Rohstoffe
Angst treibt Ölpreise in die Höhe

Die Sorge vor Produktionsausfällen in Libyen hat die Ölpreise am Dienstag erneut kräftig in die Höhe getrieben. Für die Schweiz bestehe kein Grund zur Sorge, sagt Philippe Cordonier von der Erdölvereinigung.

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Die Tamoil-Raffinerie in Collombay

Die Tamoil-Raffinerie in Collombay

Keystone

Das OPEC-Mitglied Libyen produziert heute täglich rund 1,6 Millionen Fass Rohöl. Libyen ist damit einer der grössten Erdölproduzenten der Welt. Kein Wunder also, dass die Wirren im Land nun die Ölpreise in die Höhe jagen.

Für die Schweiz hätte ein allfälliger Lieferstopp aus Libyen kaum grosse Folgen. Gut 10 Prozent des Rohöls, das in die beiden Schweizer Raffinerien fliesst, stammt heute noch aus Libyen. «Wir sind nicht von Libyen abhängig», sagt Philippe Cordonier, Leiter Brennstoffe bei der Erdölvereinigung (EVUP) zu «az».

Nur 40 Prozent ist Rohöl

Dabei muss man wissen, dass Rohlöl nur 40 Prozent des Schweizer Erdölverbrauchs ausmacht. 60 Prozent der Importe sind Fertigprodukte. Cordonier gibt aber auch zu bedenken, dass am Markt noch libysches Öl da ist.

Bis 2008, dem Ausbruch der Libyenkrise, war die Schweiz viel stärker von libyschen Rohöl abhängig. Damals stammten noch 30 Prozent aus dem Gaddafi-Reich. Danach hat die Schweiz bei den Lieferanten diversifiziert. Kasachstan liefert heute 10 Prozent, Aserbeidschan 7 Prozent. Aus den nordafrikanischen Staaten kommen dagegen nur noch bescheidene Mengen. Ägypten liefert 1 Prozent, Algerien 3 und Nigeria 4.

Flexible Schweiz

Die Schweiz sei heute sehr flexibel, sagt Cordonier. Beim Preis aber ist die Schweiz vom Weltmarkt abhängig. Und hier steigen die Preise. Die Angst um eine Libyen-Krise jagt sie in die Höhe.

Heute früh kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent, das im April geliefert wird, bereits 107,60 US-Dollar. Das waren 1,86 Dollar mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) legte ebenfalls deutlich auf 93,48 Dollar zu. Mit 94,49 Dollar war der US-Ölpreis zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Oktober 2008 gestiegen. (rsn)