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Als die Druckmaschinen stillstanden

Mittwochmorgen, kurz nach zehn Uhr: Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Swissprinters AG folgen dem Ruf der Gewerkschaft Syndicom, lassen ihre Arbeit stehen und versammeln sich auf einem Parkplatz neben ihrem Noch-Arbeitsplatz.
Bei Bratwürsten wurde über den Streik diskutiert.

Bei Bratwürsten wurde über den Streik diskutiert.

Mittwochmorgen, kurz nach zehn Uhr: Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Swissprinters AG folgen dem Ruf der Gewerkschaft Syndicom, lassen ihre Arbeit stehen und versammeln sich auf einem Parkplatz neben ihrem Noch-Arbeitsplatz. Hier wollen sie entscheiden, ob sie streiken werden oder nicht. «Das bringt nichts» oder «der Kunde kann nichts dafür» hört man aus der Gruppe heraus.

«Keine Angst»

Gewerkschaftssekretär Dominik Dietrich trommelt sie schliesslich zusammen. «Ihr braucht keine Angst zu haben, euch kann nichts passieren», beruhigt er die Anwesenden, während neben ihm ein Festzelt aufgebaut wird. Er informiert die Angestellten, dass es Gespräche mit der Geschäftsleitung geben werde, dass man Verbesserungen beim Sozialplan erreichen wolle und dass die Aktion in einem 24stündigen Warnstreik enden könne. «Es ist eure Entscheidung», sagt er und verspricht Brot, Wurst und Getränke. Man steht erneut herum, raucht, redet. Vier Lehrtöchter – sie können ihre Ausbildungen in einem anderen Unternehmen zu Ende führen – sind aus Solidarität gekommen. «Die Schliessung des Unternehmens ist schlecht», sagen sie. Viele der Angestellten hätten Kinder und Familien zu versorgen. Dass die Aktion etwas bringen wird, bezweifeln sie. Aber «wir wollen Zeichen setzen, unsere Wut ausdrücken und zeigen, dass man nicht alles mit uns machen kann». Mit dem definitiven Schliessungsentscheid habe er wenigstens Gewissheit, sagt Rollenoffset-Drucker Markus. «Ich habe Existenzängste und weiss nicht, wie es weitergehen soll», sagt er. Was ihm bleibe, sei «eine riesige Enttäuschung», in seinen Arbeitgeber wie in die Politik. «Konkordanz ist wohl wichtiger als die Zukunft der Arbeitnehmer.»

«Das nützt nichts»

Kurz nach elf Uhr gibt es Bratwürste. Ein Lautsprecher steht nun auf dem Platz. «Die Swissprinters wollen uns St. Galler nicht», sagt Dominik Dietrich. «Also sollen sie sehen, wie es ihnen ohne uns geht.» Marcel Stofer, Betriebsleiter der Druckerei, ergreift darauf das Mikrophon. «Alles, was bis jetzt von der Gewerkschaft getan wurde, habe ich unterstützt», sagt er. Ein Streik sei aber der falsche Schritt. «Das nützt nichts, ausser dass der Dialog abgebrochen wird», warnt er. Swissprinters-Geschäftsführer Alfred Wälti erscheint, um sich den Fragen der Angestellten zu stellen, wie er zu den Medienvertretern sagt.

«Das ist ein Skandal, ihr werdet einfach auf die Strasse gestellt, abgeschoben», sagt Roland Kreuzer von Syndicom. 150 Franken Streikgeld verspricht er den Angestellten, falls sie wegen des Streiks mit einer Lohnkürzung rechnen müssten. Dann wird abgestimmt. Gegner und Befürworter des Streiks stellen sich dazu auf die linke oder rechte Seite des Platzes. Rund zwei Drittel der Anwesenden wollen keinen Streik. Verständnisloses Kopfschütteln bei den Streikwilligen. «Wenn die Geschäftsleitung nicht hier wäre, würden alle streiken», sagt einer. Eine junge Streik-Gegnerin begründet: «Streiken schadet, wenn das in meinem Arbeitszeugnis steht, finde ich nie mehr einen Job.»

Einige harren aus

Nun greift auch Alfred Wälti zum Mikrophon. Er dankt den Angestellten für ihren Entscheid und sagt, er sei bereit, über ein Zeichen der Anerkennung zu verhandeln. Die meisten Angestellten geben sich damit zufrieden und kehren nach der zweistündigen Protestpause an ihre Arbeit zurück. Nur die Rollenoffset-Drucker wollten bleiben, bis sie konkrete Zugeständnisse zur Verbesserung ihres Sozialplans erhalten. (kar)

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