Aldi Suisse legt die Latte höher

Vor bald zehn Jahren hat Aldi Suisse hierzulande die ersten Filialen eröffnet. Dem vorläufigen Ziel von 200 Läden kommt der Lebensmitteldiscounter immer näher. Doch Aldi sieht Potenzial für 300 Geschäfte – und für mehr Kunden.

Thomas Griesser Kym
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Im Tiefkühllager des Verteilzentrums von Aldi Suisse am Hauptsitz in Schwarzenbach. (Bild: Benjamin Manser)

Im Tiefkühllager des Verteilzentrums von Aldi Suisse am Hauptsitz in Schwarzenbach. (Bild: Benjamin Manser)

SCHWARZENBACH. Am 27. Oktober 2005 gingen die ersten vier Läden von Aldi in der Schweiz auf, davon drei in unserer Region: In Altenrhein, Amriswil und Weinfelden. Seither hat der Ableger des deutschen Discounters Aldi Süd ständig expandiert. Mittlerweile führt Aldi Suisse 176 Läden, bald sind es zwei mehr, und Ende Jahr dürften es «etwa 180 sein». Das sagt Timo Schuster, der als Landesgeschäftsführer die Geschicke der hiesigen Filialkette vom Hauptsitz in Schwarzenbach bei Wil aus lenkt.

Ursprünglich hatte Aldi in der Schweiz ein Netz von 200 Filialen anvisiert. Nun, da man dieser Zahl immer näher rückt, steckt Schuster die Ambitionen weiter und spricht von einem Potenzial von 300 Läden. «Ab jedem unserer drei Verteilzentren können wir bis zu 100 Filialen beliefern.» Jenes am Hauptsitz versorgt derzeit 64 Läden in der Ostschweiz, im Glarnerland, in Graubünden und einem Grossteil des Kantons Zürich. Die anderen Verteilzentren stehen im freiburgischen Domdidier und in Dagmersellen. Im Luzernischen ist Aldi nur eingemietet, und das Gebäude platzt aus allen Nähten. Deshalb baut Aldi in Perlen für 80 Mio. Fr. ein neues Verteilzentrum, wohin man Ende 2016 von Dagmersellen umziehen will.

Das Problem der Standortsuche

In Schwarzenbach, wo 315 Beschäftigte arbeiten, hatte Aldi in Hauptsitz und Verteilzentrum über 200 Mio. Fr. investiert. In die gesamte Infrastruktur, also inklusive der Filialen, hat das Unternehmen seit Markteintritt 1,2 Mrd. Fr. gesteckt. Inzwischen zählt Aldi Suisse 2520 Mitarbeitende sowie 130 Lernende.

Trotz kontinuierlichen Wachstums ist dieses in jüngerer Zeit abgeflacht. Für vergangenes Jahr beziffert das Marktforschungsinstitut GfK den Umsatzzuwachs von Aldi Suisse mit 3% auf 1,8 Mrd. Franken. Schuster mag diese Umsatzzahl nicht kommentieren, sagt aber, die Schätzung «geht in die richtige Richtung». Das geringere Wachstum – 2013 waren es geschätzte 5,5%, in früheren Jahren gar zweistellige Raten – erklärt Schuster einmal damit, dass die Verfügbarkeit geeigneter Grundstücke abnehme. «Wir würden gerne schneller expandieren, aber es gibt zu wenig gute Standorte.» Als ein Beispiel nennt er die Region Wil. Hier hat Aldi zwar Filialen in Bazenheid, Niederuzwil oder Sirnach, aber keine in der Stadt Wil. Zum anderen kommt der Schweizer Detailhandel als Ganzes kaum vom Fleck: 2014 nahm sein Volumen um 0,4% auf 97,6 Mrd. Fr. zu, doch das GfK spricht de facto von einem Nullwachstum über die vergangenen vier Jahre. Für das laufende Jahr ist laut den Marktforschern gar mit einer Schrumpfung um 2% bis 3% zu rechnen. Dies wegen zunehmenden Einkaufstourismus, Online-Shoppings und Preisdrucks.

Anreize für Wechselkunden

Dennoch zeigt sich Schuster für die kommenden Jahre «sehr positiv» gestimmt. Vor allem ortet er – angesichts eines Marktanteils von gut 1,8% – noch viel Potenzial bei den Kunden. Solche will er vor allem von Migros und Coop gewinnen. Als Anreize hat Aldi die Sortimente der Frisch- und gekühlten Produkte ausgebaut und bestückt die Läden sukzessive mit Backstationen. Dass man weniger Markenartikel im Angebot hat als Konkurrent Lidl, erachtet Schuster als Vorteil: «Wechselkunden suchen oft Abwechslung. Solche bieten wir mit unseren vielen Eigenmarken, die zudem günstiger sind als Markenartikel.»

Zum 10-Jahr-Jubiläum lädt Aldi Suisse am Hauptsitz in Schwarzenbach zum Tag der offenen Tür ein: Sonntag, 21. Juni, 12 bis 15.30 Uhr.