stärker in die Mühlen der US-Justiz geriet. In der Schrift heisst es weiter, die Kunden hätten bei einem Besuch in der Schweiz ihre UBS-Konten aufgelöst und das Geld zur erstbesten Bank getragen. Dies sei die ZKB gewesen. Laut der Anklage haben ZKB-Mitarbeiter diesen Kunden erklärt, ein Konto bei der ZKB sei sicher, weil diese im Gegensatz zur UBS keine Büros in den USA habe.

Auch Wegelin öffnete die Tür

Nachdem die UBS via die Schweizer Behörden 4500 Daten von US-Bankkunden an die US-Justiz übermittelt und die Affäre mit einer Vergleichszahlung von 780 Mio. $ ad acta gelegt hatte, leiteten die US-Behörden weitere Ermittlungen ein. Im Visier sind 13 Banken, darunter Credit Suisse, Julius Bär, die Zürcher und die Basler Kantonalbank sowie Wegelin & Co. Die St. Galler Privatbank hat in Reaktion der Anklage gegen drei ihrer Mitarbeiter Anfang Jahr ihr Nicht-US-Geschäft an Raiffeisen Schweiz verkauft. Diese hat das Geschäft in die neue Bank Notenstein eingebracht.

Wegelin unter ihrem geschäftsführenden Teilhaber Konrad Hummler existiert nur noch, um die Rechtsstreitigkeiten mit den USA zu Ende zu führen. Im März 2011 hatte Wegelin-Geschäftsleitungsmitglied David Zollinger im Interview (Ausgabe vom 9.3.2011) freimütig erklärt, im Sommer 2008, als die UBS gewaltig unter Druck kam und ihre US-Kunden vor die Tür setzte, seien diese Kunden «massenhaft von Banktür zu Banktür gegangen. Auch zu uns sind sie gekommen, vor allem in unsere Zürcher Niederlassung».

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