«An den Zielen nie gerüttelt»

Peter Hasler hat im Januar den unglücklich agierenden Claude Béglé als Präsidenten der Post abgelöst. Hasler über neue Kommunikationsstrategien und die Herausforderung in Randregionen.

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Peter Hasler sieht die Post auf Kurs – trotz der Diskussionen am Jahresbeginn um die künftige Ausrichtung. (Bild: ky/Peter Schneider)

Peter Hasler sieht die Post auf Kurs – trotz der Diskussionen am Jahresbeginn um die künftige Ausrichtung. (Bild: ky/Peter Schneider)

Herr Hasler, Sie sind jetzt zwei Monate Verwaltungsratspräsident der Post. Was für ein Unternehmen haben Sie nach der Ablösung von Claude Béglé angetroffen?

Peter Hasler: Ich habe ein sehr gut aufgestelltes Unternehmen angetroffen mit einer klar formulierten Strategie. Ich hatte gewisse Unsicherheiten bezüglich Strategie erwartet, musste aber feststellen, dass nur teils etwas missverständliche oder gar widersprüchliche Signale nach aussen für Unsicherheit gesorgt hatten.

An der bis 2012 festgelegten Unternehmensstrategie, die auf den bundesrätlichen Zielen für die Post basiert, wurde nicht gerüttelt. Bildlich gesprochen: Das Schiff Post war voll auf Kurs, als Kapitän und Erster Offizier auf der Kommandobrücke miteinander diskutierten, ob das Schiff lieber etwas links oder rechts fahren sollte. Solches lässt sich besser in der Kajüte des Kapitäns besprechen als in der Öffentlichkeit. Heute machen wir das so.

Die Post ist ein riesiger Mischkonzern, der national und international tätig ist. Was für Herausforderungen stellen sich für die Post in Randgebieten?

Hasler: Die Randgebiete sind eine besondere Herausforderung, weil die gleichen Dienstleistungen wie in Agglomerationen zum gleichen Preis offeriert werden müssen. Dabei sind die anfallenden Kosten ungleich höher. Je grösser die Transportwege, je weiter weg vom Zentrum, desto teurer.

Der Gesetzgeber verlangt nun aber im Rahmen des Service public, und das zu Recht, dass ein Brief überall gleich viel kosten muss. Das bedeutet für uns, dass wir eine Mischrechnung machen müssen.

…was ja nichts Aussergewöhnliches ist.

Hasler: Richtig, das ist an sich etwas ganz Normales – wenn keine übertriebenen Bedingungen gestellt werden. Es sollte uns freigestellt sein, in welcher Form wir unsere Dienstleistungen anbieten.

Selbstverständlich wollen wir ein flächendeckendes Netz an Zugangspunkten auch in Zukunft bieten und dies für unsere Kunden noch attraktiver gestalten. Nicht jede Struktur, die mal gut war und Sinn gemacht hat, lässt sich in die Zukunft übertragen. Es ändern sich ja auch die Kundenbedürfnisse. Unserer Meinung nach erfüllt beispielsweise der Hausservice ein solches Bedürfnis, gerade in Randregionen: Wenn man dem Pöstler signalisieren kann, dass man ihm morgen ein Paket mitgegeben oder eine Einzahlung ausführen lassen möchte.

Das ist doch einiges bequemer, als wenn man sich dafür auf eine Poststelle bemühen muss.

Für die Randregionen bietet die Post also gute Alternativen an?

Hasler: Genau. Die Post bietet in Zürich gewisse Dienstleistungen nicht mehr in gleicher Form an wie in einer Bergregion. Aber beide sollen von gleicher Qualität der Dienstleistungen profitieren.

Lässt sich dieser Gedanke auch auf den Bereich Postauto übertragen?

Hasler: Es ist in der Tat so, dass die Einnahmen aus Fahrkarten bei den Postautos besonders in den Randregionen die Kosten bei weitem nicht decken. Was auch kein Wunder ist bei wenigen Fahrgästen pro Tag, aber der Auflage, dennoch regelmässig zu fahren. Die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs ist jedoch anders geregelt. Gemeinden, Kanton und Bund müssen sagen, was ihnen der öffentliche Verkehr wert ist. Sie schreiben Strecken aus, und wir offerieren dafür.

Interview: Hans Bärtsch

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