USA
Fasst das grösste amerikanische Mineralölunternehmen eine radikale Neupositionierung ins Auge?

Der Konzernchef von ExxonMobil fasst bis ins Jahr 2050 eine Nettonull beim CO2-Ausstoss ins Auge. Wie Darren Woods dieses ambitionierte Ziel erreichen könnte, ist allerdings noch offen.

Renzo Ruf, Washington
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Ein ExxonMobil-Raffinerie in Billings (Montana).

Ein ExxonMobil-Raffinerie in Billings (Montana).

Matt Brown / AP

Die erste Nagelprobe hat der ExxonMobil-Konzernchef Darren Woods bestanden. Die Börsianer jedenfalls reagierten positiv auf eine Meldung des «Wall Street Journal», wonach Woods eine radikale Neupositionierung des grössten amerikanischen Mineralölunternehmens ins Auge fasse und mit dem Gedanken spiele, den CO2-Fussabdruck seines Unternehmens bis ins Jahr 2050 unter dem Strich auf null zu reduzieren. Die ExxonMobil-Aktie, die vor sieben Jahren noch mehr als 103 Dollar gekostet hatte, legte an der New Yorker Börse leicht zu und schaffte den Sprung über 57 Dollar.

In einem nächsten Schritt wird Woods nun den Investoren erklären müssen, wie ein Mineralölunternehmen dieses ambitionierte Ziel erreichen könnte – und, wohl ebenso wichtig, was der 56-jährige Konzernchef eigentlich unter «Netonull» versteht. Eine nicht ganz unerhebliche Frage, veredelt ExxonMobil doch allein in den USA jeden Tag gegen 1,5 Millionen Fässer Öl zu Benzin und gehört damit nicht nur in den Augen von Umweltschützern zu den grössten Treibern des Klimawandels.

Woods habe aktuell kein Interesse daran, auch diejenigen Emissionen in das «Carbon Accounting» des Konzerns einzubeziehen, die von den Kunden von ExxonMobil verursacht werden, meldete das «Wall Street Journal». Ein Sprecher des im Grossraum Dallas-Fort Worth (Texas) domizilierten Konzerns wollte dies vorerst nicht kommentieren. Auch gab er keinen Einblick in den Zeitplan von Woods.

Rebellion der Investoren

Klar ist: Der Konzernchef, der 2017 den zum US-Aussenminister aufgestiegenen Rex Tillerson ersetzte, steht unter Druck. Im vorigen Jahr fuhr ExxonMobil einen rekordverdächtigen Verlust von 22,4 Milliarden Dollar ein. Und in Sachen Klimaschutz sind ihm Konkurrenten wie BP oder Chevron, zumindest an der PR-Front, weit voraus.

Im Frühsommer gelang es Woods deshalb nicht, an der jährlichen Generalversammlung eine Mini-Rebellion niederzuschlagen. Trotz einer teuren Gegenkampagne wählten die Investoren drei neue Mitglieder in den Verwaltungsrat, die von einem kleinen Hedgefonds ins Rennen geschickt worden waren. Die Kandidaten des Investmentvehikels Engine No. 1 traten mit dem Versprechen an, bei ExxonMobil eine Klima-Kurskorrektur einzuleiten.

Alex Karsner, neues Mitglied des ExxonMobil-Verwaltungsrates.

Alex Karsner, neues Mitglied des ExxonMobil-Verwaltungsrates.

Einer dieser neu gewählten Verwaltungsräte heisst Alexander Karsner und unter Energiefachleuten ist der quirlige Republikaner eine bekannte Figur. Aktuell arbeitet der 54-Jährige an führender Stelle für X, der kommerziellen Ideenfabrik des Technologiekonzerns Alphabet, zu dem auch die Suchmaschine Google gehört. ExxonMobil fehle es an einer finanziellen Strategie, um den «unabwendbaren Wandel» zu bestehen, mit dem sich die Energiebranche in den nächsten Jahrzehnten konfrontiert sehe, soll Karsner gesagt haben. Und: Woods müsse aufs Tempo drücken, um den Ausstoss von Emissionen zu reduzieren. Allem Anschein nach hat sich der Konzernchef und Verwaltungsratspräsident diese Aufforderung nun zu Herzen genommen.

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