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Alpiq muss 1,4 Mrd. abschreiben – Stellenabbau möglich

Der Energiekonzern Alpiq fokussiert noch stärker auf sein Kerngeschäft, vereinfacht die Organisation und spart noch einmal mehr als 100 Mio. Fr. im Jahr. Das führt zu Wertberichtigungen von rund 1,4 Mrd. Franken, wie das Unternehmen am mitteilt.

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Alpiq muss weiter sparen (Archive)

Alpiq muss weiter sparen (Archive)

Keystone

Das belaste den Jahresabschluss und führe im Geschäftsjahr 2012 zu einem deutlichen Verlust, hiess es in einem Communiqué. Zusätzliche Massnahmen seien in Prüfung, darunter eine Kapitalerhöhung, wie Alpiq bereits vor rund einer Woche kommuniziert hatte. Mediensprecher Martin Stutz konnte am Freitagabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda den Verlust noch nicht beziffern.

Der zusätzliche Anpassungsbedarf sei trotz der im laufenden Geschäftsjahr erzielten Devestitionserlöse nötig, hiess es. Grund seien die anhaltend schwierigen Markt- und Rahmenbedingungen sowie die tiefgreifenden Veränderungen der europäischen Energielandschaft.

Arbeitsplatzverlust nicht bezifferbar

Wegen der Devestitionen und der Fokussierung will Alpiq seine Organisation weiter vereinfachen. Dazu werden ab 1. Januar 2013 die drei Geschäftsbereiche Erzeugung, Vermarktung und Handel sowie Energiedienstleistungen geführt.

Prozesse und Systeme würden entsprechend angepasst, hiess es dazu. Dabei plant Alpiq weitere jährliche Kosteneinsparungen von mehr als 100 Mio. Franken. Zuvor war Alpiq in die Sparten International, Schweiz und Handel aufgeteilt.

Welche Konsequenzen diese Massnahmen für die Arbeitsplätze haben, konnte Stutz nicht sagen. Einen weiteren Stellenabbau schloss er nicht aus. Im ersten Quartal 2013 würden alle Massnahmen analysiert, nachher wisse man Genaueres.

Ausstieg bei Romande Energie

Weiter wurde bekannt, dass Alpiq seine Beteiligung an der Romande Energie verkauft. Die beiden Unternehmen hätten dazu einen Vertrag unterzeichnet, hiess es in einem weiteren Communiqué.

Im Vertrag verpflichte sich Romande Energie von Alpiq rund 71'000 Aktien zum Preis von 1000 Fr. pro Stück zu kaufen. Die Transaktion erfolgt am 8. Januar und bringt Alpiq rund 78 Mio. Fr. ein.

Ferner hat Romande Energie eine Kaufoption für die übrigen gut 49'000 von Alpiq gehaltenen Aktien. Das Waadtländer Unternehmen kann diese Option in mehreren Tranchen bis Ende Mai 2013 ausüben. Die Transaktion ist eine weitere Etappe im Bemühen von Alpiq, seine Nettoverschuldung um 1,5 bis 2 Mrd. Fr. abzubauen.

Arg im Gegenwind

Alpiq hatte vor Wochenfrist bereits weitere drastische Schritte angekündigt. Diese konkretisierten sich nun etwas. In den ersten neun Monaten sank der Umsatz des Konzerns um gut 5 Prozent, während der Reingewinn vor Sondereinflüssen um 20 Prozent einbrach.

Ein im November 2011 lanciertes Restrukturierungsprogramm umfasste bis anhin die Streichung von 450 der weltweit 11'200 Stellen per Ende letzten Jahres, 170 davon in der Schweiz. Durch den Verkauf des Anlagetechnikgeschäfts reduzierte sich die Belegschaft dann nochmals um 3160 auf rund 8000 Mitarbeitende.

Zudem will der Konzern Tafelsilber verkaufen und hat das auch schon getan: Bereits veräussert hat Alpiq unter anderem die Beteiligung am Bündner Mitbewerber Repower und einen Anteil von 15 Prozent am riesigen Walliser Pumpspeicherkraftwerk Nant de Drance, das sich im Bau befindet.

Auch der Verkauf des Geschäftsfeldes Energieversorgungstechnik (EVT) ist abgeschlossen. Die Trennung spülte 366 Mio. Fr. in die Alpiq-Kasse. Zudem werden Geschäfte im Ausland aufgegeben.

Alpiq leidet unter den Umwälzungen in der Energiebranche und der Schuldenkrise, die auf die Strompreise und die Stromnachfrage schlägt.