An Schweizer Flughäfen läuft fast nichts – doch dank neuen Quarantäneregeln prüft erste Airline bereits einen Ausbau

Der Flugverkehr ist in den letzten Tagen praktisch zum Erliegen gekommen. Ausgerechnet die schlechte Coronasituation in der Schweiz könnte der Branche nun aber Aufschwung geben.

Stefan Ehrbar
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Der Blick auf die Anzeigetafeln an Flughäfen verleitete vor der Krise zum Träumen. Mittlerweile gibt ihr Anblick bestenfalls einen Sekundenschlaf her. Die Airlines haben ihr Angebot zuletzt deutlich reduziert. In Basel starteten gestern gemäss Flughafen-Website noch 18 Passagierflüge. Der Flughafen Zürich listete 71 Flüge auf, jener in Genf 34. Zum Vergleich: Am schwächsten Montag im Februar verzeichnete Zürich 242 Abflüge.

Trotzdem flammt nun Hoffnung auf. Paradoxerweise geht das auf die schlechte Corona-Situation in der Schweiz zurück. Der Bund entschied letzte Woche, dass der Gang in die Quarantäne nur noch bei der Rückkehr aus Ländern nötig ist, die bei den Fallzahlen pro 100'000 Einwohner in den letzten 14 Tagen einen um 60 höheren Wert haben als die Schweiz. Das sind derzeit Andorra, Armenien, Belgien und Tschechien und die Regionen Hauts-de-France, die Grossregion Paris sowie Französisch-Polynesien.

Edelweiss prüft Ausbau

Gleichzeitig gibt es viele Länder, die auch von Schweizern ohne Quarantäne bereist werden können. Dazu gehören beliebte Feriendestinationen wie die Malediven oder Seychellen, aber auch Destinationen mit einem hohen Anteil an hier lebenden Menschen wie Serbien oder Kosovo. Die Lockerung der Regeln zeigt sich denn auch bereits in den Buchungszahlen.

Hierhin können Schweizer reisen

Keine Quarantäne in Traumdestinationen

 Praktisch jeder Staat hat eigenen Regeln für die Einreise aufgestellt. Das zeigt eine Auflistung des Portal «Travelnews». Neben Ländern wie Thailand, die für Touristen geschlossen sind, erlauben einige nur die Einreise aus Ländern mit tieferen Zahlen. Schweizer Touristen bleiben dort aussen vor. Dazu gehören etwa Dänemark oder Finnland. In anderen Ländern wie Norwegen gilt für Schweizer eine Quarantänepflicht. Mit einem aktuellen negativen Testergebnis können Schweizer hingegen etwa nach Ägypten oder Südafrika reisen. Eine Anmeldung und je nach Beurteilung ein Corona-Test ist für Reisen nach Kroatien oder Griechenland nötig. Weder eine Quarantäne noch einen Test sehen dagegen Serbien oder Kosovo vor. 

Ein Sprecher der Airline Edelweiss sagt, der Wegfall der Quarantäne habe in den letzten Tagen zu einer «deutlich grösseren Nachfrage» geführt. «Neben der Dominikanischen Republik, Cancún in Mexiko und den Seychellen profitieren insbesondere die Malediven, Kapstadt in Südafrika und die Kanarischen Inseln von diesem Trend.» Edelweiss prüfe, das Angebot weiter auszubauen. «Im Fokus stehen Costa Rica, der Oman sowie mehr Flüge in die Dominikanische Republik und auf die Kanarischen Inseln», so der Sprecher. «Sobald die Einreiserestriktionen auf Mauritius, Kuba, Sri Lanka und Thailand gelockert werden, fliegen wir auch diese Ferienziele wieder an.»

Easyjet fliegt häufiger nach Pristina

Die grosse Schwester Swiss verzeichnet laut einer Sprecherin auf gewissen Routen eine «leicht erhöhte Nachfrage». Das betreffe Städte in Spanien wie Barcelona, Palma de Mallorca, Málaga und Valencia, die portugiesischen Städte Lissabon und Porto, Destinationen im Norden wie Stockholm und Göteborg sowie Städte im Osten, etwa Moskau, Belgrad, Bukarest und Kiew. Insgesamt habe sich das Buchungsverhalten aber nur marginal verändert, weil in vielen Staaten in Europa nach wie vor verschiedene Reiserestriktionen in Kraft sind oder sie sich in einem Lockdown befinden.

Ähnlich tönt es bei der Airline Helvetic. Sie begrüsse den Entscheid des Bundes zur angepassten Risikoliste, sagt ein Sprecher. «Es ist aber noch viel zu früh, um einen direkten Einfluss auf das Buchungsverhalten zu quantifizieren.» Die aktuell starke Zunahme von Corona-Fällen in Europa halte noch viele Menschen von einer Buchung ab. Die Airline Easyjet wiederum teilt mit, sie plane bis Ende Dezember nach wie vor, mit etwa 25 Prozent der Kapazität zu fliegen. Sollte die Nachfrage steigen, werde man die Kapazität schnell hochfahren. So biete Easyjet beispielsweise ab Basel und Genf derzeit mehr Flüge nach Pristina an.

«Es lohnt sich, kurzfristig zu buchen»

Beim Reiseveranstalter Hotelplan heisst es, seit der Anpassung der Liste seien vereinzelt neue Buchungen eingetroffen. «Auch einige Kunden, die bereits gebucht haben, werden ihre Reise nun doch antreten», sagt eine Sprecherin. Die grösste Nachfrage verzeichne Hotelplan für die Malediven, die Kanarischen Inseln oder Costa Rica. Verglichen mit dem Vorjahr seien die Buchungen weiter auf tiefem Niveau. «Es freut uns, dass unsere Kunden wieder unbeschwerter in die Ferien können», sagt die Sprecherin. Entscheidend sei aber auch, wie die Einreisebestimmungen in den verschiedenen Ländern seien und ob es Flüge gebe.

Die Firma DER Touristik mit Marken wie Kuoni wagt keine Prognose zum Einfluss der neuen Regeln. Grundsätzlich sei bis jetzt noch Zurückhaltung zu spüren. Die Nachfrage nach Ferien in der Schweiz dürfte laut einer Sprecherin «überdurchschnittlich hoch» bleiben. Aktuell empfehle der Anbieter neben Reisen in die Schweiz auch Ägypten, Mexiko, die Dominikanische Republik, Sansibar, die Kanarischen Inseln und die Seychellen. Bei Globetrotter heisst es, Destinationen wie Costa Rica, Südafrika oder Tansania seien derzeit besonders beliebt. Einreisebestimmungen könnten sich aber schnell wieder ändern. «Es lohnt sich, weiterhin kurzfristig zu buchen und flexibel zu sein», sagt eine Sprecherin.