Amber Gold erzürnt ganz Polen

Nach dem Zusammenbruch der polnischen Parabank Amber Gold zittern Tausende Anleger um ihr Geld – zumal 15 Millionen Franken verschwunden sind.

Paul Flückiger
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WARSCHAU. Das zwielichtige Unternehmen aus Danzig versetzt seit Tagen ganz Polen in Aufregung (vgl. Ausgabe vom 9. August). Etwa 50 000 Anleger hatten Amber Gold Dutzende Millionen Franken anvertraut. Doch Anfang Woche kündigte die Vermögensverwaltung mit Dutzenden Filialen im ganzen Land die Geschäftsauflösung an. Das «wird sich über einige Zeit hinstrecken», hiess es knapp auf der Homepage. Doch wann die Investoren ihr Geld wiedersehen, weiss niemand.

Wie ein Schneeballsystem?

Amber Gold hatte Jahresrenditen von bis zu 16% versprochen. Die Kunden sollten dafür ihr Geld in einem speziellen «Gold-Fonds» parkieren. Angeblich flossen Amber Gold so 200 Mio. Zloty (60 Mio. Fr.) zu. Die Vermögensverwaltung will das Geld vor allem in Goldbarren investiert und damit 2011 einen Gewinn von 53 Mio. Zloty (16 Mio. Fr.) erwirtschaftet haben. Mindestens 100 Kilo Gold will die Parabank noch besitzen. Dennoch kann Amber Gold schon seit Anfang Monat keine Einlagen mehr zurückzahlen. Laut Experten funktionierte Amber Gold wie ein Schneeballsystem. Mitte Woche durchsuchte der Inlandgeheimdienst drei Firmensitze.

Premier in delikater Position

Die Vermögensverwaltung figuriert zwar seit drei Jahren auf der roten Liste der staatlichen Finanzkontrolle, doch Folgen hatte das keine. Vielmehr ergaben Recherchen, dass der 28jährige Firmeninhaber Marcin Plichta wegen Anlagebetrug und ähnlicher Delikte sechsmal vorbestraft ist. Auch das ohne Folgen. Plichta konnte gar erst kürzlich eine neue Tochterfirma mit fast identischem Namen registrieren. Auf diese will er umgerechnet 15 Mio. Fr. von Amber Gold überwiesen haben.

Polnische Zeitungen sprechen allerdings von einem neuen Betrug. Das Geld sei wohl eher ausser Landes geschafft worden, wird vermutet. Inzwischen steht Amber Gold im Verdacht, Schwarzgeld gewaschen zu haben. Auf die Finanzkontrollbehörden des wirtschaftlich aufstrebenden EU-Mitglieds wirft all das ein schlechtes Licht. Polens Premier Donald Tusk bemüht sich erst seit kurzem um Schadensbegrenzung. Tusk ist in einer delikaten Position, hatte sich doch sein Sohn Michal wiederholt von Amber Gold für PR-Auftritte einspannen lassen.