Alstom spaltet Frankreich

Der Industriekonzern spricht sich für das Übernahmeangebot von General Electric aus. Siemens hat aber noch ein As im Ärmel: Arnaud Montebourg, Frankreichs Wirtschaftsminister.

Stefan Brändle
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Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (links) und Alstom-Chef Patrick Kron sind sich nicht einig, was die Zukunft des Traditionskonzerns angeht. (Bilder: epa, ap)

Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg (links) und Alstom-Chef Patrick Kron sind sich nicht einig, was die Zukunft des Traditionskonzerns angeht. (Bilder: epa, ap)

PARIS. Der Kampf um Alstom ist lanciert. Der Verwaltungsrat des französischen Energie- und Transportkonzerns genehmigte am Dienstagabend die Offerte des US-Branchenleaders General Electric (GE) über 12,4 Mrd. €. Das Rennen um das angeschlagene Traditionsunternehmen ist damit noch nicht entschieden. Alstom geht mit GE keine exklusiven Verhandlungen ein. Siemens hat einen Monat Zeit, um ein Kooperationsangebot einzureichen. Der Münchner Konzern geniesst die Unterstützung der französischen Regierung, die einen europäischen «Airbus der Energie» bilden möchte: Unter der Ägide von Siemens soll Alstom einen europäischen Transportkonzern mit den Hochgeschwindigkeitszügen TGV und ICE bilden.

Die Frage ist, ob sich die Staatsführung in Paris gegen Konzernchef Patrick Kron durchsetzen kann. Alstom ist zwar ein Privatkonzern, hängt aber stark von öffentlichen Aufträgen ab. Zudem hat der Staat in Frankreich stets ein Wörtchen mitzureden, und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg machte schon letzte Woche klar, dass die Zukunft des französischen Industrieflaggschiffs Alstom «im nationalen Interesse» sei.

Regierung fühlt sich übergangen

Darum hat Montebourg Alstom-Chef Kron laut «Le Monde» auch die Leviten gelesen. Als Vorsteher eines «strategischen» Konzerns hätte er die Regierung über die Verhandlungen mit GE informieren müssen. Am Dienstag doppelte er in der Nationalversammlung nach: Die Regierung akzeptiere nicht, in einem so heiklen Deal vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, sagte Montebourg. Kron habe ihn hinters Licht geführt und seit Februar erklärt, dass er keine Allianz plane. «Muss der Wirtschaftsminister einen Lügendetektor in seinem Büro installieren?», fragte Montebourg. Kron, den Medien als «rigid» bezeichnen, lässt sich nicht so leicht beeindrucken. Und schon gar nicht dreinreden. Er hat den Münchnern bis heute nicht verziehen, dass sie Alstom 2004 in einem schwachen Moment wie ein Schnäppchen übernehmen wollten. Der damalige Staatschef Nicolas Sarkozy schob in enger Absprache mit Kron einen Riegel, indem er eine vorübergehende Teilverstaatlichung anordnete. Letzte Woche liess der Alstom-Boss ein Schreiben von Siemens-Chef Joe Kaeser – der wie GE die Übernahme der zentralen Energie-Sparte anbietet – offenbar unbeantwortet. Und Siemens zeigt sich in einer öffentlichen Stellungnahme «enttäuscht» über Krons Schweigen.

Freund oder Feind?

Angesichts dieser Ressentiments scheint es zweifelhaft, ob ein deutsch-französischer Deal möglich ist. Gegenüber «Le Monde» verwahrte sich Kron indes gegen den Vorwurf des Antigermanismus: Das sei schon deshalb nicht möglich, weil Alstom in Deutschland 9000 Mitarbeiter zähle. Montebourg umgekehrt Deutschfreundlichkeit zu unterstellen, wäre indessen ebenso verfehlt: In der Vergangenheit hatte er Kanzlerin Angela Merkel gerne mit Bismarck verglichen. Die französische Öffentlichkeit ist selbst gespalten, ob sie den Deutschen oder den Amerikanern den Vorzug geben soll.

Nie fand Montebourg aber gegenüber Berlin so harte Worte wie jetzt gegenüber Kron. An dem Alstom-Chef könnte sich der Minister allerdings die Zähne ausbeissen. Dies nicht nur, weil die Staatsmacht in Paris schwindet: In fast allen Sparten ergänzen sich GE und Alstom einfach besser. Siemens scheint selbst nicht recht an eine Kooperation mit Alstom zu glauben: Nach jüngsten Meldungen wirft Kaeser eher ein Auge auf die Energiesparte des britischen Konkurrenten Rolls-Royce.

French company Alstom chairman Patrick Kron addresses reporters during a press conference held in Paris Wednesday May 7, 2008, to announce the yearly financial results of the company. Alstom SA, the world's third-largest power plant builder, said annual profit rose 56 percent on lower financing costs and increased orders in emerging markets.(AP Photo/Remy de la Mauviniere) (Bild: REMY DE LA MAUVINIERE (AP))

French company Alstom chairman Patrick Kron addresses reporters during a press conference held in Paris Wednesday May 7, 2008, to announce the yearly financial results of the company. Alstom SA, the world's third-largest power plant builder, said annual profit rose 56 percent on lower financing costs and increased orders in emerging markets.(AP Photo/Remy de la Mauviniere) (Bild: REMY DE LA MAUVINIERE (AP))

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