Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ALTSTÄTTEN: Dank ihr holte Simon Ammann Gold - die Traditionsmarke Toko

Ihre neuen Sprühgleitwachse haben an der Fachmesse Ispo für Furore gesorgt, und an den Olympischen Spielen wird sie wieder zu Medaillen verhelfen - die Rheintaler Traditionsmarke Toko.
Peter Hummel
Forschungschef Udo Raunjak – hier am digitalen Profilometer – und Silke Liebherr haben in Altstätten das modernste Wachs-Labor zur Verfügung. (Bild: Peter Hummel)

Forschungschef Udo Raunjak – hier am digitalen Profilometer – und Silke Liebherr haben in Altstätten das modernste Wachs-Labor zur Verfügung. (Bild: Peter Hummel)

Peter Hummel

Bei Toko ist es nicht vermessen: Die gelbe Wachsmarke aus dem Rheintal gehört wie die orange Ovomaltine zu den Schweizer Kultprodukten. Seit Einführung der ersten Blöckliwachse 1940 wurde die Typografie zwar immer wieder mal sanft modernisiert, doch der charakteristische, schräg hochlaufende Schriftzug wurde nie verändert. «Toko 1-3-5» gehörte jahrzehntelang zur Pflichtausrüstung jedes Skilagers; Toko Silber war immer mal Retter in der Not, wenn Ski Stollen ansetzten.

Begründet wurde Tokos klingender Name schon vor gut 100 Jahren, allerdings durch Pflegeprodukte. Jacob Tobler gründete 1916 eine Einzelfirma für Hauspflegemittel, die er zu Beginn in der Waschküche in seinem Wohnhaus an der Altstätter Bahnhofstrasse herstellte. Schnell berühmt wurden seine Büffelbeize für Tannenböden und das Juchtenmark für Stiefel, für das er im 1. Weltkrieg regen Absatz bei der Armee fand. Mit der «Dauerhartgleitmasse» Skigliss (einer Belagsgrundierung) und dem Haftwachs Skimont wurden 1933/34 die ersten Skiprodukte angeboten.

Durch den Olympiasieg Bernhard Russis 1972 und durch die ersten Schweizer Nordisch-Medaillen in Grenoble und Sapporo erlebte Ski alpin und vor allem das Langlaufen in der Schweiz einen neuen Popularitätshöhepunkt, aber auch einen neuen Schub in der Entwicklung und im Absatz von Skiwachsen.

Mammut und Toko passten schlecht zusammen

1982 übernahm Alexander Schmidheiny von Tobler einige der Firmen – darunter die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckende Hauptfirma Tobler & Co. AG. Nach Alexanders frühem Tod sollte 1993 die gesamte Toko Holding in die Conzetta-Gruppe der Gebrüder Stefan und Thomas Schmidheiny überführt werden, was aber im ersten Anlauf misslang. Erst 2003 konnte die komplette Integration vollzogen werden. Mit den Gewinnen von Toko wurde die Marke Mammut stark ausgebaut. Zwar erging es Toko besser als der Thurgauer Marke Raichle, die bald nach der Übernahme in der Mammut-Marke aufging. Lediglich die eigene Produktion in Altstätten wurde eingestellt und zur Frike Group ausgelagert; dafür wurde ein modernes Labor eingerichtet.

Gleichwohl schien die Conzetta-Liaison nicht die glücklichste zu sein; durch Mammut war die Gruppe ausgesprochen textilaffin. Da die Schmidheiny-Brüder den norwegischen Industriellen Johan Andresen kannten, zu dessen Ferd-Gruppe Toko viel besser passte (neben Elopak gehört auch etwa Wachskonkurrent Swix dazu), kam es 2010 zur «Vernunftsscheidung». Unter dem Skisport-affinen Andresen war nun Gewähr für die Investitionen, die für Udo Raunjak, Tokos neuen Chef Forschung & Entwicklung, nötig waren, um wieder an der Spitze der Entwicklung mitzumischen. Heute lässt das kleine, aber feine Labor in Altstätten keine Wünsche offen: «Wir haben mit Abstand das besteingerich­tete Labor aller Wachsfirmen; das erlaubt uns, sämtliche Analysen selbst vorzunehmen – ein gewichtiger Konkurrenzvorteil», sagt Raunjak. Der Erfolg liess auch nicht lange auf sich warten: «Vor 10 Jahren mussten wir bei den Teams noch anklopfen – heute rennen sie uns an den Wettkämpfen die Bude ein, alle!»

