Alte Stärken, junges Potenzial

Mit Spannung ist der erste Raiffeisen-Abschluss inklusive Notenstein-Zahlen erwartet worden. Er zeigt sowohl ein Wachstum im Kerngeschäft als auch eine Diversifikation der Erträge.

Sabrina Dünnenberger
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Pierin Vincenz sieht seine Bankengruppe auf Kurs. (Bild: Ralph Ribi)

Pierin Vincenz sieht seine Bankengruppe auf Kurs. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Die Kundengelder fliessen der Bank zu, die Nachfrage nach Hypotheken ist ungebremst hoch. Erfreut hob Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz gestern bei der Präsentation der Halbjahreszahlen anhand dieser Positionen hervor, dass «das Vertrauen in die Marke Raiffeisen gross ist». Er mag dies besonders betont haben, weil die eine oder andere Stimme den Entschluss der Genossenschaftsbank kritisiert hatte, mit Notenstein künftig im Privatbankengeschäft mitzumischen. Erstmals wies die drittgrösste Schweizer Bankengruppe die Zahlen von Notenstein in ihrer Bilanz und Erfolgsrechnung aus.

Notenstein generiert Erträge

Auffällig ist die Notenstein-Akquisition vor allem auf der Ertragsseite. Beim Betriebsertrag legte die Raiffeisen-Gruppe im 1. Semester 2012 um 106 Mio. Fr. oder 8,4% auf 1,3 Mrd. Fr. zu. Kräftig gestiegen sind dabei die Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft auf 188 Mio. Fr. (+60%) und aus dem Handelsgeschäft auf 99 Mio. Fr. (+50%). Diese beiden Ertragspositionen sind stark vom Privatbankengeschäft der neuen Tochter getrieben. Nahezu stagniert hat dagegen der Zinserfolg. Dies erklärt Vincenz mit dem anhaltend starken Druck auf die Zinsmarge (siehe Grafik). Das tiefe Zinsniveau, Konkurrenzdruck und Absicherungskosten im Hinblick auf eine mögliche Zinswende erschweren laut Vincenz die Zinsgestaltung zusätzlich. Dennoch bleibt das Zinsengeschäft der ertragsstärkste Posten der Bank und hat im 1. Halbjahr 1,04 Mrd. Fr. zum Erfolg beigetragen.

Die Notenstein-Übernahme zeigt sich auch auf der Kostenseite. So stieg der Geschäftsaufwand vor allem wegen höherer Personal- und IT-Kosten um 88 Mio. Fr. (12%). Dank Notenstein weist Raiffeisen auch einen höheren Bruttogewinn aus als in der Vorjahresperiode (siehe Tabelle). Dieser wäre ohne die Privatbank mit 491 Mio. Fr. um 2,3% unter dem Wert der Vorjahresperiode geblieben. Der Gruppengewinn fiel wegen Buchwertverlusten bei Beteiligungen mit 332 Mio. Fr. tiefer aus als im Vorjahr. Bereinigt stieg er um 4%.

Wachstum in Städten

Die Notenstein-Akquisition hat auch die verwalteten Vermögen ansteigen lassen. 20,8 Mrd. Fr. brachte die Bank in die Gruppe ein. Der laut Vincenz «bemerkenswerte Sprung» von 146 Mrd. auf 170 Mrd. Fr. innert der letzten sechs Monate sei aber auch auf einen starken Neugeldzufluss bei den Raiffeisenbanken zurückzuführen. Überhaupt sei das Kerngeschäft im 1. Semester «erfreulich» gelaufen, sagte Vincenz. Die Spar- und Anlagegelder wuchsen um fast 6 Mrd. Franken. Zulegen konnte Raiffeisen insbesondere in den Städten und in der Westschweiz, wo Vincenz noch einiges Wachstumspotenzial sieht.

«Sind kein billiger Jakob»

Bei den Hypotheken wächst Raiffeisen laut eigenen Angaben weiterhin über dem Markt. Im 1. Halbjahr vergaben die Banken Hypotheken im Wert von 3,7 Mrd. Franken. Der Marktanteil liegt laut Raiffeisen bei 16%, wobei Vincenz betont, nicht um jeden Preis wachsen zu wollen. «Wir sind nicht der billige Jakob und stellen qualitatives Wachstum in den Vordergrund.» Solange die Zuwanderung anhalte und die Nachfrage nach selbstbewohntem Wohneigentum hoch bleibe, wachse das Hypothekengeschäft. Tiefe Zinsen und folglich tiefe Margen lassen die Gewinne aber nicht in den Himmel wachsen.