Alternative Renditequellen

Die Entwicklung der meisten Anlageklassen eines Wertpapierportfolios hängt von ähnlichen Faktoren ab. Derzeit zeigt sich, wie plötzlich anziehende Zinsen und ein Rückgang in der allgemeinen Risikofreude der Investoren sowohl Anleihen, Aktien und Immobilienfonds gleichzeitig unter Druck setzen.

Karel E. Ehmann Leiter Portfolio Management Thurgauer Kantonalbank
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Die Entwicklung der meisten Anlageklassen eines Wertpapierportfolios hängt von ähnlichen Faktoren ab. Derzeit zeigt sich, wie plötzlich anziehende Zinsen und ein Rückgang in der allgemeinen Risikofreude der Investoren sowohl Anleihen, Aktien und Immobilienfonds gleichzeitig unter Druck setzen. Alle drei Anlageklassen weisen zwar nicht identische, aber ähnliche Verlaufsmuster in den Kursen auf.

Anlageklassen kombinieren

Anleger sollten bemüht sein, ihre Investitionen so zu verteilen, dass der Einfluss eines einzelnen Faktors nicht alle anderen verdrängt. Dominiert ein Faktor, fällt die erhoffte Diversifikation im Portfolio geringer aus. In diesem Zusammenhang spricht man auch davon, möglichst schwach korrelierte Anlageklassen zu kombinieren. Die Korrelation beschreibt dabei die Eigenschaft, ob sich Kurse verschiedener Anlagen tendenziell in die gleiche Richtung, unabhängig voneinander oder sogar entgegengesetzt zueinander entwickeln. Es gilt: Je geringer die Korrelation der Anlageklassen untereinander, desto besser die Rendite-Risiko-Eigenschaften des Portfolios.

Verbriefte Versicherungsrisiken

Eine Anlageklasse, die eine besonders schwache Korrelation zu Aktien oder Obligationen aufweist, sind Insurance Linked Securities. Dabei handelt es sich um verbriefte Versicherungsverträge, die regelmässig Coupons an die Investoren auszahlen (analog Versicherungsbeiträgen) und im Falle eines Versicherungsereignisses den Schaden über das eingesetzte Kapital anteilig begleichen. Auch hierbei sollten Versicherungsrisiken miteinander kombiniert werden, die möglichst von unterschiedlichen Ereignissen abhängen.

Die sogenannten Katastrophen-Bonds sind die bekanntesten Vertreter. Diese enthalten Policen zur Absicherung von extremen Naturkatastrophen wie etwa Wirbelstürme oder Flutkatastrophen.

Schutz vor Zinsanstieg

Da die Preisentwicklung dieser Anlageklasse in erster Linie durch das Auftreten grosser Naturereignisse bestimmt wird, korreliert diese nur sehr schwach mit den Werttreibern anderer Vermögensklassen. Dabei hilft auch die geringe Zinsabhängigkeit, denn die Vertragslaufzeiten der Policen betragen in der Regel weniger als 18 Monate. Damit ist man vor einem möglichen Anstieg der Kapitalmarktzinsen relativ gut geschützt.

Wissen ist unverzichtbar

Um abschätzen zu können, ob die eingegangenen Risiken genügend entschädigt werden, ist grosses versicherungstechnisches Wissen unverzichtbar. Deshalb ist eine Aufnahme in das Portfolio nur über Kollektivanlagen hochspezialisierter Fondsanbieter vorzunehmen. Trotz vieler Meldungen über Naturkatastrophen in den Medien erzielte diese Anlageform in der Vergangenheit eine wenig spektakuläre, aber stetige Wertentwicklung.

Finanzkrise gut überstanden

Einzig das Jahr der Fukushima-Katastrophe (2011) in Japan führte bei den relevanten Fonds zu einem minimalen Verlust auf Jahresbasis, dagegen wurde die Finanzkrise 2008/09 sehr gut überstanden. In Zeiten grösserer Schwankungen an Aktien- und Zinsmärkten sollte diese Anlageklasse eine Überlegung wert sein.