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Kommentar

Amerikas Zinskurve als Sonderfall

«Rezessions-Alarm», «Countdown zur Katastrophe», «scary stuff»: Warum es der Finanzbranche derzeit gruselt – und warum die Krise trotzdem nicht unmittelbar bevorsteht.
Niklaus Vontobel
Niklaus Vontobel

Niklaus Vontobel

Vielleicht stehen wir vor einer Rezession. In Deutschland ist die Wirtschaft in einem Quartal geschrumpft. Die amerikanische Notenbank musste schon mit einer Zinssenkung eingreifen. Für die Schweiz zeigen die Frühindikatoren ebenfalls eine Verlangsamung an. Ausschliessen lässt sich eine Rezession also nicht. Doch ob «inverser Zinskurven» sollte man nicht zum Krisenpropheten mutieren. Die meisten Menschen haben ja ohnehin besseres zu tun, als sich um Zinskurven zu grämen – stehen sie noch so invers oder verkehrt herum. Die Finanzpresse hingegen flippt aus. «Rezessions-Alarm», titelte die «Financial Times». Yahoo Finance fragte bang: «Countdown zur Katastrophe?». Bloomberg beklagte «scary stuff», gruseliges Zeug.

Der Finanzpresse «gruselt» es deshalb, weil nicht mehr gilt: Wer dem Staat für eine längere Zeit Geld ausleiht, erhält mehr Rendite. In normalen Zeit darf der Anleger das erwarten: weil er mehr wagt. Denn die Zinsen könnten in kurzer Zeit steigen, sein Geld ist fest beim Staat angelegt – und die Anleihe verliert an Wert. Darum gibt es für drei Monate wenig Rendite, für zwei Jahre mehr, nochmals mehr für zehn. Diese Regel galt in den letzten 70 Jahren. So liess sich eine Linie ziehen: Durch alle Renditen und über alle Laufzeiten hinweg – die Zinskurve zeigt nach oben. Und niemanden gruselt es.

Doch wehe die Zinskurve zeigt abwärts. Dann spricht die Finanzbranche von einer inversen Zinskurve, also verkehrt stehend. Auf diese Konstellation folgte in den USA stets eine Rezession. Immer in den letzten 70 Jahren. Und aktuell ist es wieder so. Mit zweijährigen Staatsanleihen ist wieder mehr Rendite zu verdienen als mit zehn-jährigen Staatsanleihen. Es ist das erste Mal seit zehn Jahren. Damals war Finanzkrise. Die USA stürzten in eine Periode, die heute als «Grosse Rezession» bezeichnet wird. Heute stünden die USA also kurz vor einer Rezession. In der Finanzpresse läutet der Rezessions-Alarm.

Das Wehklagen drang selbst zum amerikanischen Präsident vor. Donald Trump twitterte wutentbrannt: «CRAZY INVERTIERTE ZINSKURVE!» Denn eine Rezession kann nur «Fake News» sein. Und wenn es wahr sein sollte, trüge «Germany» die Schuld oder Jerome Powell. Den Vorsitzenden der US-Notenbank bezeichnete Trump sogleich als «ahnungslos».

Von den Aktienmärkten sagt man, sie seien hyperaktiv: Sagen sie eine Rezession vorher, trifft es nur in der Hälfte der Fälle zu. Dass die Börse als Indikator nicht taugt, liegt nicht an nervösen Händlern. Sondern daran, dass Rezessionen für den Aktienwert zugleich schlecht und gut sind. Schlecht: Unternehmen machen weniger Gewinn. Gut: Notenbanken senken die Zinsen, weil künftige Gewinne mit tieferen Zinsen diskontiert werden. Vor Rezessionen kann die Börse daher rauf oder runter gehen, weshalb die Finanzpresse ruhig bleibt. Bei inversen Zinskurven flippt sie aus. Denn die Folgen sind eindeutig: Die Notenbanken senken die Zinsen, um der Wirtschaft zu helfen. Also ist erst einmal mit dauerhaft tieferen Zinsen zu rechnen. Und ehe es dazu kommt, sichern die Investoren sich die aktuell höheren Zinsen für zehn Jahre. Also verschieben sie Geld in zehnjährige Staatsanleihen – deren Preise steigen, die Renditen fallen.

Doch die Krise auszurufen, ist verfrüht. Inverse Zinskurven taugen nur in den USA als Indikator für eine Rezession. Nicht aber in der Schweiz, in Deutschland oder in Japan. Die USA sind ein Sonderfall. Das haben Ökonomen der UBS herausgefunden. In einer Kurzanalyse sind sie der Fragen nachgegangen: Wie haben sich Konjunktur und Börse entwickelt, nachdem sich die Zinskurve verkehrte.

Trump könnte gelassen bleiben, wenn er die UBS-Analyse lesen würde. In den letzten 70 Jahren kam es vor, dass die Zinskurve invertierte – und danach fast drei Jahre bis zur Rezession vergingen. Im Schnitt lagen 22 Monate zwischen Rezession und Inversion. Auch die Börse stieg weiter: Der Aktienmarkt legte noch zwei Jahre zu – um 40 Prozent. In der Schweiz wird der Markt für Staatsanleihen zu sehr beeinflusst von der übrigen Welt. Kommt es irgendwo zur Krise, fliesst Geld in den sicheren Franken und die Renditen auf 10-jährige Staatsanleihen sinken. Da kann es der Wirtschaft noch so gut gehen.

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