An 28 Banken hängt die Welt

Deutsche Bank, Citigroup, JP Morgan Chase und HSBC – diese vier Institute stellen laut Experten die grösste Gefahr dar für die globale Finanzstabilität.

Ulrich Glauber
Drucken
Teilen

FRANKFURT. 28 Banken sind weltweit systemrelevant. So sieht es der Finanzstabilitätsrat (FSB), der die Institute auch nach ihrer Bedrohung für das Weltfinanzsystem sortiert. Korb 1 für Banken mit den allergrössten Risiken ist zwar leer. In Korb 2 aber finden sich vier Banken – Deutsche Bank, die amerikanischen Geldhäuser Citigroup und JP Morgan Chase sowie die britische HSBC –, und auch ein drohender Zusammenbruch einer dieser Banken würde laut FSB höchste Gefahr für das Weltfinanzsystem bedeuten.

Im Vorjahr schätzte der FSB die Deutsche Bank noch in Korb 3 eine Risikostufe tiefer ein. Die neue Lage in Korb 2 heisst: Der deutsche Branchenprimus muss ab 2016 einen zusätzlichen Eigenkapitalpuffer von 2,5% der risikogewichteten Aktiven (RWA) aufbauen und spätestens ab 2019 mit minimal 9,5% hartem Kernkapital (Aktienkapital plus Reserven) gepolstert sein. Zurzeit hat die Deutsche Bank weniger als 7%.

Schweiz fährt Sonderzüglein

In Korb 3 befinden sich Institute wie die britische Bank Barclays oder die französische BNP Paribas. Reine Investmentbanken wie Goldman Sachs in Korb 4 müssen nur 1,5% mehr Kapital aufbringen. Das gilt auch für UBS und Credit Suisse (CS). Die beiden Schweizer Grossbanken müssen allerdings höhere Kapitalforderungen der Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) gemäss den «Too big to fail»-Vorschriften erfüllen.

Der in Basel angesiedelte FSB unter dem Vorsitz des kanadischen Notenbankchefs Mark Carney erstellt die Liste alljährlich im Auftrag der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20). Basis der Einstufung sind unter anderem Grösse und Vernetzung im Finanzsystem. Danach teilen die Aufseher die Banken in vier Gruppen ein, die unterschiedlich dicke Kapitalpolster benötigen.

«Bis heute keine echte Lösung»

Das soll den Banken die Lust auf zu viel Risikofreude nehmen. Ziel ist es, dass kein Institut für das Finanzsystem so bedeutend ist, dass man es nicht ohne grössere Folgeschäden für die Weltwirtschaft pleite gehen lassen könnte. Trotz allem mahnt aber Andreas Dombret von der deutschen Bundesbank: «Wir haben bis heute keine echte Lösung für Banken, die zu gross sind, als dass der Staat sie einfach fallen lassen könnte.»

Aktuelle Nachrichten