Angst vor neuer Blase

Die Preise auf dem US-Immobilienmarkt sind zwischen April 2012 und April 2013 so stark gestiegen wie zuletzt vor der Finanzkrise. Das löst Besorgnis aus.

John Dyer
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In San Francisco steigen nicht nur Strassen an. Auch Häuserpreise. (Bild: fotolia)

In San Francisco steigen nicht nur Strassen an. Auch Häuserpreise. (Bild: fotolia)

BOSTON. US-Experten befürchten eine neue Immobilienblase. Dabei schien es so, als sei die bisher letzte Blase, die vor fünf Jahren die Finanz- und Wirtschaftskrise ausgelöst hatte, gerade überwunden. Am Dienstag gab das Wirtschaftsministerium bekannt, dass die Preise für neue Wohnhäuser im Mai um 2,1% gestiegen sind. Das ist das höchste Plus seit Juli 2008 unmittelbar vor dem Crash der Wall Street. Gleichzeitig ermittelte der Case-Shiller-Index von Standard & Poor's (S&P), dass die Preise von älteren Häusern in 20 der grössten US-Ballungsräumen im April um 2,5% gestiegen sind. Innert Jahresfrist sind es +12,1%.

«Es dauert noch eine Weile»

Der Index ist nun zum vierten Mal in Folge gestiegen. Das sei ein Zeichen für den Wachstumskurs der US-Wirtschaft, sagt David M. Blitzer, bei S&P zuständig für den Index. Im 1. Quartal dieses Jahres expandierte die US-Wirtschaft auf Jahresbasis um 1,8%. «Die Erholung ist schon weit fortgeschritten», sagt Blitzer»: Jüngste Daten über Hausverkäufe und noch existierende Bestände bestätigen, wie gut sich der Markt erholt hat.»

2008 scheiterten Hausbesitzer an riskanten Darlehen, die während der fetten Jahre zuvor abgeschlossen wurden. Dadurch wurde deutlich, wie gefährlich es war, Milliarden von Dollar mit hypothekarisch gesicherten Wertpapieren zu verbinden. «Es muss erwähnt werden, dass die Preise für Eigenheime auch heute noch 26 Prozent unter jenen von vor der Krise liegen», sagt Analyst Gennadiy Goldberg von TD Securities: «Es dauert wohl noch eine Weile, bis das Niveau wieder erreicht ist.»

Ungesund in San Francisco

Doch die Preisanstiege gerade in den Märkten, die am schwersten vom Platzen der Blase getroffen wurden, erreichen laut Experten ein nicht nachhaltiges Ausmass. Im April stiegen die Preise für bereits existierende Häuser in Atlanta, Los Angeles, Phoenix und San Francisco um 3,45% und innert Jahresfrist um 21,25%. In San Francisco waren es 4,9% im April und 23,9% im Jahresvergleich.

In Kalifornien, wo der Markt für Eigenheime als Motor für die gesamte Wirtschaft fungiert, seien Preisanstiege wie in San Francisco ungesund, sagt Dean Baker, Direktor des Center for Economic and Policy Research in Washington. Solange Beschäftigung und Einkommen nicht steigen, könnten sich die Menschen Preise nicht leisten, die jenen von vor der Krise ähneln. «Wenn diese Entwicklung noch fünf oder sechs Monate anhält, dann haben wir mehrere gefährliche Blasen.»

Zinsen steigen bereits

S&P-Direktor Blitzer dagegen glaubt nicht an eine Blase, da die Banken nicht mehr so leichtfertig Darlehen vergäben wie früher. «Entscheidend für die Entwicklung des Immobilienmarktes der letzten Jahre war die Qualität der Darlehen, nicht die Höhe der Hypothekenzinsen.» Spekulationen über steigende Zinsen haben indessen bereits Debatten angefacht, ob sich potenzielle Hauskäufer nun zurückhalten könnten. Notenbankchef Ben Bernankes Ankündigung höherer Zinsen in der Zukunft hat bereits zu einem Zinsanstieg geführt. Folge ist laut der Immobilienfirma Realtor.com ein Rückgang der Hypothekenanträge im Juni um 15%.