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AMAZON: Buhlen um die Gunst von Jeff Bezos

Um das geplante zweite Hauptquartier (HQ2) des Internet-Warenhauses Amazon.com ist in Nordamerika ein heftiger Standortwettbewerb ausgebrochen. Für einmal sind sich Experten einig, dass sich das Buhlen um das HQ2 lohnt.
Renzo Ruf, Washington
Amazons erstes Hauptquartier in Seattle trägt den Namen «Day 1». (Bild: Elaine Thompson/AP (27. September 2017))

Amazons erstes Hauptquartier in Seattle trägt den Namen «Day 1». (Bild: Elaine Thompson/AP (27. September 2017))

Renzo Ruf, Washington

Tucson in Arizona schickte einen sechs Meter hohen Kaktus nach Seattle, an den Hauptsitz des Internet-Warenhauses Amazon.com; Albuquerque in New Mexico erinnerte Amazon-Konzernchef Jeff Bezos daran, dass er 1954 im schmucken Städtchen geboren worden sei. «Jeff, komm nach Hause», sagte der Stadtpräsident. Birmingham in Alabama installierte drei überdimensionierte Amazon-Kartonschachteln vor städtischen Verwaltungsgebäuden und erfand den Werbespruch «Bring A nach B!» Und der Stadtpräsident von Frisco in Texas, unweit der Millionenmetropole Dallas gelegen, stellte in einem schicken Werbespot die rhetorische Frage: «Hey Alexa – wo soll Amazon sein neues Hauptquartier bauen», das im Sprachgebrauch des Internet-Warenhauses HQ2 genannt wird. Worauf Alexa, die virtuelle Ratgeberin aus dem Hause Amazon, natürlich sagte: «In Frisco, Texas.»

Das sind nur vier Beispiele, wie amerikanische und kanadische Städte, gross und klein, derzeit um die Aufmerksamkeit von Amazon buhlen – nachdem der Milliarden-Konzern im September bekanntgegeben hatte, dass er auf der Suche nach einem Standort für ein zweites Hauptquartier in Nordamerika sei. Beobachter rechnen damit, dass bis zum heutigen Stichtag in der konzerneigenen Abteilung für Wirtschaftsförderung buchstäblich Hunderte von Angeboten eintreffen werden.

Und für einmal sind sich Beobachter weitgehend einig: Vom Wettbewerb um HQ2 profitiert nicht nur Amazon in der Form von Steuernachlässen und anderen Zuschüssen, sondern auch der künftige Standort des zweiten Hauptquartiers. Denn der Konzern verspricht, am neuen Standort mehr als 5 Milliarden Dollar zu investieren und bis zu 50000 neue, gutbezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Hinzu kommt, dass HQ2 Zulieferbetriebe anziehen wird, in einem Sektor mit grossem Zukunftspotenzial. «Das schlägt andere Deals, die ich gesehen habe», sagte deshalb der Wirtschaftsprofessor Enrico Moretti, der an der University of California, Berkeley, forscht. Wer auch immer den Zuschlag für das HQ2 erhalte, werde auf einen Schlag zu einem ­äusserst attraktiven Standort aufsteigen und weitere Firmen anziehen, sagte Moretti der Nachrichtenagentur AP.

Im Gegenzug stellt Amazon natürlich auch einige Forderungen an die Bewerber. Das neue, zweite Hauptquartier des Konzerns werde in einer Metropole mit moderner Infrastruktur gebaut, in der mindestens eine Million Menschen wohnten. Zudem benötigt Amazon viel Platz – die Rede ist von bis zu 50000 Quadratmetern und nötigenfalls mehreren Dutzend Gebäuden. Hinzu kommen die weichen Standortfaktoren. Amazon müsse zur «lokalen Bevölkerungskultur» passen; der neue Standort müsse deshalb eine hohe Lebensqualität aufweisen, heisst es in den Unterlagen. Diese Anforderung könnte gerade Provinzstädten grosse Probleme bereiten, ist der Konzern doch bisher in einer der tolerantesten und fortschrittlichsten Städte der USA zu Hause.

Entscheidung im nächsten Jahr

Offen ist, wer in diesem Buhlen um die Gunst von Jeff Bezos die besten Karten besitzt. Beobachter gehen davon aus, dass Amazon.com an einem Standort in der Landesmitte oder an der Ostküste interessiert sei, da sich das bestehende Hauptquartier an der Pazifikküste befindet. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie stark ein Konzernchef mit seinen persönlichen Vorlieben eine solche Suche beeinflusse – dies wären gute Nachrichten für Washington und New York, besitzt Bezos doch Liegenschaften in der Hauptstadt, in Manhattan und in Beverly Hills (Kalifornien). Gelüftet wird das Geheimnis um HQ2 im nächsten Jahr.

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