ANGEBOT: Zur Rose lockt Saudi

Die saudische Königsfamilie hat eine attraktive Blume im Thurgau entdeckt. Über ihre Matterhorn Pharma Holding will sie bei der Zur Rose Group einsteigen.

Stefan Borkert
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Der Wert der Aktie der Versandapotheke Zur Rose hat sich in diesem Jahr fast verdreifacht. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Frauenfeld, 17. November 2016))

Der Wert der Aktie der Versandapotheke Zur Rose hat sich in diesem Jahr fast verdreifacht. (Bild: Gaëtan Bally/KEY (Frauenfeld, 17. November 2016))

Stefan Borkert

Die Al Faisaliah Group hat der Zur Rose Group in Frauenfeld ein Kaufangebot für eine Minderheitsbeteiligung von 2,4% bis maximal 10% des Aktienkapitals unterbreitet.

Die Al Faisaliah Group hält Beteiligungen in der Elektronik-, Agrikultur-, Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gesundheitssektor und den Dienstleistungen in diesem Bereich. Ausserdem ist sie strategischer Partner von Konzernen wie Philips, Danone, Sony und Accenture. Das Unternehmen ist 1970 von Abdullah Al Faisal, dem ältesten Sohn des saudischen Königs Faisal, gegründet worden und seither im Besitz der Familie. Das Angebot erfolgte über die Tochter Matterhorn Pharma Holding mit Sitz auf den Cayman Islands. Für Walter Oberhänsli, Chef der Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose, kommt das Angebot nicht ganz überraschend: «Wir stellen generell fest, dass Zur Rose aufgrund der seit einigen Monaten anhaltend positiven Aktienkursentwicklung in Anlegerkreisen verstärkt wahrgenommen wird.»

Zudem ist der Verwaltungsratspräsident der Zur Rose Group, Stefan Feuerstein, seit Jahren im Verwaltungsrat der Elektronikdivision der Al Faisa­liah Group aktiv. Oberhänsli sagt: «So entstand der Kontakt.» Der Zur-Rose-Chef sieht das Angebot auch als Bestätigung, «dass mit unserem Geschäftsmodell und den angestossenen Wachstumsinitiativen das Potenzial für nachhaltiges Wachstum erkannt wird».

Starke Verankerung in der Ärzteschaft

Der Verwaltungsrat der Zur Rose Group entschied unterdessen, keine Empfehlung an die Aktionäre abzugeben. Bislang sind keine grösseren Aktionäre bekannt, die ihre Anteile verkaufen wollen. Oberhänsli schätzt, dass das auch so bleiben wird: «Wir weisen seit Jahren eine starke Verankerung in der Ärzteschaft auf, die sich darin spiegelt, dass Ärzte den grössten Aktienanteil auf sich vereinigen.» Im Übrigen zeigt er sich sicher, dass die saudische Königsfamilie im Hintergrund bleiben würde. «Die Familie sucht eine Minderheitsbeteiligung und keine aktive Rolle, die über jene eines Aktionärs ­hinausgeht.» Eine Einsitznahme im Verwaltungsrat sei nicht vorgesehen, wenn 10% als Beteiligung angedient würden.

Die Zur Rose Group hat mit der Corisol Holding AG aus Zug im Sommer einen strategischen Ankeraktionär an Bord geholt. Corisol engagiert sich mit insgesamt bis zu 44 Mio. Fr. bei der Zur Rose, so dass diese wachsen kann. Die Versandapotheke wiederum hat in Bern eine erste stationäre Apotheke eröffnet. 2017 soll die erste Zur-Rose-Apotheke in einem Migros-Geschäft den Betrieb aufnehmen.