Alles beim Alten bei der NZZ

Die Aktionäre der Neuen Zürcher Zeitung haben gestern an der Generalversammlung im Zürcher Kongresshaus dem Verwaltungsrat um Präsident Etienne Jornod ihr Vertrauen ausgesprochen. Umsturzgelüste hatten keine Chance.

Eveline Rutz
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Etienne Jornod Verwaltungsratspräsident der NZZ. (Bild: Keystone)

Etienne Jornod Verwaltungsratspräsident der NZZ. (Bild: Keystone)

«Die NZZ kann sich eine solche Führung nicht länger erlauben.» Mit dieser Botschaft haben ehemalige Redaktionsmitglieder der NZZ die Aktionäre gestern vor dem Zürcher Kongresshaus empfangen. Die NZZ befinde sich in der grössten Krise seit Jahrzehnten, prangerten sie auf ihrem Flugblatt an. Der Ruf und die Qualität hätten Schaden genommen; in Verwaltung und Redaktion herrsche Chaos. Die Pläne, Markus Somm als Chefredaktor anzustellen, hätten in Politik, Wirtschaft und der Redaktion für ganz böses Blut gesorgt, sagt der pensionierte Auslandredaktor Jürg Dedial. Der Verwaltungsrat habe damit seine Inkompetenz unter Beweis gestellt. Die lose Gruppe, die von etwa 100 NZZ-Mitarbeitern ideell unterstützt wird, forderte die Aktionäre deshalb auf, der Unternehmensspitze das Vertrauen zu entziehen.

Fehler eingeräumt

Auch einige Kleinaktionäre sparten an der dreistündigen Versammlung nicht mit Kritik. Ein Votant bezeichnete die Causa Somm als «Anschlag auf die Seele der NZZ». Ein anderer meinte, die NZZ-Redaktion habe einen Journalistenpreis verdient, da sie Somm letztlich verhindert habe. Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod betonte hingegen, dass ein politischer Richtungswechsel nie zur Diskussion gestanden habe. In der Kommunikation seien Fehler passiert, räumte er ein. Es sei allerdings auch Unwahres behauptet worden – so etwa, dass der Verwaltungsrat Somm bereits zugesagt habe. Jornod, der erst seit 2013 im Amt ist, trat gemäss verschiedener Aktionäre souverän und geschickt auf. Er übte leise Selbstkritik, versprühte aber vor allem viel Optimismus. Mit 20 738 Ja- zu 3583 Nein-Stimmen fiel seine Wiederwahl überraschend deutlich aus. Die VR-Mitglieder Christoph Schmid und Bernd Kundrun wurden ebenso problemlos bestätigt.

Wolfgang Frei, ehemaliger NZZ-Mitarbeiter, ist enttäuscht: «Ich hätte es anders erwartet». Dass der Verwaltungsrat Markus Somm für den Posten des Chefredaktors in Betracht gezogen habe, sei wirklich ein grosser Fehler gewesen. Die Aktionäre habe dies aber offensichtlich zu wenig aufgeschreckt. «Der Tenor war, dass man nichts verändern möchte.»

Keine kürzere Amtszeit

Dieselbe Haltung zeigte sich bei einem Antrag der «Freunde der NZZ», welcher statt der gestaffelten vier- eine einjährige Amtszeit für den Verwaltungsrat forderte. Er wurde mit 16 610 Nein- zu 8919 Ja-Stimmen abgelehnt. «Die Aktionäre haben ihre Rechte freiwillig beschnitten», sagt Edwin van der Geest. Ziel sei eine jährliche Bestätigungswahl gewesen. Die jüngsten Schlagzeilen um den Wechsel in der Chefredaktion hätten dabei keine Rolle gespielt. «Die Freunde der NZZ», die über zehn Prozent des Aktienkapitals vereinen, sprachen sich für die Wiederwahl Jornods aus. «Es ist entscheidend, dass der Verwaltungsrat mit dem vollen Rückhalt der Aktionäre weiterarbeiten kann», so Van der Geest.

Jornod und seine acht Kollegen wurden von der Versammlung letztlich in allen Punkten unterstützt. So auch bei der Entlastung, der Dividende, der Jahresrechnung und dem Jahresbericht. «Es war eigentlich eine ganz normale, ruhige Versammlung», sagt der Zürcher FDP-Kantonsrat Dieter Kläy. Eine «Chropflärete» habe nicht stattgefunden. Bankier und SVP-Nationalrat Thomas Matter teilt diesen Eindruck alles in allem. Wie viel Hass und Intoleranz Markus Somm und Christoph Blocher entgegenschlugen, findet er aber schockierend. «Einzelne Voten waren deutlich unter der Gürtellinie.»

Ein Stelldichein der FDP

Die 147. Generalversammlung, die im Vorfeld viel zu reden gab, stiess auf grosses Interesse. 818 Aktionäre nahmen daran teil; 23 896 von 26 041 Aktien waren vertreten. Erwartungsgemäss war viel FDP-Politprominenz erschienen – darunter aktuelle und ehemalige Stadt-, Kantons-, Regierungs-, National- und Ständeräte. Dazu gesellten sich bekannte Persönlichkeiten aus der Wirtschaft wie Walter Kielholz, aber auch ehemalige Mitglieder des NZZ-Verwaltungsrates wie Ulrich Bremi, Franz Steinegger und Konrad Hummler. Mit Pietro Supino, dem Verwaltungsratspräsidenten von Tamedia, war zudem die Konkurrenz zugegen. Der abgesetzte NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann fehlte ebenso wenig und auf den Zuschauerrängen sassen zahlreiche NZZ-Journalisten. Einzelne hatten sich sogar Aktien gekauft, um mitbestimmen zu können.

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