Am Panamakanal droht ein Baustop

Die Verbreiterung des Panamakanals hängt in der Schwebe. Der spanische Baukonzern Sacyr Vallehermoso, der die Federführung hat in der «Gruppe für den Kanal» (GUPC), fordert von der Betreibergesellschaft Autoridad del Canal de Panamá (ACP) umgerechnet weitere 1,5 Mrd. Franken.

Ralf Streck
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Die Verbreiterung des Panamakanals hängt in der Schwebe. Der spanische Baukonzern Sacyr Vallehermoso, der die Federführung hat in der «Gruppe für den Kanal» (GUPC), fordert von der Betreibergesellschaft Autoridad del Canal de Panamá (ACP) umgerechnet weitere 1,5 Mrd. Franken. «Die ACP hat 21 Tage zur Erfüllung», sonst würden die Arbeiten eingestellt, teilte das Baukonsortium mit, dem auch die italienische Impregilo, die belgische Jan De Nul und die heimische Constructora Urbana angehören.

Die ACP aber lehnt die Forderungen «kategorisch» ab. Mit dem Druck solle erreicht werden, ausserhalb «vertraglicher Vereinbarungen» mehr Geld herauszuholen. Die ACP verweist auf die Verträge, die von den Baufirmen akzeptiert und unterzeichnet worden sind.

Doppelt so grosse Schiffe

Es geht um einen Aufschlag um über 50% auf die einst auf 2,9 Mrd. Fr. vereinbarten Baukosten für die Schleusen. Das Konsortium führt unvorhersehbare Ereignisse beim Bau an, der 2007 begonnen hat und im kommenden Jahr 2015 fertiggestellt werden soll. Dann sollen etwa doppelt so grosse Schiffe als bisher die 82 Kilometer lange Wasserstrasse an der Landenge in Mittelamerika passieren können, die eine Schlüsselrolle spielt im maritimen Welthandel.

«Nicht einmal der Beton»

Tatsächlich hatte die GUPC mit einem enorm billigen Angebot die Konkurrenz ausgestochen. Der US-Rivale Bechtel etwa hatte deutlich gemacht, mit 2,9 Mrd. Fr. könne nicht einmal der Beton bezahlt werden. ACP-Direktor Jorge Quijano hatte sich bereit gezeigt, nachgewiesene Mehrkosten auch zu erstatten. «Doch wir glauben, dass die Forderungen nicht belegt sind.»

Der Panamakanal wurde vor 100 Jahren eröffnet. Über 14 000 Schiffe nutzen diese Abkürzung pro Jahr. Die USA übergaben den Kanal vor 14 Jahren an Panama. Seither nahm das kleine Land etwa 7,6 Mrd. Fr. ein.