Keine Gratisbelieferung der Rennläufer

Entsprechend ist Toko inzwischen wieder sehr profitabel – kein Wunder, bei den «Apothekerpreisen», wie Toko-Kunden einwenden könnten (die schnellen Topfinish-Produkte kosten gegen 100 Franken pro Dose). «Mitnichten», wendet Udo Raunjak ein. «Unsere Margen sind überhaupt nicht zu vergleichen mit der Pharmabranche. Erstens haben wir hohe Ausgaben für Rohstoffe – bis zu 20000 Franken pro Kilogramm für gewisse Spezialadditive. Dazu kommt eine jahrelange Entwicklungs- und Testphase.» Er korrigiert auch gleich die irrige Publikumsmeinung, dass die Produkte teuer seien, weil den Rennsportlern das Material «nachgeworfen» werde: «Bei uns müssen alle Mannschaften die Produkte kaufen.» Einzige von Toko gesponserte Fahrerin ist die Freestylerin Fanny Smith – sie hat einfach einen gewissen Freibezug auf Material.

Ein gutes Beispiel für die aufwendige Produktentwicklung ist das High Performance Liquid Paraffin (HPLP), das an der weltgrössten Sportartikelmesse Ispo in München Premiere hatte und für die bedeutendste Neuheit im nordischen Bereich sorgte – eine neue Flüssigwachs-Generation in höchster Konzentration, die dank neuer Molekülverbindungen direkt in die Mikrostruktur des Skibelags eindringt. Das HPLP wird einfach aufgesprüht, eine halbe Stunde trocknen gelassen und mit der passenden Bürste poliert. Das bedeutet eine veritable Wachsrevolution, ersetzt es doch das Heisswachsen, das für eine gute Gleit-Performance im Alpin- wie Langlaufbereich bislang unumgänglich war, bei Hobbyläufern wegen des Aufwands aber auch verpönt.

An sich sind die Gleitwachse für Alpin und Nordisch seit Jahren identisch, weshalb Toko keine Unterscheidung mehr macht. Am Gesamtvolumen dürfte die Alpin-Verwendung gleichwohl noch einiges höher sein. Was auch Tokos angestammter Position entspricht: Zu Zeiten der puren Holzbeläge musste zwingend gewachst werden, und Toko hatte in der Schweiz bei Alpin praktisch eine Monopolstellung. Demgegenüber waren die skandinavischen Firmen Swix und Rex im Langlauf tonangebend. Mit dem Zusammenschluss von Swix und Toko kommen die beiden Firmen in der Schweiz auf einen Marktanteil von etwa 85 Prozent.

Hat Toko erneut eine geheime Tinktur im Köcher?

Einige einzigartige Schweizer Erfolge sind Toko mit zu verdanken – etwa der Doppel-Olympiasieg von Simon Ammann in Salt Lake City 2002, hinter dem eine geheime Toko-Tinktur steckte. Natürlich hat sich Toko wieder intensiv auf die Winterspiele in Südkorea vorbereitet. Letztes Jahr wurden die Schneeverhältnisse zwei Wochen vor Ort untersucht. «Weil es im Schnee Sand gibt, müssen die Wachse abriebfester und schmutzabweisender sein», erklärt Forschungsleiter Raunjak. Speziell für Pyeongchang wurden Varianten der Topfinish-Produkte entwickelt. Neben diesen offiziellen Olympiaprodukten scheint Toko aber wiederum geheime Pfeile im Köcher zu haben. Raunjak lässt sich nur so viel entlocken: «Zusammen mit der School of Engineering der ZHAW wurde ein photoreaktives Wachs entwickelt, das dank eines Designermoleküls länger haften bleibt.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.