ALKOHOL
Zum trinken, pflegen oder desinfizieren: Aus Schweizer Zuckerrüben wird Schweizer Ethanol produziert

Schweizer Spirituosen, Kosmetika oder Naturheilmittel mit Schweizer Ethanol als Rohstoff: An diesem Projekt arbeiten die Schweizer Zucker AG und Alcosuisse. Ab November 2021 will man liefern.

Thomas Griesser Kym
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Aus Schweizer Zuckerrüben soll neben Zucker bald auch Ethanol produziert werden.

Aus Schweizer Zuckerrüben soll neben Zucker bald auch Ethanol produziert werden.

Bild: Reto Martin

«Wir schauen immer, womit wir Geld verdienen können.» Das sagt Guido Stäger, Direktor der Schweizer Zucker AG, welche die beiden Zuckerfabriken Frauenfeld und Aarberg betreibt. Jüngste Geschäftsidee: Zusammen mit Alcosuisse hat die Schweizer Zucker AG ein Verfahren entwickelt, um aus Zuckerrüben Ethanol herzustellen.

Spätestens seit Beginn der Coronapandemie ist dieser Alkohol gut bekannt. Denn die Leute brauchen ihn in erster Linie, um zum Schutz vor dem Virus die Hände zu desinfizieren. Doch: Als reiner Alkohol «kann Ethanol viel breiter eingesetzt werden», etwa für Kosmetika, in der Medizin oder der Lebensmittelindustrie, wie Alcosuisse und die Zuckerbranche schreiben.

Eine Anlage zur Destillation von Wodka

Weil es aber keinen Schweizer Hersteller mehr gab, ist Ethanol in die Schweiz importiert worden. Doch das soll sich bald ändern. Im Spätherbst 2021 wollen Alcosuisse und die Schweizer Zucker AG auf dem Gelände der Zuckerfabrik Aarberg eine Produktionsanlage für Ethanol in Betrieb nehmen, wie Stäger sagt.

Eingesetzt wird dafür eine hochwertige, für die Wodkaproduktion konzipierte Destillationsanlage des italienischen Herstellers Frilli. Als Rohstoff verwendet werden ausschliesslich Zuckerrüben aus Schweizer Anbau. Das Ethanol wird aus der Melasse der Rüben gewonnen; die Zuckerproduktion werde dadurch nicht beeinträchtigt oder geschmälert.

In zwei Qualitäten

Geplant ist eine Produktionskapazität von jährlich maximal 700'000 Litern reinen Ethanols. Das sei «zwar nicht ausreichend, aber ein guter Anfang», um wenigstens einen Teil des Schweizer Bedarfs zu decken. Nach der Herstellung in Aarberg werden an den beiden Alcosuisse-Standorten Delsberg und Schachen LU letzte Schritte zur Fertigstellung des Ethanols vorgenommen wie Feinanalytik, Mikrofiltration, Sedimentierung, verschiedene Mischrezepturen und die Verpackung.

Das neue Schweizer Ethanol namens CH1+ sei «von einzigartiger Reinheit und vor allem auch Feinheit». Es soll laut Alcosuisse-Geschäftsführer Florian Krebs auch «deutlich nachhaltiger produziert werden als jenes aus dem Ausland». Das Schweizer Ethanol wird laut den Angaben in zwei Qualitäten verfügbar gemacht: Die eine, CH11, dient als Rohstoff für Schweizer Spirituosen. Die andere, CH15, ist als Rohstoff für Schweizer Kosmetika, Naturheil- und Desinfektionsmittel vorgesehen.

Kleine Menge zu Testzwecken erhältlich

Laut den Angaben hat Alcosuisse bereits eine kleine Menge des Produkts CH11 verfügbar. Dieses biete man interessierten Kunden zu Testzwecken an. Verlaufe das Projekt planmässig, könne man ab November 2021 beide Produkte liefern.

Ethanolversorger der Nation

Alcosuisse ist ein eigenständiges Unternehmen der Berner Thommen-Furler AG. Sie versorgt seit über 100 Jahren die Schweizer Wirtschaft mit hochwertigen Ethanolprodukten und verkauft jährlich etwa eine halbe Million Hektoliter Ethanol an ihre rund 2000 Kunden. (T.G.)