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Die Angst vor Zöllen stärkt US-Exporte

Präsident Donald Trump brüstet sich mit äusserst positiven Wirtschaftszahlen – und sagt, das starke Wachstum sei Beweis dafür, dass seine Politik funktioniere. Analysten sind skeptisch.
Renzo Ruf, Washington
Experten rechnet damit, dass der Handelsstreit zwischen der USA und China vor allem US-Farmer treffen wird. (Bild: Diego Giudice)

Experten rechnet damit, dass der Handelsstreit zwischen der USA und China vor allem US-Farmer treffen wird. (Bild: Diego Giudice)

Die amerikanische Wirtschaft boomt. Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandprodukt der grössten Volkswirtschaft im Vergleich zum ersten Quartal um saisonbereinigte 4,1 Prozent, wie das Handelsminister am Freitag bekannt gab. Und obwohl es sich dabei um die grösste Wachstumsrate seit 2014 handelt, reagierten Analysten etwas enttäuscht auf die Zahl – hatte Präsident Donald Trump doch am Donnerstag Spekulationen genährt, wonach die Wirtschaft (aufs ganze Jahr hochgerechnet) um bis zu 5,3 Prozent zulegen könnte. Trump allerdings sprach im Weissen Haus von einem Wachstum von «historischer Dimension» und davon, dass die gesamte Welt die USA um ihre starke Volkswirtschaft beneide.

So oder so ist die Veröffentlichung des Handelsministeriums mit Vorsicht zu geniessen. Denn erstens handelt es sich dabei nur um eine erste Schätzung – die im Verlauf der nächsten zwei Monate noch mindestens zwei Mal, mit Hilfe neuer Daten, angepasst wird. Ein Blick auf historische Statistiken zeigt, dass diese Anpassungen recht substanziell ausfallen können. So ging das Handelsministerium zuerst davon aus, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2018 um 2,3 Prozent gewachsen sei. Dann wurde diese Zahl, schrittweise, auf 2,0 Prozent korrigiert. Nach einer erneuten Revision gaben die Statistiker des Commerce Department am Freitag nun aber bekannt, das Wachstum habe 2,2 Prozent betragen. (Zum Vergleich: Die Schweizer Wirtschaft wuchs im gleichen Zeitraum um 0,6 Prozent.) Diese Anpassungen mögen unspektakulär klingen. Wenn man sich aber vergegenwärtigt, dass sich das Bruttoinlandprodukt der USA auf 20400 Milliarden Dollar pro Jahr beläuft, dann fallen auch Korrekturen um 0,1 Prozentpunkte ins Gewicht.

«Von nun an werden Indikatoren abwärts zeigen»

Noch wichtiger aber ist, dass die Handelspolitik des Präsidenten sich stark auf die Wirtschaftslage im zweiten Quartal auswirkte. So trugen Exporte rund einen Viertel zur Wachstumsrate bei – auch weil sich ausländische Handelspartner mit Rohwaren und Landwirtschaftsprodukten aus Amerika eindeckten, bevor im Juli die erste Tranche der Strafzölle in Kraft traten. Die Exporte wuchsen um mehr als 9 Prozent. Dies führte dazu, dass das Handelsdefizit im gesamten Quartal um 50 Milliarden Dollar sank, wie Trump am Freitag bekanntgab.

Natürlich sind dies gute Nachrichten. Ökonomen sind aber der Meinung, dass sich dieser Erfolg im laufenden Quartal (Juli bis September) nicht wiederholen lässt – und zwar nicht nur, weil der Zwist zwischen den USA und Handelspartnern wie China zu einem markanten Rückgang der Exporte von Landwirtschaftsprodukten führen wird. Auch ist mit einem Rückgang der Investitionen privater Arbeitgebern und der Konsumaufgaben normalsterblicher Amerikaner zu rechnen. Denn diese jeweiligen Ausgaben wuchsen, weil die beiden Gruppen von der Steuerreform profitieren, die zu Beginn des Jahres in Kraft trat. Der Ökonom Lakshman Achuthan, der für Economic Cycle Research Institute arbeitet, sagte am Freitag: «Präsident Trump sollte sich über diese Nummer freuen», denn von nun an würden die Indikatoren abwärts zeigen. Optimistischer zeigte sich Stephen Moore, der im Wahlkampf 2016 als ökonomischer Berater Trumps gedient hatte. Der Boom sei «nachhaltig», sagte der Ökonom dem Nachrichtensender – insbesondere dann, wenn der Verständigungsfrieden, den Trump diese Woche im Handelskrieg mit der Europäischen Union abgeschlossen habe, sich als tragfähig erweise.

Der Präsident ist ganz offensichtlich dieser Meinung. Am Freitag sprach er im Weissen Haus bereits davon, dass die Wirtschaft im dritten Quartal noch stärker wachsen werde. Ob diese gewagte Prognose zutrifft, wird sich am 26. Oktober erweisen. Dann wird das Handelsministerium eine erste Schätzung über die Konjunktur im dritten Quartal veröffentlichen – zehn Tage vor der nationalen Parlamentswahl notabene, in der die republikanische Mehrheit im Parlament in Washington auf dem Spiel steht.

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