ALTERSRENTEN: Die Jungen tragen die Hauptlast

Die Reform der Altersvorsorge bringt für die Generationen happige Kosten mit sich. Trotzdem löst sie das sich abzeichnende Finanzierungsproblem lediglich für die nächsten 15 Jahre.

Rainer Rickenbach, Zürich
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Zur längerfristigen Finanzierung der Renten braucht es mehr als eine Reform der Altersvorsorge. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Zur längerfristigen Finanzierung der Renten braucht es mehr als eine Reform der Altersvorsorge. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Rainer Rickenbach, Zürich

Eine Altersgruppe kommt bei der Altersvorsorgereform richtig gut weg: Für die heute 53- bis 63-Jährigen bleiben unter dem Strich mehrere Tausend Franken mehr übrig als ohne Reform. Bei einer 63-jährigen, berufstätigen Person summiert sich der Unterschied bis zum statistischen Lebensende sogar auf mehr als 10000 Franken, falls das Stimmvolk am 24. September das Reformwerk gutheisst. Denn die älteren Berufstätigen werden nach ihrer Pensionierung monatlich 70 Fr. mehr AHV-Rente erhalten als die heutigen Rentner. Gleichzeitig sind sie von den höheren Lohnabgaben für die AHV weniger lang betroffen, weil sie bereits in den nächsten Jahren von Beitragszahlern zu Rentenempfängern werden.

Wie viel die verschiedenen Altersgruppen zur grössten Reformvorlage dieses Jahrzehnts beisteuern, haben die Vorsorgefachleute der UBS ausgerechnet. «Die Reform bringt zwar Verbesserungen bei der Rentenfinanzierung. Das Ziel der Generationengerechtigkeit erreicht sie aber nicht», sagt Studien-Mitautorin Veronica Weisser. Die Kosten der Reform sind in der Tat ungleich verteilt. Den grössten Teil schultern die Jungen: Sie haben höhere AHV-Beiträge zu berappen und wegen der gestaffelt steigenden Mehrwertsteuer mehr Konsumausgaben zu stemmen. Die Mehrkosten bis zum Lebensende für 18- bis 35-Jährige beziffert die UBS auf 9000 bis 15000 Franken. Die bereits Pensionierten werden die Reform über die steigende Mehrwertsteuer weniger stark spüren. Sie werden bis zum statistischen Lebensende mit 600 bis 4000 Fr. zur Kasse gebeten. Von den umstrittenen 70 Fr. mehr AHV haben sie nichts, die gehen nur an Neurentner.

Es wird mehr als eine Reform notwendig sein

«Heute lautet das Versprechen: Jede Generation erhält im Alter mehr, als sie einbezahlt hat. Das kann nicht funktionieren», sagt Weisser. Diese Rechnung ging lange auf, weil im letzten Jahrhundert die Zahl der Beitragszahler stärker wuchs als die Anzahl Rentner. Doch seit acht Jahren verabschiedet sich die Babyboomer-Generation nach und nach vom Erwerbsleben. Sie kommt heute zwar immer noch für den Löwenanteil der AHV-Einnahmen auf, denn die älteren Berufstätigen sind zahlreich und mit 50 Plus in einem Alter, in dem viele gut verdienen. Aber mit jedem Jahr bröckelt dieser Beitrags­sockel stärker, gleichzeitig steigt die Zahl der Rentner rasant an. Bis 2035 nimmt sie um 60% zu, bis 2060 verdoppelt sie sich gar. Heute beziehen in der Schweiz über 2,2 Millionen Personen eine AHV-Rente. Mit diesem Tempo kann die Zahl der Beitragszahler nicht Schritt halten. Heute entfallen auf einen Rentner 3,5 Berufstätige, 2060 werden es nur noch 2 Beitragszahler sein. Mit der Einwanderung ausländischer Fachkräfte lässt sich das Ungleichgewicht nicht abwenden. Weisser: «Sie verschiebt bloss zeitlich das Problem. Denn sobald ein Immigrant Rentenbeiträge einzahlt, beginnt für den Staat eine neue Leistungspflicht.»

Für Weisser ist klar, dass die aktuelle Reform erst ein Anfang sein kann. Denn selbst wenn die Vorlage angenommen wird, klafft laut UBS langfristig eine Finanzierungslücke von 826 Mrd. Franken. Wenn die Reform scheitert und nichts geschieht, würde sich die Lücke bis nach 2060 gar auf über 1000 Mrd. Fr. vergrössern. Bei ihren Berechnungen geht die UBS von einem realen Zinssatz von durchschnittlich 2% und einem jährlichen Produktionszuwachs in Höhe von 1% aus.

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